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Geschichtsstunde im Leipziger Stadtrat: Ernst-Thälmann-Platz wird Volksmarsdorfer Markt

Geschichtsstunde im Leipziger Stadtrat: Ernst-Thälmann-Platz wird Volksmarsdorfer Markt

Einen Ernst-Thälmann-Platz wird es in Leipzig künftig nicht mehr geben: Der Stadtrat folge am Mittwoch einem Antrag von Bündnis 90/ Die Grünen, die eine Rückbenennung des Ortes in "Volkmarsdorfer Markt" forderten.

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Der Stadtrat hat beschlossen, den Ernst-Thälmann-Platz an der Lukaskirche in Leipzig wieder in Volkmarsdorfer Markt rückzubenennen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Vor der Entscheidung gab es eine leidenschaftliche Diskussion um die historische Bedeutung des von den Nazis ermordeten KPD-Führers. Die Linke nannte die Umbenennung des Platzes "ein Signal zur falschen Zeit."

"Darf man eine historische Persönlichkeit in der späteren Geschichte neu bewerten", fragte Grünen-Abgeordneter Ingo Sasama in seiner Begründung für den Rückbenennungs-Antrag. "Man muss es sogar", folgerte er. Sasama führte Veröffentlichungen des Berliner Historikers und Thälmann-Forschers Ronald Sassning an, die die historische Rolle Thälmanns als SED-Mythos schildern.

Der Reichstagsabgeordnete und KPD-Chef Thälmann, der am 9. April 1932 auf dem Volksmarsdorfer Markt zu seinen Anhängern sprach, sei von der SED zum "weitsichtigen Politiker, der als einziger mit seiner Partei den aufkommenden Nationalsozialismus in der Weimarer Republik bekämpfte" stilisiert worden. Statt als charismatischen Führer hätte ihn Clara Zetkin vor allem als Kliquentreiber beschrieben, "kenntnislos und theoretisch ungeschult". Vor allem aber sei Thälmann schon in den 1920-er Jahren Stalinist und entschiedener Gegner der Demokratie gewesen. Sasama beruft sich auf den Historiker und Thälmann-Biografen Armin Fuhrer, wenn er sagt, dass Thälmann durch die Fixierung auf die Sozialdemokratie als Hauptfeind "indirekt zum Weg der Hitler-Partei an die Macht beigetragen hat".

Sasama kommt zu dem Schluss, dass die Benennung eines Platzes nach Thälmann auf der Basis der neuen Erkenntnisse historischer Forschung nicht mehr gerechtfertigt sei.

Die Linke-Fraktion wehrte sich gegen die Umbenennung des Platzes. Thälmann werde nachträglich bestraft für die Glorifizierung durch das SED-Regime, so der Abgeordnete William Grosser. Thälmann sei kein Heiliger gewesen. Sein Handeln sei im Kontext der nachkaiserlichen Weimarer Republik zu sehen, die nicht demokratisch im heutigen Sinne waren. "Es gab eine Verfassung, Parteien, aber keine einheitlichen Kräfte." Thälmann habe als Mensch geirrt, sich korrigiert und sei schließlich am Ende von den Nazis ermordet worden. "Er verdient, wie jeder Widerstandskämpfer von uns geachtet zu werden."

SPD-Fraktionschef Axel Dyck erklärte, dass seine Partei nicht einhellig für die Rückbenennung des Thälmann-Platzes sei. Für sich selbst sagte Dyck: "Am Ende des Klassenkampfes, für den Thälmann eintrat, stand ein totalitäres System. Das ist der Grund für mich, für den Antrag zu stimmen."

Schilder gibt es freilich nicht ab- oder umzubauen. "Soweit ich weiß, hat dort nie ein Schild gehangen", sagte Grünen-Fraktionschef Wolfram Leuze am Rande des Stadtrats. Statt dessen wird in Zukunft eine Gedenktafel am Volkmarsdorfer Markt an Thälmann erinnern.

Evelyn ter Vehn

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