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Gospelchor der Thomaskirche Leipzig singt Musical „Amazing Grace“

Einmalige Aufführung am Sonnabend Gospelchor der Thomaskirche Leipzig singt Musical „Amazing Grace“

Es ist eine einmalige Geschichte: Der Gospelchor der Thomaskirche Leipzig „Open Up Wide“ singt am Sonnabend ab 18 Uhr in der Lutherkirche das Chormusical „Amazing Grace“ von Tore W. Aas und Andreas Malessa. Rund 50 Sänger plus Solisten und Band werden gut zwei Dutzend berührende und mitreißende Songs zu Gehör bringen – darunter den Titelsong „Amazing Grace“.

Der Gospelchor der Thomaskirche „Open Up Wide“ am Aufführungsort, der Leipziger Lutherkirche.

Quelle: Ralph Gambihler

Leipzig. Mitreißende Gospels, berührende Balladen, zweieinhalb Stunden lang – das gibt es am Sonnabend in der Lutherkirche am Johannapark. Der Gospelchor der Thomaskirche „Open Up Wide“ singt dort einmalig das Chormusical „Amazing Grace“. Am Pult steht Chorgründerin Eva von der Heyde. Für das 2003 ins Leben gerufene Ensemble ist es ein großer Tag. Ein Musical haben die rund 80 Chormitglieder – mehr als 50 werden nebst sechsköpfiger Band auf der Bühne stehen – bislang noch nicht gesungen. Die Proben laufen seit Monaten. Mit den Erlösen unterstützt der Chor ein Straßenkinderheim in Bangladesch.

„Amazing Grace“ (zu Deutsch: Erstaunliche Gnade) ist der vielleicht bekannteste Gospelsong der Welt. Vor allem im angloamerikanischen Raum gehört er zum kulturhistorischen Abc. Viele Engländer und Amerikaner können das Lied mitsingen, für die schwarze Bürgerrechtsbewegung ist es sogar eine Art Hymne. Auch hierzulande ist die Melodie bekannt. Das Musical knüpft daran an, nimmt mit „Amazing Grace“ Fahrt auf, umkreist und umspielt den Song, musikalisch wie inhaltlich.

Seine umjubelte Uraufführung erlebte das Musical im vergangenen Jahr während des Gospelkirchentags in Kassel. Die Verfasser des Werks sind der norwegische Chorleiter und Gospelspezialist Tore W. Aas (Musik) und der deutsche Musikjournalist Andreas Malessa (Text). Sie haben eine ebenso menschliche wie politische Tragödie zum Thema gemacht. Am historischen Beispiel des Sklavenhandels im 18. Jahrhundert erzählen Aas/Malessa eine im Grunde zeitlose Geschichte. „Amazing Grace“ handelt vom Totalverlust der Menschlichkeit, von Ausbeutung und Unterdrückung, von Verirrung, Machtmissbrauch, Gier und Not, aber auch von Einsicht, Bekehrung, von der Möglichkeit, etwas zu verändern – und natürlich von Liebe.

Pate stand zudem eine wahre Geschichte mit einer historisch bedeutsamen und reichlich schillernden Figur im Zentrum: John Newton, geboren 1725 in London, Seefahrer, Sklavenkapitän, Menschenschinder, Pfarrer, Dichter, Kämpfer wider die Sklaverei, bekannt geworden vor allem als Wegbereiter des postkolonialen Zeitalters und als Verfasser des Textes von „Amazing Grace“. Newton hatte zusammen mit William Wilberforce entscheidenden Anteil daran, dass der Sklavenhandel im British Empire 1807 verboten wurde. Er starb nur wenige Monate nach dem Verbot. Die Schöpfer des Musicals setzen diesem Mann ein musikalisches Denkmal. Zwischen den Zeilen lenken sie den Blick zudem auf den Menschenhandel unserer Zeit. Nach einer Studie des US- Außenministeriums leben aktuell weltweit 27 Millionen Menschen als Zwangsprostituierte, Haussklaven, Kinderarbeiter, Kindersoldaten und anderes.

Samstag, 18 Uhr, Lutherkirche, Ferdinand-Lassalle-Straße 25, Restkarten an der Abendkasse (ab 17 Uhr), www.gospel-leipzig.de

Von Ralph Gambihler

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