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Lokales Gewerbepark mit hunderten Jobs: Das neue Leben der Wollkämmerei
Leipzig Lokales Gewerbepark mit hunderten Jobs: Das neue Leben der Wollkämmerei
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11:14 26.09.2016
So in etwa soll der neue Gewerbepark auf dem Gelände der Wollkämmerei aussehen. Quelle: Joannes Fellner

Investor ist die Firma Terra Nova Wohn- und Gewerbebau aus Zwickau. Vor knapp einem  Jahr konnte sie das traditionsreiche Areal von der Treuhand-Nachfolgerin TLG Immobilien erwerben. Laut dem Geschäftsführenden Gesellschafter Christoph Fecke hat Terra Nova in Leipzig beispielsweise schon den Ratzelbogen – ein Stadtteilzentrum mit Läden, Gewerbe und kommunalen Einrichtungen – in Grünau verwirklicht. Damals begann auch die Zusammenarbeit mit dem hiesigen Projektentwickler Reinhard Beckmann, der nun für den neuen „Gewerbepark Berliner Brücke“ als Mann vor Ort verantwortlich ist.

Gegründet wurde die Leipziger Wollkämmerei 1872 als Aktiengesellschaft zum Waschen und Kämmen von Wollen aller Art. Um 1920 beschäftigte sie bereits etwa 2000 Mitarbeiter, besaß auch Anteile am Hotel Astoria. 1943 gehörte die Mehrheit der Unternehmensanteile Georg Stöhr, dem Hauptaktionär der Kammgarnspinnerei Stöhr und Co. AG in Leipzig. Im selben Jahr wurden große Teile des Firmenareals in Mockau-Süd – kurz vor der Grenze zu Schönefeld – bei Luftangriffen zerstört. Nach der Enteignung 1947 erfolgten der Wiederaufbau und die Umwandlung zum Volkseigenen Betrieb (VEB). Am 26. Juni 1986 zündete ein frustrierter Hilfsarbeiter im Keller eines Produktionsgebäudes Chemiefasern aus Polyacrylnitril an – er löste damit einen Großbrand und zugleich einen der schwierigsten Einsätze der Leipziger Feuerwehr aus. Zwei Arbeiterinnen starben an den Rauchgasen, die eine extreme Konzentration von Blausäure und wahrscheinlich auch Senfgas enthielten. 26 Feuerwehrleute erlitten trotz Atemschutzmasken Vergiftungen, wurden ohnmächtig. Der Qualm führte auch dazu, dass etliche Vögel von einer Kastanie am Eingang tot herabfielen.

Nach der Wende konnte sich nur eine kleine Produktion in Regie des französischen Konzerns Chargeurs Wool halten, bei der Schafwolle aus Australien und Sachsen verarbeitet wurde. Durch den Wegfall der Importbeschränkungen für Textilien aus Asien kam 2005 das endgültige Aus. Viele Gebäude waren damals bereits ruiniert. Die TLG ließ das Meiste abreißen, siedelte auf einem kleinen Teil des 14,5 Hektar umfassenden Areals die T&T Reifenwelt und 2008 den Baustoffhändler WeGo an. Danach geschah nicht mehr viel. Außer, dass in die übrig gebliebenen Altbauten an der Volbedingstraße der Tanzklub „Alte Wollkämmerei“ einzog. Und dass die TLG vor dem Verkauf der restlichen gut zehn Hektar an die Terra Nova sämtliche Altlasten im Boden beseitigen ließ.

Folglich können die neuen Besitzer nun sofort durchstarten. Erst vor einem Monat wurde ein städtebaulicher Vertrag mit der Kommune über den Bau der Erschließungsstraße unterzeichnet, berichtet Firmenchef Fecke. Diese wird von der Volbedingstraße 2/4 abzweigen, im August fertig sein und Wollkämmereistraße heißen. „Zeitgleich kommen modernste Medienanschlüsse für Wasser, Strom, Gas sowie ein Internetzugang mit zehn Gigabit pro Sekunde in den Boden“, so Projektentwickler Beckmann. Auch ein Regenrückhaltebecken samt ökologischer Einleitung in die Parthe entstehe in den kommenden Wochen.

Im ersten Schritt werden nur 3,5 der rund zehn Hektar gewerbliches Bauland vermarktet. „Für ein innerstädtisches Industrie- und Gewerbegebiet ist das aber durchaus eine beachtliche Größe“, sagt Steffen Sauer vom Immobilienspezialisten BNP Paribas Real Estate. Um den Zuspruch von kleinen und mittelständischen Unternehmen, IT- und Startup- Firmen oder Express-Kurierdiensten ist ihm nicht bange. „Die Verkehrsanbindung mit Bundesstraße, S-Bahn-Station, Straßenbahn und Bus kann man sich nicht besser vorstellen. Zum Beispiel haben Internet-Versandhändler heutzutage eine Rücklaufquote von 50 Prozent. Da ist ein so zentraler Standort ideal.“

Laut Geschäftsführer Fecke könnten im „Gewerbepark Berliner Brücke“ mehrere hundert Jobs entstehen. „Schon den Straßenbau übernimmt eine Firma aus dem sächsischen Narsdorf“, sagt er.

www.gewerbepark-leipzig.com

Jens Rometsch

Mehr Stellenangebote findet Sie unter www.lvz-job.de

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