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Lokales Glückliche Momentaufnahme: Die Frau, die das S-Bahn-Baby fotografierte
Leipzig Lokales Glückliche Momentaufnahme: Die Frau, die das S-Bahn-Baby fotografierte
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23:22 08.08.2013
Das kleine Mädchen in den Händen seiner Geburtshelferin. (Bild: Catrin B.) Quelle: B. Catrin

Mit der Öffentlichkeit mochte sie nichts zu tun haben. Aber von dem Baby gibt es Fotos, weil eine aufmerksame Pendlerin ihren Fotoapparat zückte.

Donnerstagmorgen, 5.45 Uhr, Halle-Hauptbahnhof: Die Hallenserin Catrin Bonhagen (46) wartet wie jeden Tag auf die S-Bahn, die sie zu ihrer Arbeit nach Schkeuditz bringen soll. Doch diesmal ist alles ganz anders. Der Zug wird dichtgemacht, die Reisenden müssen warten. Rettungssanitäter eilen herbei. Weil eine Trage fehlt, wird ein Rollstuhl organisiert, um eine junge Frau hineinzuhieven, die vorher im Zug saß. Bonhagen wird neugierig. Vom Schaffner erfährt sie, dass in einem der Waggons gerade ein Kind zur Welt gekommen ist. Da erblickt sie durch die Zugscheibe eine ältere Frau, die ein Baby im Arm wiegt.

Zufällig hat sie eine Kamera dabei. „Denn ich fotografiere für mein Leben gern“, sagt Bonhagen. Sie ahnt nicht, dass sie gleich ganz wichtige Aufnahmen, vielleicht sogar die wichtigsten ihres Lebens machen wird. „Ich habe an die Scheibe geklopft und der Frau ein Zeichen gegeben, dass ich sie gern fotografieren würde“, erinnert sich Bonhagen. „Da hat sie mir angedeutet, dass es okay ist und das Kleine in die Kamera gehalten.“ Die Fotografin mutmaßt: „Ich denke, dass die Mutter des Babys eine Ausländerin ist. Sie schien mir auch etwas schüchtern.“

Rückblick: 5.05 Uhr startet in Leipzig gestern Morgen die S-Bahn. Zwei Frauen, Mutter und Tochter, steigen ein. Die Tochter ist hochschwanger und will eigentlich in Halle im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara ihr Baby entbinden. Doch es wird genau hier im Zug das Licht der Welt erblicken. Ob sie das schon ahnt, als nach wenigen Stationen heftige Wehen einsetzen? Der Schaffner versucht jedenfalls, im Zug eine Hebamme, eine Krankenschwester oder einen Arzt zu finden. Vergeblich. Der Notarzt in Halle wird informiert.

Doch bis der helfen kann, ist es längst zu spät. Nun bleibt nur eines: Die Frauen riegeln sich auf der Behindertentoilette ein und bringen mit vereinten Kräften das Kleine selbst zur Welt. Die Welt – das ist die Toilette einer S-Bahn, die durch Gröbers rauscht. Nach dem längeren Zwischenstopp in Halle düst die Bahn dann nach Leipzig zurück.

Für Bonhagen geht dieser Tag nun wieder im gewohnten Trott weiter. Sie fährt an die DHL-Rampe, belädt ihren Transporter für einen Subunternehmer und düst nach Nürnberg. „Das mache ich jeden Tag – 700 Kilometer runterschrubben. Aber ich bin damit zufrieden.“ Am Nachmittag kommt sie zurück. Später geht sie sogar noch zum Polterabend. Diesen Tag aber wird sie so schnell nicht vergessen. Das Fotohonorar hat sie einem gemeinnützigen Verein gespendet.

Roland Herold

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