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Gleisbau lockt Investoren nach Lindenau

Plan fürs Brunnenviertel geht auf Gleisbau lockt Investoren nach Lindenau

In Lindenau ist Leipzigs Stadtplanern ein Vorzeigeprojekt geglückt: Während die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) die Straßenbahnanlagen in der Georg-Schwarz-Straße sanieren, stecken private Investoren hohe Millionenbeträge in Gebäude ringsum. Die Modernisierung der LVB-Infrastruktur werte die bislang vernachlässigte Ecke enorm auf, heißt es bei den privaten Bauherren.

Noch ist die LVB-Haltestelle am Diakonissenkrankenhaus eine Baustelle, im Brunnenviertel ist der erste von vier begrünten Innenhöfen fertig (rechts).

Quelle: André Kempner

Leipzig. In Lindenau ist Leipzigs Stadtplanern ein Vorzeigeprojekt geglückt: Während die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) die Straßenbahnanlagen in der Georg-Schwarz-Straße sanieren, stecken private Investoren hohe Millionenbeträge in Gebäude ringsum. Die Modernisierung der LVB-Infrastruktur werte die bislang vernachlässigte Ecke enorm auf, heißt es bei den privaten Bauherren. Damit die Haltestelle am Diakonissenkrankenhaus behindertengerecht ausgebaut werden kann, haben sie sich daran sogar finanziell beteiligt.

Leipzigs Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) sah sich am Montag vor Ort um. Sie hatte die stadteigenen LVB lange gedrängt, den Nahverkehr in der Georg-Schwarz-Straße aufzuwerten. Der private Immobilienentwickler Stadtbau AG hatte dort schon vor Monaten 61 zumeiste leerstehende denkmalgeschützte Mehrfamilienhäuser erworben und wollte sie sanieren – vor allem für Senioren und Familien mit Kindern. Deshalb war der Wunsch nach besseren Nahverkehrsangeboten zentral.

Auch das Diakonissenkrankenhaus hatte damals im Rathaus angeklopft, weil es für sechs Millionen Euro eine neue Intensivstation bauen wollte. Die Einrichtung war bereit, den Krankenhauspark der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und zu einem Anziehungspunkt für die Naherholung der Bewohner von Lindenau und Leutzsch zu machen. Im Gegenzug baten die Mediziner darum, die Haltestelle vor ihrem Krankenhaus behindertengerecht umzubauen – damit Patienten und Besucher möglichst leicht zu ihnen gelangen können. Leipzigs Stadtplaner versuchten, alle Interessen unter einen Hut zu bringen. „Am Ende ging es nur noch um die Finanzierung des Umbaus der Haltestelle Diakonissenhaus“, erinnert sich Dubrau.

Großer Bahnhof am Montag in der Georg-Schwarz-Straße: Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau lässt sich von den Investoren den Baufortschritt erläutern. Von links: Stadtbau-Chef Patrik Fahrenkamp, Christoph Möllering vom Diakonissenkrankenhaus, LVB-Geschäftsführer Ronald Juhrs und Michael Kühne, ebenfalls vom Diakonissenhaus.

Großer Bahnhof am Montag in der Georg-Schwarz-Straße: Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau lässt sich von den Investoren den Baufortschritt erläutern. Von links: Stadtbau-Chef Patrik Fahrenkamp, Christoph Möllering vom Diakonissenkrankenhaus, LVB-Geschäftsführer Ronald Juhrs und Michael Kühne, ebenfalls vom Diakonissenhaus.

Quelle: André Kempner

Um diesen Stolperstein aus dem Weg zu räumen, stellte die Stadt für den 1,3 Millionen Euro teuren Haltestellen-Umbau 200.000 Euro Sanierungsmittel bereit – es fehlten immer noch 100.000 Euro. Deshalb wurde bei den beiden Großinvestoren aus der Nachbarschaft angeklopft, die mit ihren Projekten in den Startlöchern saßen. Beide schlossen die Finanzlücke mit eigenem Geld – und alle Großprojekte konnten gestartet werden.

Inzwischen sind die ersten Gleisabschnitte erneuert; zwischen Klopstock- und Prießnitzstraße werden die Asphaltdecke geschlossen und die Bahnsteige der neuen Haltestelle aufgebaut. Weil Bauweichen entfernt werden müssen, wird die Straßenbahnlinie 7 am kommenden Sonntag gekappt. Ab Montag fährt sie dann wieder zweigleisig durch den Haltestellenbereich – halten wird sie dort aber erst wieder ab dem 22. August. „Für den Autoverkehr bleibt dieser Baustellenbereich noch bis zum 21. August gesperrt“, betonte LVB-Sprecher Marc Backhaus.

In der Nachbarschaft hat die Stadtbau AG zwischen Georg-Schwarz- und William-Zipperer-Straße Pflöcke eingeschlagen: Der sogenannte Block 2 – die Häuser zwischen Klopstock- und Rinckartstraße – sind fertig; ebenso der Block 4 zwischen Prießnitzstraße und „An der Lehde“. Das Karree 3 zwischen Klopstock- und Prießnitzstraße ist zur Hälfte fertig; das Karree 1 zwischen Günther- und Rinckartstraße soll bis Ende 2016 folgen.

Im Block 2 ist zu sehen, wie es dann überall aussehen soll: Dort ist im Innenhof eine 4000 Quadratmeter große Freifläche mit Spielplatz, Gärten und Begegnungsflächen entstanden. „Rund 1200 neue Mieter werden nach der Sanierung das Viertel neu beleben“, sagt Patrik Fahrenkamp, Vorstandsvorsitzender der Stadtbau AG. Sein Unternehmen investiert für das neue Brunnenviertel 60 Millionen Euro.

Das Diakonissenkrankenhaus will ab September auf seinem Gelände Grünflächen und zusätzliche Sitzplätze für wartende Fahrgäste der Straßenbahn schaffen. „Mindestens 500 Menschen mit einer Gehbehinderung verlassen täglich die Straßenbahn am Diakonissenhaus oder steigen ein“, sagt der theologische Geschäftsführer Michael Kühne. Darunter seien Patienten des Krankenhauses und der Arztpraxen auf dem Gelände, Kunden der Apotheke, Bewohner des Betreuten Wohnens und Angehörige, die ihre Verwandten im Krankenhaus und im Altenpflegeheim besuchen.

Auch die neue Intensivstation ist fast fertig. „Am 9. September feiern wir dort Einweihung“, so Kühne. Die neue Station ragt in den Krankenhauspark hinein, der mit seinen Grünflächen, Bänken, Teich und Kunstwerken für Menschen mit kleinem Aktionsradius ein Naherholungsziel werden soll.

Die LVB erwarten, dass sich ihre 1,5-Millionen-Investition in die Gleisanlagen in der Georg-Schwarz-Straße auszahlen. „Durch die neuen Angebote werden die Fahrgastzahlen deutlich wachsen“, ist Technik-Geschäftsführer Ronald Juhrs überzeugt.

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