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Lokales Giftstoffe schädigen Grundwasser in Leipzig: Stadt muss Tanklager dringend sanieren
Leipzig Lokales Giftstoffe schädigen Grundwasser in Leipzig: Stadt muss Tanklager dringend sanieren
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16:52 08.05.2013
Das ehemalige Tanklager VEB Farben- und Lackfabrik Mölkau. Das Areal ist mit krebserregendem Benzol kontaminiert, das Grundwasser geschädigt. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Der Stadtrat soll im Eilverfahren am Mittwoch rund eine Million Euro für die Sanierung durchwinken.

Bis zu einer Tiefe von fünf Metern sei das Gelände im Mühlweg 2 hoch belastet, teilte Jörg Seidel vom Amt für Umweltschutz auf Anfrage von LVZ-Online mit. Bereits ab einer Tiefe von zwei Metern gibt es Grundwasser. Die Schadstoffe würden über sogenannte Grundwasserleiter in die Fläche und mittlerweile auch in die Tiefe verfrachtet, erklärt Biologierat Seidel.

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Solange das Grundwasser nicht genutzt werde und niemand zum Beispiel durch Tiefbauten mit dem Erdreich in Berührung käme, gehe keine Gefahr von dem Benzol aus. Deshalb gilt: Im unmittelbaren Umfeld des ehemaligen Tanklagers darf kein Grundwasser entnommen und zum Trinken oder Bewässern genutzt werden. Das Amt für Umweltschutz untersagte bereits, Brauchwasser aus einem Betriebsbrunnen einer nahe gelegenen Firma zu entnehmen.

Leipzigs Trinkwasserreservoir ist von der Altlast nicht betroffen. Die Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) entnehmen es aus dem tiefen Schichten des Muldebetts zwischen Wurzen, Eilenburg und Naunhof und werden mit Wasser aus dem Elbefiltrat und Ostharz-Talsperren beliefert.

Herrenloses Grundstück mit sieben großen Erdtankbehältern

Das Areal in Mölkau soll nun für knapp eine Million Euro saniert werden. Die Stadt steht in der Pflicht, weil das Grundstück herrenlos ist: Die VEB Farben- und Lackfabrik gibt es seit 1990 nicht mehr, und die Deutsche Shell Aktiengesellschaft verzichtete 1993 auf ihr Grundstück, das im Sächsischen Altlastenkataster verzeichnet ist. Der Freistaat Sachsen wollte sein Recht, sich als Eigentümer eintragen zu lassen, nicht wahrnehmen. Wegen der Altlasten sei es dem Freistaat auch nicht möglich, das Grundstück an Interessenten abzutreten, erklärte der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB).

Wie aus der Beschlussvorlage für die Stadträte hervor geht, nehmen Experten seit 1991 die Boden- und Grundwassersituation auf dem Areal unter die Lupe. Die letzten Ergebnisse vom November 2012 lassen nun keinen Aufschub der Sanierung mehr zu. Benzol ist ein krebserregender Stoff, der je nach Konzentration das Blutbild verändern, Chromosomen schädigen und zu Leukämie führen kann.

Das ehemalige Tanklager in Mölkau besteht aus sieben Erdtankbehältern, die mehr als 200.000 Liter fassen können. Seit 1928 wurden dort Vergaserkraftstoffe gelagert. Von 1947 bis 1989 dienten die Tanks als Behälter für Farbverdünner und Lösungsmittel. In der Sitzung am 15. Mai sollen die Stadträte 947.500 Euro für die „Gefahrenabwehr“ freigeben. Im kommenden Jahr soll das Sanierungskonzept entstehen, ab 2015 würden die Erdtanks dann rückgebaut und kontaminiertes Erdreich entsorgt.

Evelyn ter Vehn

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