Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Gleisbau lockt Investoren nach Lindenau
Leipzig Lokales Gleisbau lockt Investoren nach Lindenau
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:40 06.08.2015
Großer Bahnhof am Montag in der Georg-Schwarz-Straße: Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau lässt sich von den Investoren den Baufortschritt erläutern. Von links: Stadtbau-Chef Patrik Fahrenkamp, Christoph Möllering vom Diakonissenkrankenhaus, LVB-Geschäftsführer Ronald Juhrs und Michael Kühne, ebenfalls vom Diakonissenhaus. Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

In Lindenau ist Leipzigs Stadtplanern ein Vorzeigeprojekt geglückt: Während die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) die Straßenbahnanlagen in der Georg-Schwarz-Straße sanieren, stecken private Investoren hohe Millionenbeträge in Gebäude ringsum. Die Modernisierung der LVB-Infrastruktur werte die bislang vernachlässigte Ecke enorm auf, heißt es bei den privaten Bauherren. Damit die Haltestelle am Diakonissenkrankenhaus behindertengerecht ausgebaut werden kann, haben sie sich daran sogar finanziell beteiligt.

Leipzigs Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) sah sich am Montag vor Ort um. Sie hatte die stadteigenen LVB lange gedrängt, den Nahverkehr in der Georg-Schwarz-Straße aufzuwerten. Der private Immobilienentwickler Stadtbau AG hatte dort schon vor Monaten 61 zumeiste leerstehende denkmalgeschützte Mehrfamilienhäuser erworben und wollte sie sanieren – vor allem für Senioren und Familien mit Kindern. Deshalb war der Wunsch nach besseren Nahverkehrsangeboten zentral.

Auch das Diakonissenkrankenhaus hatte damals im Rathaus angeklopft, weil es für sechs Millionen Euro eine neue Intensivstation bauen wollte. Die Einrichtung war bereit, den Krankenhauspark der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und zu einem Anziehungspunkt für die Naherholung der Bewohner von Lindenau und Leutzsch zu machen. Im Gegenzug baten die Mediziner darum, die Haltestelle vor ihrem Krankenhaus behindertengerecht umzubauen – damit Patienten und Besucher möglichst leicht zu ihnen gelangen können. Leipzigs Stadtplaner versuchten, alle Interessen unter einen Hut zu bringen. „Am Ende ging es nur noch um die Finanzierung des Umbaus der Haltestelle Diakonissenhaus“, erinnert sich Dubrau.

Großer Bahnhof am Montag in der Georg-Schwarz-Straße: Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau lässt sich von den Investoren den Baufortschritt erläutern. Von links: Stadtbau-Chef Patrik Fahrenkamp, Christoph Möllering vom Diakonissenkrankenhaus, LVB-Geschäftsführer Ronald Juhrs und Michael Kühne, ebenfalls vom Diakonissenhaus. Quelle: André Kempner

Um diesen Stolperstein aus dem Weg zu räumen, stellte die Stadt für den 1,3 Millionen Euro teuren Haltestellen-Umbau 200.000 Euro Sanierungsmittel bereit – es fehlten immer noch 100.000 Euro. Deshalb wurde bei den beiden Großinvestoren aus der Nachbarschaft angeklopft, die mit ihren Projekten in den Startlöchern saßen. Beide schlossen die Finanzlücke mit eigenem Geld – und alle Großprojekte konnten gestartet werden.

Inzwischen sind die ersten Gleisabschnitte erneuert; zwischen Klopstock- und Prießnitzstraße werden die Asphaltdecke geschlossen und die Bahnsteige der neuen Haltestelle aufgebaut. Weil Bauweichen entfernt werden müssen, wird die Straßenbahnlinie 7 am kommenden Sonntag gekappt. Ab Montag fährt sie dann wieder zweigleisig durch den Haltestellenbereich – halten wird sie dort aber erst wieder ab dem 22. August. „Für den Autoverkehr bleibt dieser Baustellenbereich noch bis zum 21. August gesperrt“, betonte LVB-Sprecher Marc Backhaus.

In der Nachbarschaft hat die Stadtbau AG zwischen Georg-Schwarz- und William-Zipperer-Straße Pflöcke eingeschlagen: Der sogenannte Block 2 – die Häuser zwischen Klopstock- und Rinckartstraße – sind fertig; ebenso der Block 4 zwischen Prießnitzstraße und „An der Lehde“. Das Karree 3 zwischen Klopstock- und Prießnitzstraße ist zur Hälfte fertig; das Karree 1 zwischen Günther- und Rinckartstraße soll bis Ende 2016 folgen.

Im Block 2 ist zu sehen, wie es dann überall aussehen soll: Dort ist im Innenhof eine 4000 Quadratmeter große Freifläche mit Spielplatz, Gärten und Begegnungsflächen entstanden. „Rund 1200 neue Mieter werden nach der Sanierung das Viertel neu beleben“, sagt Patrik Fahrenkamp, Vorstandsvorsitzender der Stadtbau AG. Sein Unternehmen investiert für das neue Brunnenviertel 60 Millionen Euro.

Das Diakonissenkrankenhaus will ab September auf seinem Gelände Grünflächen und zusätzliche Sitzplätze für wartende Fahrgäste der Straßenbahn schaffen. „Mindestens 500 Menschen mit einer Gehbehinderung verlassen täglich die Straßenbahn am Diakonissenhaus oder steigen ein“, sagt der theologische Geschäftsführer Michael Kühne. Darunter seien Patienten des Krankenhauses und der Arztpraxen auf dem Gelände, Kunden der Apotheke, Bewohner des Betreuten Wohnens und Angehörige, die ihre Verwandten im Krankenhaus und im Altenpflegeheim besuchen.

Auch die neue Intensivstation ist fast fertig. „Am 9. September feiern wir dort Einweihung“, so Kühne. Die neue Station ragt in den Krankenhauspark hinein, der mit seinen Grünflächen, Bänken, Teich und Kunstwerken für Menschen mit kleinem Aktionsradius ein Naherholungsziel werden soll.

Die LVB erwarten, dass sich ihre 1,5-Millionen-Investition in die Gleisanlagen in der Georg-Schwarz-Straße auszahlen. „Durch die neuen Angebote werden die Fahrgastzahlen deutlich wachsen“, ist Technik-Geschäftsführer Ronald Juhrs überzeugt.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Viele Leipziger, die bislang zur Miete wohnen, könnten Geld sparen, wenn sie sich für den Kauf der eigenen vier Wände entscheiden. Mehr als 300 Euro im Monat sind in einzelnen Lagen möglich. Zu diesem Ergebnis kommt der „Wohnatlas 2015“, der am Dienstag veröffentlicht wird.

06.08.2015

Bisher glaubten Psychologen oft, Menschen unterer sozialer Schichten würden sich mehr um Andere kümmern. Forscher der Uni Leipzig kommen nun zu einem anderen Ergebnis.

03.08.2015

Dürfen die Wagenplatzbewohner doch dauerhaft an der Fockestraße 80 leben? Wenn es nach der Stadtverwaltung geht schon. Das Liegenschaftsamt verhandelt derzeit über einen Verkauf.

03.08.2015
Anzeige