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Geschäftsidee aus Plagwitz: Designer bringt Leipziger Schlaglöcher zum Leuchten

Geschäftsidee aus Plagwitz: Designer bringt Leipziger Schlaglöcher zum Leuchten

Stefan Hölldobler kramt zwischen mehreren halbfertigen Lampenschirmen und zieht das Modell „Gießerstraße“ hervor. „Hier“, sagt er und zeigt auf eine große Beule in dem weißen, huckeligen Kunststoff, „man kann es sehr schön sehen: das war Kopfsteinpflaster.

Leipzig. “ Die „Gießerstraße“, die „Bamberger Straße“ und all die anderen Schirme haben ihre Form von Schlaglöchern auf Leipzigs Straßen erhalten.

Die Schlaglochlampen hat Hölldobler in seiner kleinen Leipziger Designfirma diefabrik entwickelt. Nach seinen Angaben sind sie ein Verkaufsschlager, sogar in einem Treppenhaus in Singapur hängen sie schon.

Hölldobler (29) hat diefabrik 2011 in einer alten Leipziger Fabrikhalle eingerichtet. Der gebürtige Würzburger hat die völlig zugewucherte Halle in einem früheren Industriestadtteil gekauft und hergerichtet. Mit einem Tischler, einem Blechner und einem Elektrotechniker werkelt er seitdem an der Schnittstelle zwischen Handwerk, Kunst und Design, wie er sagt. Für Hölldobler rechnet sich die Firma, er nimmt aber auch noch Brot-und-Butter-Aufträge an wie seine Mitstreiter auch.

Acht Produkte haben die Fabrikanten im Angebot, neben den Schlaglochlampen zum Beispiel ein Regalsystem aus recyclebarer Wellpappe oder den Flickrl-Teppich mit Tausenden Bildern aus einer Online-Fotoplattform. Billig ist nichts davon, die Schlaglochlampen etwa kosten ab 250 Euro aufwärts.

Wenn Produktdesigner Hölldobler über seine Pläne und Ziele redet, fallen immer wieder die Worte „Nachhaltigkeit“ und „Effizienz“. „Wir versuchen, eine Form, die es schon gibt, zu verwerten“, sagt er. Das gelte für die Schlaglochlampen, für die er Straßenlöcher mit Gips ausgießt, um die Vorlage zu erhalten, ebenso wie für alte Lautsprecherboxen längst untergegangener Traditionsunternehmen, die Hölldobler so herrichtet, dass ein MP3-Player angeschlossen werden kann. „Alles, was man braucht, gibt es schon in perfekter Form“, sagt der Designer. Deswegen versuche sich diefabrik mit ihrer speziellen Philosophie einen Platz in einer Nische zu erkämpfen.

Nach Ansicht des Publizisten und Designkritikers Thomas Edelmann ist das ein Rezept, das funktionieren kann. Zwischen unangefochtenen Design-Klassikern wie von Le Corbusier oder Arne Jacobsen und der billigen Massenware der Möbelmärkte sei eine Lücke, in die junge Designer stoßen könnten. „Der individualistische Markt ist an die Stelle dessen getreten, was früher das gesunde Mittelmaß war“, sagt Edelmann.

Wer im Internet individuelles Design sucht, wird schnell fündig: Da werden ausgediente Turnhallengeräte zu Sitzmöbeln umgestaltet, aus alten Weinfässern werden Tische. Designkritiker Edelmann warnt aber davor, mit einem Label wie „Nachhaltigkeit“ Schindluder zu treiben. Man müsse die Frage stellen dürfen, ob aus Recycling-Werkstoffen nicht manchmal einfach nur der Müll von morgen produziert wird.

Designer Hölldobler will keinen Etikettenschwindel betreiben, sagt er. „Es wäre frech zu behaupten, dass man das Müllproblem löst.“ Er hofft vielmehr, dass sein Konzept von den Käufern seiner Produkte verstanden wird. Die Schlaglochlampen etwa sieht er als Spurensuche in der Gesellschaft - die Form der Lampen werde von der Gesellschaft vorgegeben. Mit den Leuchten will er expandieren.

„Berlin, München, Hamburg, Stuttgart - ich finde, jede Großstadt sollte ihre Schlaglochlampen haben. Auch wenn wir in Leipzig natürlich die größte Vielfalt haben, weil wir auch die schönsten Schlaglöcher haben.“

Birgit Zimmermann, dpa

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