Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Glocken für Leipziger Propsteikirche geweiht
Leipzig Lokales Glocken für Leipziger Propsteikirche geweiht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:12 06.05.2018
Andacht zur Glockenweihe in der Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig. Glockenweihe durch Bischof Heinrich Timmerevers Foto: Andre Kempner Quelle: Andre Kempner
Anzeige
Leipzig

Bewegende Momente am Samstagnachmittag in der Leipziger Nonnenmühlgasse: Vor rund 700 Gläubigen auf einer Freifläche neben dem Gotteshaus hat der Dresden-Meißener Bischof Heinrich Timmerevers drei neue Glocken für die katholische Propsteikirche geweiht. Fast auf den Tag genau drei Jahre nach der Weihe des Sakralgebäudes ist die Pfarrei St. Trinitatis damit endlich im Besitz eines Geläuts.

Es ist fünfstimmig, da mit den im Dezember 2017 in Innsbruck gegossenen Bronzestücken noch zwei Glocken aus der kürzlich abgerissenen alten Propstei in den Turm gehievt werden. Mit dem Einbau der bronzenen Instrumente wird am Dienstag begonnen. Am Sonntag besteht für alle Leipziger die Gelegenheit, sich das Geläut im Rahmen eines Gemeindefestes anzusehen.

Gemeinde würdigt Pater Gordian Landwehr

„Hoffen und beten wir, dass sie unsere Zeit überdauern. Dass sie Christus so verkünden, dass der Mensch mitschwingt, dass er sich einschwingt auf die Botschaft des Evangeliums“, sagte Bischof Timmerevers, bevor er die drei neuen Glocken mit Weihwasser besprengte, mit Weihrauch inzensierte (beräucherte) und mit Chrisamöl salbte. Das Oberhaupt der Katholiken im Bistum Dresden-Meißen ging in seiner Ansprache besonders auf den Glockenspruch des tiefsten und größten Klangkörpers (Ton: c’; Gewicht: rund 1700 Kilogramm) ein.

Die Gemeinde hatte sich im Vorfeld des Gusses für ein Wort des vor 20 Jahren verstorbenen Leipziger Dominikanerpaters Gordian Landwehr entschieden: „Wir brauchen die Gnade der Einheit.“ Diese Wahl beeindrucke ihn sehr. Der Spruch spiegele ein Stück Geschichte der Propstei wider und er verstehe ihn auch als ein Bekenntnis zur Ökumene in der Stadt Leipzig.

Katholiken gedenken der „evangelischen Geschwister“

Die Verbundenheit zu den „evangelischen Geschwistern“ spielte dann auch bei den Fürbitten gegen Ende der Feierstunde eine Rolle. Mit Blick auf die Glockenprojekte der benachbarten Gemeinden St. Nikolai und St. Thomas beteten die Christen der Trinitatispfarrei dafür, „dass unser Miteinander in den nächsten Monaten weiter wächst“.

Propst bedankt sich für die finanzielle Hilfe

Propst Gregor Giele bedankte sich als Hausherr für die maßgebliche Unterstützung der Diözese Dresden-Meißen bei dem Projekt. Der Guss der drei neuen Glocken kostete insgesamt 105.000 Euro. Auch die unzähligen Spender aus dem ganzen Land schloss Giele in seine Dankesworte ein.

Zur Galerie
Am Sonnabend sind drei Glocken der Propsteikirche in Leipzig geweiht worden.

„Wir stehen in großer Dankbarkeit vor Meisterwerken menschlicher Fähigkeit. Ich bin sehr froh, dass wir dieses Projekt nun abschließen können“, sagte er mit Blick auf die fünf mit Blumenkränzen geschmückten Klangkörper, die nach der Zeremonie von den anwesenden Gläubigen genaustens unter die Lupe genommen wurden. Etliche Erinnerungsfotos entstanden, viele Umarmungen zeugten davon, wie sehr sich die Gläubigen über den 5. Mai 2018 freuten.

Gemeindemitglied erinnert an 1982

Die einstündige Andacht vor der Kirche hatte mit einem emotionalen Rückblick begonnen. Gemeindemitglied Miriam Zeh-Glöckler erinnerte an den Pfingstmontag 1982. Sie war seinerzeit elf Jahre alt und verfolgte fasziniert die Segnung von vier Glocken für die nahezu vollendete Propsteikirche in der Emil-Fuchs-Straße. Begeistert sang sie das vom damaligen Propsteikantor Kurt Grahl eigens zu diesem Anlass komponierte Lied „Ruft es hinaus übers Land“ mit. Dies alles geschah, als es den Katholiken in der DDR nicht gerade leicht gemacht wurde, ihr Gemeindeleben zu gestalten. Aber es seien eben auch Zeiten gewesen, „da wurden die Glocken noch vor der Fertigstellung der Kirche geweiht und nicht drei Jahre später“, wie Miriam Zeh-Glöckler süffisant bemerkte.

Ironie darf nicht fehlen

Die kleine ironische Spitze musste wohl sein, denn noch vor der Einweihung der neuen Propstei am 9. Mai 2015 war bekannt geworden, dass das ursprüngliche Konzept mit sechs Glocken zum Scheitern verurteilt sei. Aus statischen Gründen wurde das Geläut daraufhin auf Fünfstimmigkeit abgeschmolzen.

Die sechste Glocke – eine Erinnerung an die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirche in der Rudolphstraße – sollte nicht mehr hängen, sondern als Standglocke lediglich angeschlagen werden. Doch Diebe durchkreuzten diesen planerischen Kompromiss. Sie stahlen das gute Stück im September 2015 aus dem verlassenen Gemeindezentrum am Rosental und flexten es in drei Teile.

Pfarrgemeinderatsvorsitzender würdigt die Glockengießer

Als der Auftrag zum Guss von drei neuen Glocken erteilt war, gab’s die nächste Hiobsbotschaft: Der für August 2017 angesetzte Fertigungstermin wurde von der beauftragten Firma wegen Überlastung abgesagt. Erst im Dezember vorigen Jahres floss Bronze – in der Innsbrucker Leopoldstraße bei den Glockengießern aus dem Hause Grassmayr.

„Es war beeindruckend zu erleben, wie sich bei diesem Familienunternehmen Beruf und Berufung vereinen“, zollte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Stephan Twardy den Tirolern und dem Ergebnis ihrer Hände Arbeit Respekt. Irgendwann in den kommenden Wochen wird es zu hören sein.

Von Dominic Welters

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wohnungsmangel war wichtiges Thema beim Besuch von Horst Seehofer in Leipzig. In der Baumwollspinnerei verriet der Innenminister, wie er bezahlbaren Wohnraum schaffen will - und kam auch mit Demonstranten ins Gespräch.

06.05.2018

Konfettiregen und strahlender Sonnenschein begleitete die Teilnehmer der 7-Seen-Wanderung, als der Startschuss zu den ersten Touren fiel. Vom 4. bis 6. Mai 2018 stehen knapp 70 Wanderungen auf dem Programm.

05.05.2018

Der bundesweite Tag der Städtebauförderung wird am Samstag in der Leipziger Baumwollspinnerei eröffnet. Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wird zum Auftakt erwartet.

05.05.2018
Anzeige