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Lokales Girl tigert mit neuer Hüfte durchs Gehege - OP in Leipziger Klinik gut überstanden
Leipzig Lokales Girl tigert mit neuer Hüfte durchs Gehege - OP in Leipziger Klinik gut überstanden
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11:12 10.03.2011
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Leipzig/Halle

Dabei war der Eingriff im Januar eine Weltneuheit. Denn zum ersten Mal wurde einem Tiger eine Hüftgelenk-Endoprothese eingesetzt. Nicht jedes Tier kann einer solchen Behandlung unterzogen werden.

Der Wert der OP beträgt rund 20.000 Euro. „Die Kosten für die Entwicklung des Gelenks und der Einflug von Spezialisten war aber weitaus teurer“, sagt Tierarzt Peter Böttcher von der Klinik für Kleintiere der Universität Leipzig. Das mag teuer erscheinen, doch der Wert des Tieres ist weit größer. Der malaysische Tiger ist vom Aussterben bedroht. Denn insgesamt gibt es in freier Wildbahn nur noch 500 Tiere und etwa 100 in Gefangenschaft. Der Berg-Zoo Halle ist europaweit der einzige Zoo, der diese Rasse nachzüchtet.

Warum ein über 100 Kilo schweres Tier in einer Kleintierklinik operiert wird, ist einfach. „Das Tier ist zwar nicht unbedingt klein, gehört aber zur Spezies der Katzen und für die sind wir ja Spezialisten“, erklärt Böttcher. Ab und an seien es zwar auch Exoten, die bei ihm auf den OP-Tisch landen, im Normalfall aber eher Miezen und Hunde. „Über 90 Prozent unserer Patienten sind private Haustiere, wir arbeiten aber auch mit Zirkus- und Zootieren“, so der Tierarzt. Nur ein geringer Prozentsatz seien Nutztiere wie Polizeihunde. Daneben gibt es von der Uni noch die Klinik für Vögel und Reptilien und eine chirurgische Tierklinik.

Von der Dimension der Hüft-OP findet ein Eingriff laut Böttcher eher selten statt. Weder bei größeren noch bei kleineren Tieren. So sehr das Herz etwa an einem Hamster hängen mag: „Man muss immer bedenken, wie es dem Tier danach geht. Eine Operation nur um des Eingriffs wegen bringt weder Patient noch Besitzer etwas“, so der Tierdoc. Nicht einmal bei einem Turnierpferd hätte man eine solche Operation vorgenommen: „Das hängt zum einen mit dem Körperbau zusammen, zum anderen würde das Tier zu lange ausfallen und wäre dann für den Besitzer weniger wertvoll“, so Böttcher. Das mag  nach einer ethikfreien Kosten-Nutzen-Rechnung klingen, eine Narkose sei aber kein Schönheitsschlaf.

Bislang wurde diese Art von Prothese nur bei Hunden implantiert. Professor Pierre Montavon von der Universität Zürich hat sie gemeinsam mit der Schweizer Firma Kyon entwickelt. Für die achtjährige Tigerlady, die gerade in ihrer Lebensmitte steht, hat die Firma die Prothese extra angefertigt – kostenlos. Damit alles möglichst reibungslos klappt, ist der italienische Kleintierspezialist Dr. Aldo Vezzoni nach Leipzig eingeflogen worden und verzichtete auf sein Honorar. Übrigens: Sogar Menschen können eine Kyon-Prothese bekommen. Girl litt vorher unter Arthrose, jetzt zeigt die Lady bald wieder ihre Grazie.

Bislang tigert Girl in einem Innengehege des Zoos herum und kann von den Besuchern noch nicht bestaunt werden. Erst nach einem Kontroll-Röntgen wird entschieden, wann sie sich ihren Fans  wieder präsentieren kann. Denn selbst bei einer Raubkatze gilt das Motto: In der Ruhe liegt die Kraft.

Magdalena Froehlich

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