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Lokales Goetz-Haus in Leipzig-Lindenau verwahrlost – Infotafel verrät: Restaurant soll entstehen
Leipzig Lokales Goetz-Haus in Leipzig-Lindenau verwahrlost – Infotafel verrät: Restaurant soll entstehen
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15:09 30.01.2014
Das Goetz-Haus an der Lützner Straße in Leipzig steht schon mehr als drei Jahre leer. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Eigentlich sollte einmal ein begehbares Lager des Sportmuseums einziehen. Stattdessen informiert nun ein Schild über andere Pläne: „Hier mietet die Stadt Leipzig und es entsteht ein Restaurant mit Lieferservice“.

Die Infotafel wirft Fragen auf: Die Stadt Leipzig führt Restaurants? Was genau könnte geplant sein – eine städtische Suppenküche, die Bedürftige mit Zutaten aus Leipzigs Kleingärten und Tageskreationen des Oberbürgermeisters speist? Sind die früheren Pläne für das Goetz-Haus über Bord geworfen? 

 

Leipzig. Plastiktüten verfangen sich im Gestrüpp, das über den Zaun wuchert. An die Fenster sind Graffiti geschmiert, einige Scheiben sind durch Pappe ersetzt. Das Goetz-Haus an der Lütznerstraße in Lindenau verwahrlost seit mehr als drei Jahren. Eigentlich sollte einmal ein begehbares Lager des Sportmuseums einziehen. Stattdessen informiert nun ein Schild über andere Pläne: „Hier mietet die Stadt Leipzig und es entsteht ein Restaurant mit Lieferservice“.
„Wir haben Angst, dass das Goetz-Haus verfällt“

  

Seitdem der Verein Goetz-Haus, der ein Vereinsheim und eine Gaststätte in dem Gebäude betrieben hatte, 2011 insolvent ging, ist die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) Eigentümerin des historischen Hauses. Es ist das ehemalige Anwesen von Ferdinand Goetz (1826 – 1915), einer bekannten Persönlichkeit der deutschen Turnergeschichte. Aufgrund dieser Geschichte entstand wohl auch die Idee, ein begehbares Depot des Sportmuseums in dem Haus einzurichten. Geschehen ist aber bis heute nichts; und so verwahrlost das Gebäude, das erst 2002 mit öffentlichen Mitteln grundlegend saniert worden ist. Vor zwei Wochen hat die Leipziger SPD-Fraktion nun angefragt, was mit dem Haus geschehe. „Wir haben Angst, dass es dem Verfall preisgegeben wird“, sagt Leipziger SPD-Vorsitzender Axel Dyck. Bisher blieb die Anfrage vom OBM unbeantwortet.  

Im Fenster des Goetz-Hauses hängt ein Zettel, den niemand angebracht haben will. Quelle: Dirk Knofe

Umso überraschender der offensichtlich neue Plan der Stadt, ein Restaurant mit Lieferservice zu eröffnen. Doch im Rathaus ist man ebenso erstaunt: Nein, heißt es, von der Idee wisse man nichts. Das Schild, das auch ein Wappen der Stadt Leipzig zeigt, sei „gänzlich unbekannt und habe mit der Stadt nichts zu tun“, so Sprecher Thorsten Vollstädt. Das Wappen sei nicht das offiziell städtische, sondern das Marketing-Wappen. 

Jedenfalls, die Stadt halte an dem Vorhaben fest, das Depot des Sportmuseums im Goetz-Haus einzurichten. „Die Verhandlungen des Liegenschaftsamts mit der LWB laufen“, so Vollstädt. In sechs bis acht Wochen sei das Thema in der Dienstberatung mit dem Oberbürgermeister.

Privater Investor im Spiel

  

Das Rätsel um das Infoschild kann auch die LWB nicht gänzlich lüften. Sprecherin Samira Sachse erklärt: „Nach Kenntnis der LWB hat der Insolvenzverwalter einen potentiellen Investor gefunden. Dieser Interessent, der den Betrieb eines Restaurants im Goetz-Haus erwägt, kann sich dem Vernehmen nach vorstellen, die übrigen Flächen an das Sportmuseum zu vermieten. Darüber wird nach unserem Wissen derzeit verhandelt.“ Im Übrigen trage der mit der Abwicklung beauftragte Rechtsanwalt auch die Pflicht, Schäden vom Gebäude abzuwenden.  

Insolvenzverwalter Friedbert Striewe ist am Donnerstag zu keiner Auskunft gegenüber LVZ-Online bereit. Die Sekretärin lässt mitteilen, dass das Schild nicht bekannt sei. Und so bleiben gleich mehrere Fragen unbeantwortet: Wer ist der Spaßvogel mit subtilem Humor und Insiderkenntnis über die Zukunft des Goetz-Hauses? Und weiß er, wie lange das Goetz-Haus noch vergammeln wird?

Lisa Berins

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