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Lokales Giftmüll-Razzia in Leipzig: Polizei-Großaufgebot durchsucht Industrie-Ruine
Leipzig Lokales Giftmüll-Razzia in Leipzig: Polizei-Großaufgebot durchsucht Industrie-Ruine
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15:54 17.07.2015
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  "Vor Ort wurden fünf verschlossene Fässer mit der Aufschrift ,Chromsäure-Lösung' und unter anderem zirka 800 Liter Altöl in verschiedenen Gebinden aufgefunden", teilte Angelika Freifrau von Fritsch mit, Leiterin des Amtes für Umweltschutz (AfU).

Die städtische Behörde war schon seit Donnerstag durch eine entsprechende LVZ-Anfrage über die dubiosen Chemikalien-Altlasten informiert, reagierte zunächst aber nicht. Dabei gibt es hinsichtlich der Abfallentsorgung auf dem früheren VEB-Gelände bereits seit Jahren Defizite, wie das Umweltamt nun selbst einräumte. "Im Jahr 2012 hatte die Stadt Leipzig aufgrund eines Brandes und der damit verbundenen Ortsbegehung vom Eigentümer ein Abfallentsorgungskonzept eingefordert", so die Behörde. "Dieses wurde dem Fachamt ein Jahr später vorgelegt, entsprach aber nicht den behördlichen Anforderungen. Die geforderte Nachbesserung des Konzeptes liegt noch nicht vor."

Doch erst jetzt, nachdem offenbar ein illegales Lager mit ätzender, hochgiftiger Chromsäure-Lösung - diese ist krebserregend und in geringsten Dosen tödlich - entdeckt wurde, rückt das Problem wieder ins Blickfeld: "Durch das AfU wird die zügige Umsetzung des bereits eingeforderten Abfallentsorgungskonzeptes forciert", versicherte dass Amt am Freitag. Zunächst habe der Eigentümer die Auflage erhalten, die Gebäude zu sichern, so die Stadt. "Das Grundstück war nicht durch einen Zaun gesichert, die Gebäude wurden offensichtlich an mehreren Stellen gewaltsam geöffnet."

Außerdem muss sich der Eigentümer um die Entsorgung der Fässer kümmern und eine Spezialfirma damit beauftragen. Das Umweltamt gab schon mal Entwarnung: "Gefundene Chemikalienfässer in der Torgauer Straße ungefährlich", war die entsprechende Presseinformation am Freitag überschrieben. Allerdings muss erst noch untersucht werden, was in den blauen Fässern, die ihrem Zustand nach offensichtlich noch nicht sehr lange in den VEB-Ruinen lagern, schlummert. Ob es sich tatsächlich um Chromsäure-Lösung handelt, wie es auf den Etiketten steht, soll bei einer sogenannten Deklarationsanalyse herausgefunden werden.

Zu weiteren Chemikalien-Funden machte die Behörde keine Angaben. Wie berichtet, wollen besorgte Leipziger in dem verlassenen Betrieb auch ausgetretenes, hochgiftiges Natriumcyanid sowie offen lagerndes Quecksilber entdeckt haben. "Eine Gefahr für Mensch und Umwelt besteht nach derzeitigem Kenntnisstand nicht", so Freifrau von Fritsch. Auch die Kommunalen Wasserwerke (KWL) beurteilten die Situation als weitgehend unkritisch: "Wir sind über die Lage informiert, sehen derzeit aber keine Gefahr für das Trinkwasser", so KWL-Sprecher Thomas Flint.

Die Polizei wird eine Umweltstrafanzeige erstatten und Ermittlungen aufnehmen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.08.2014

Frank Döring

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