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Lokales „Gottes bunter Garten“: So vielfältig ist der Katholikentag in Leipzig
Leipzig Lokales „Gottes bunter Garten“: So vielfältig ist der Katholikentag in Leipzig
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20:23 26.05.2016
Gottes bunter Garten: Kirchenmeile zeigt die Vielfältigkeit der Gläubigen.  Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

 Der Wilhelm-Leuschner-Platz in der Leipziger Innenstadt bildet mit seiner Kirchenmeile derzeit einen Mikrokosmos des katholischen Lebens in Deutschland. Stand an Stand stellen sich dort über 250 Verbände, diözesane Laiengremien, geistliche Gemeinschaften, Orden und kirchliche Institutionen vor – und zeige, wie vielfältig das Kirchenleben längst ist.

Vor dem Zelt der Schönstatt-Bewegung, einer marianischen Gemeinschaft, stehen Schwestern in Habit, der traditionellen Ordenstracht – ein hochgeschlossenes dunkles Kleid, weißer Kragen und auf dem Kopf eine dunkle Schleierhaube. Die Frauen begrüßen Passanten, laden sie ein, ihr Zelt zu betreten. Es gibt Kaffee und Kuchen. „Wir bieten Raum zum Verweilen, zum Ausruhen und um sich zu begegnen“, erklärt Schwester Fedis. Ihr Name ist lateinisch und bedeutet Glaube, Treue, Vertrauen. „Es war mir wichtig, einen kraftvollen Namen zu tragen“, erklärt sie. Ihr Leben hat sie Gott verschrieben. „Ich habe mich dazu entschieden in Gehorsam, arm und ehelos zu leben und den Menschen zu helfen.“

Auch am Donnerstag waren in Leipzig wieder tausende Besucher des Katholikentages unterwegs. Fotos: Dirk Knofe

Dem Glauben sein Leben hat auch ein 25-jähriger Dominikaner-Novize verschrieben. „Ich lebe in einem Kloster in Worms“, erklärt der studierte Theologe. Seinen Namen möchte er nicht verraten. „Das Noviziat ist eine Form der Ausbildung. In dieser Zeit hält man sich im Hintergrund“, erklärt der junge Mann im weißen Gewand. „Die Ordenstracht trage ich nicht immer, aber bei Aktivitäten der Gemeinschaft, so wie hier auf dem Katholikentag.“

Am anderen Ende des Platzes, nahe dem Zugang zum S-Bahnhof, engagiert sich Lieselotte Loemke gegen das Pflichtzölibat katholischer Priester. „Mein Mann war Priester, dann kam die Liebe dazwischen und er musste seinen Posten aufgeben, um mich zu heiraten“, begründet die 73-Jährige ihren Einsatz. Die „Initiativgruppe vom Zölibat betroffener Frauen“ bietet ein Forum, eine Art Selbsthilfegruppe, für jene, die entweder mit einem ehemaligen Amtsträger verheiratet sind oder in einer heimlichen Partnerschaft leben. Loemke ist der Meinung, dass das Zölibat nicht automatisch mit dem Priesteramt verbunden ist, vielmehr sollte es auf freiwilliger Basis beruhen. „Jeder Mensch braucht doch einen anderen Menschen, um sich austauschen zu können“, plädiert sie für die Priesterliebe.

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Um Liebe geht es auch einige Meter weiter am Stand der „LesBischSchwulen Gottesdienst-Gemeinschaften“, die sich für die Gleichberechtigung von Minderheiten in der Kirche einsetzen und Gleichgesinnten eine Community bieten wollen. „Gott hat die Welt und die Menschen so erschaffen, wie sie sind“, plädiert Standbetreuer Gerhard. Seinen Nachnamen möchte der Münchener nicht verraten, denn „man weiß ja nie, wer das so liest“. Das mache die Brisanz der Thematik deutlich, mit der sich das Bündnis beschäftigt, sagt Markus Raschka, der seinen Kollegen auf dem Katholikentag unterstützt. „Die Menschheit ist Gottes bunter Garten. Wir sind alle unterschiedlich, das ist doch schön.“

Von nhr

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