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Lokales Golfpark Seehausen soll illegal geschütteten Berg wieder beseitigen
Leipzig Lokales Golfpark Seehausen soll illegal geschütteten Berg wieder beseitigen
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00:32 03.06.2018
Der Golfpark Seehausen entstand in mehreren Ausbaustufen und umfasst heute mehr als 100 Hektar. Zum Teil erstrecken sich die Anlagen auch über ehemaliges Deponiegelände (die beiden großen Berge rechts). Rot umrandet ist der Bereich, in dem in den vergangenen Jahren eine illegale Aufschüttung entstand – sie soll nun wieder weg. Quelle: Luftbild: Google Earth
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Leipzig

Der Streit um Bodenablagerungen im Golfpark Seehausen zeitigt nun handfeste Konsequenzen. Die Stadt hat den Besitzer des über 100 Hektar großen Areals aufgefordert, einen illegal geschütteten Berg wieder zu beseitigen. Das könnte einige Millionen Euro kosten.

Bis zu 500 000 Tonnen aufgeschüttet

Der mehr als zehn Meter hohe Hügel – in der Fachsprache Haufwerk genannt – befindet sich auf den Flurstücken 122/6 und 122/12 der Gemarkung Seehausen. Für Ortsunkundige: Diese Flächen liegen zwischen dem großen Berg der Altdeponie Seehausen und dem Podelwitzer Weg. Über die Menge der dort angehäuften Bodenmassen mit Bauschuttanteilen gibt es unterschiedliche Schätzungen. Sie reichen von 100 000 bis 500 000 Tonnen.

Über 30 Prozent der Proben belastet

„Nach der Entlassung dieser Nebenfläche aus dem Deponieverfahren ist eine illegale Ablagerung entstanden, die im Fokus der Anordnung steht“, teilte das Amt für Umweltschutz auf LVZ-Anfrage mit. Die Anordnung stamme bereits vom 13. Februar 2018. Damit sei ein Verwaltungsverfahren entschieden worden, „das mit einer Anzeige begann“.

Technische Sicherungen fehlten

Wie berichtet, wollte der Leipziger Unternehmer Michael Klemmer (Besitzer des Golf&Country-Clubs Machern) im Jahr 2015 den Golfpark Seehausen kaufen. Noch bevor der Preis von 6,1 Millionen Euro fällig wurde, erhielt Klemmers Firma Vicus aber Hinweise von Abbruchunternehmern: „Wir sollten uns dringend genau ansehen, was dort im Boden schlummert.“ Es folgten privat veranlasste Probebohrungen, bei denen ein Teil der Befunde der Schadstoffklasse Z2 entsprach. Solches Material darf nur unter technischen Sicherungen (vor allem zum Schutz des Grundwassers) verwendet werden. Die Sicherungen fehlten jedoch.

Streit um mögliche Altlasten

Klemmer forderte den Besitzer – Franz Lauer aus Nürnberg – auf, die Mängel zu beheben. Schließlich habe Lauer im Kaufvertrag zugesichert, das Areal sei „altlastenfrei“. Seitdem streiten sich beide Seiten um die Gültigkeit der Verträge – zurzeit am Dresdner Oberlandesgericht. Mit vielen Vorwürfen wolle Vicus nur den Kaufpreis drücken, hatte Golfpark-Geschäftsführer Rolf Hartmann einst erklärt.

Hügel steht außerhalb der Bebauungspläne

Zumindest einige der Vorwürfe könnten durchaus berechtigt gewesen sein. So geht aus einem Prüfgutachten, das die Stadt 2017 veranlasst hatte, hervor, dass 31,25 Prozent der Bodenproben im Bereich des Haufwerks der Schadstoffklasse Z2 zuzurechnen sind. Außerdem bestätigte das Umweltamt jetzt der LVZ, dass der Hügel außerhalb des Bereichs aller Bebauungspläne zum Golfpark errichtet wurde. Weitere Auskünfte wollte das Amt nicht erteilen. Grund: Der Golfpark Seehausen habe gegen die Anordnung Widerspruch eingelegt. Dieses Verfahren dauere noch an.

