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Lokales Getestet by Oma und Opa: Möbel zum Altwerden
Leipzig Lokales Getestet by Oma und Opa: Möbel zum Altwerden
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10:05 03.02.2016
Die vier Produktdesigner Kristin Overbeck, Benjamin Hein, Willi Möller und Jonathan Geffen (von links) wollen mit ihren Möbeln den Pflegemarkt erobern. Ihr Tisch hat einen Handlauf aus Holz, die Stühle eine Kippfunktion zum leichteren Aufstehen. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Am Anfang steht immer eine visionäre Idee. Bis sie zur Marktreife entwickelt ist, braucht es einen langen Atem, durchgearbeitete Nächte und die ständige Suche nach Finanzierungsquellen. Die LVZ stellt Gründer vor, die mit ihrem Startup auf dem Weg zum „richtigen“ Unternehmen sind, heute: die Firma Mormor.

„Mormor“ ist in Skandinavien der Begriff für „Mutter mütterlicherseits“, sprich für Großmutter. Die vier Gründer des Leipziger Startups haben sich diesen Namen ausgesucht, weil er in doppelter Hinsicht passt: Sie machen Möbel zum Altwerden und stellen dabei den skandinavischen Designanspruch aus klarer Formgebung und natürlichen Materialien an sich selbst. Schon während ihres Studiums an der Burg Giebichenstein beschäftigten sich die angehenden Produktdesigner mit Möbeln, die für ältere oder körperlich eingeschränkte Menschen geeignet sind. Und erkannten darin eine Marktlücke, denn die Pflegemöbelbranche ist sehr konservativ und ein eigenes Segment „Altenmöbel“ gibt es im Handel noch nicht. Bisher haben Jonathan Geffen (27, stammt aus München), Benjamin Hein (33, aus Weimar), Willi Möller (30, aus Schleusingen) und Kristin Overbeck (29, aus Emsdetten) unter dem Label Mormor drei verblüffend einfache Produkte entwickelt: einen Tisch mit abgerundeten Ecken und Handlauf aus Holz rundherum, an dem man sich festhalten und abstützen kann. Einen Stuhl mit Aufstehfunktion: Durch Druck auf die Armlehne kippt die Sitzfläche um 15 Grad nach vorn, damit fällt das Hochkommen leichter. Drittes Produkt ist eben jenes Handlaufsystem zum Befestigen an der Zimmerwand oder beispielsweise um eine Garderobe herum. „In Treppenhäusern gibt es überall Handläufe, aber in den Zimmern hören sie auf. Kristins Gedanke war es, Möbel und Handläufe zu kombinieren“, erzählt Jonathan Geffen.

Die Mormor-Stühle haben eine Kippfunktion zum leichteren Aufstehen. Quelle: André Kempner

Zu kaufen gibt es die Mormor-Produkte bisher noch nicht. Der Tisch kann aber bereits vorbestellt werden und soll Mitte des Jahres verfügbar sein. Am Stuhl muss noch einiges optimiert werden, zum Beispiel bei Entriegelung und Polsterung. Im September soll der Stuhl so weit ausgereift sein, dass er zur Messe Reha-Care in Düsseldorf vorgestellt werden kann. Bisher haben die vier Mormor-Gründer ihre eigenen Großeltern, Großtanten und Großonkel zum Testen eingespannt und beobachtet, wie sie mit den Möbeln klarkamen. Noch in diesem Quartal soll ein Test mit Bewohnern, Pflegern, Physiotherapeuten und der Heimleitung im Altenpflegeheim Akazienhof in Halle anlaufen. Potenzielle Kunden für die Möbel sind Kliniken, Betreutes Wohnen, Pflegeeinrichtungen, Rehazentren oder Wohnungsbaugenossenschaften. Und auch Privatleute, die aufgrund des Alters oder körperlicher Einschränkungen nicht mehr so mobil sind.

Geld verdienen die vier Gründer noch nicht mit ihrem Startup. Bisher haben sie rund 75 000 Euro in ihre Firma investiert – Geld, das sie durch andere Designer-Auftragsarbeiten verdient haben. Seit Anfang Januar können sie sich zudem auf ein Darlehen der Bürgschaftsbank Sachsen stützen, mit ihre Arbeit der Gründer in den nächsten anderthalb Jahren finanziert werden kann. In den nächsten ein bis zwei Jahren wollen es die Vier schaffen, ihren Lebensunterhalt durch Mormor zu erwirtschaften. „2016 wollen wir uns als Marke für Hilfsmöbel bekannt machen“, sagt Jonathan Geffen. Nächste wichtige Station wird die Altenpflegemesse Anfang März in Hannover. „Jahr für Jahr wollen wir neue Produkte auf Messen vorstellen. Die Ideen gehen uns nicht aus“, ergänzt Kristin Overbeck. Zu Tischen und Stühlen könnten in Zukunft auch Sofas und Sessel kommen.

Ende 2015 hat sich das Startup räumlich vergrößert, ist aus der Naumburger Straße ins Tapetenwerk an der Lützner Straße umgezogen. Dort finden die vier Gründer mehr Platz und eine größere Werkstatt, in der sie ihre Modelle bauen und testen können. So viel Platz zu so günstiger Miete bekämen sie beispielsweise in Berlin nicht. „Außerdem spricht für den Standort Leipzig, dass wir hier Zugang zu Fördermöglichkeiten sowie zu Industrie und Herstellern haben“, sagt Jonathan Geffen.

Kontakt: www.mormor.de

Von Kerstin Decker

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