Anwaltliches Schreiben bestreitet Umweltgefahr

Der Golfpark selbst schickte auf LVZ-Anfrage ein anwaltliches Schreiben. Darin wird versichert, es gebe bei dem Berg „keine schädlichen Bodenveränderungen oder Altlasten im Sinne des Bundes-Bodenschutzgesetzes“. Der Golfpark werde dort „rechtmäßige Zustände“ herstellen. „Herr Klemmer höchstpersönlich hat die Aufschüttung dieses Plateaus veranlasst, nachdem er den Kaufvertrag über den Golfpark abgeschlossen hatte.“

Klemmer weist Vorwürfe zurück

Das weist Klemmer energisch zurück. Er habe bereits eine Unterlassungserklärung gegen solche Aussagen des „Generalzeugen Rolf Hartmann“ vorbereitet. Angesichts der großen Bodenmassen sei die Behauptung blanker Unsinn. Bis heute habe kein Eigentumsübergang stattgefunden. Er wolle den Platz wegen des Altlastenrisikos auch gar nicht mehr haben.

Wiederholt Bauten nachträglich genehmigt

Um für den Hügel (samt eines dort geplanten Klubhauses) nachträglich Baurecht zu schaffen, hat der Golfpark bei der Stadt Anfang 2018 einen Antrag für ein Bebauungsplanverfahren eingereicht. Ob und wann es dazu kommt, ist offen, so das Baudezernat. Mit nachträglichen Genehmigungen half die Stadt schon mehrfach dem Golfpark aus der Patsche. So sicherte sie 2012 mit dem Bebauungsplan 338 den Fortbestand des längst fertigen Vereinshauses. Erst Ende 2017 erhielt der Lärmschutzwall zur S 9 (Regensburger Straße) nachträglich seine Baugenehmigung.

Regionalplan lässt keine Bebauung zu

Für das riesige Haufwerk dürfte dergleichen jedoch nahezu unmöglich sein. Denn die Flurstücke 122/6 und 122/12 liegen im erweiterten Siedlungsbeschränkungsbereich des Flughafens. Ein Antrag der Stadt, den Golfpark Seehausen vom entsprechenden Bauverbot im neuen Regionalplan für Westsachsen auszunehmen, wurde 2017 abgelehnt.

Interne Mail beschreibt Aussichten düster

In einer internen Mail, die der Golfpark versehentlich an die LVZ schickte, klingen die Aussichten eher düster. Zitat: „Es ist doch schon bekannt, dass es kein B-Plan-Verfahren geben wird wegen der Regionalplanung. Da geht nichts mehr.“

Geheimniskrämerei zum Panoramakurs

Unklar ist ebenfalls die Zukunft des auf neun Löcher angelegten Panoramakurses auf einem anderen Hügel nahe der Autobahn 14. Auf der Internetseite des Golfparks taucht der Kurs mit der tollen Aussicht nicht mehr auf, angeblich ist er gesperrt. Trotz Nachfrage gab der Golfpark zu diesem Thema keine Auskunft.

Erste Ermittlungsergebnisse der Staatsanwälte

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg hat Ermittlungen gegen Eigentümer Lauer und vier Personen aus dessen Umfeld eingestellt. Ihr ging es um steuerliche Aspekte der kostenlosen Bodenanlieferungen.

Bei den Ermittlungen der Leipziger Staatsanwaltschaft gegen denselben Personenkreis fiel gerade eine Entscheidung zum Tatverdacht des Betrugs. Über das Ergebnis sollen zuerst alle Betroffenen informiert werden. Zum Tatverdacht des „unerlaubten Betreibens von Anlagen“ sind die Ermittlungen noch nicht beendet.

Von Jens Rometsch

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