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Grabungsaktion in Kairo fällt aus

Grabungsaktion in Kairo fällt aus

"Da blutet mir das Herz." Dietrich Raue, der Kustos der Ägyptischen Museums der Leipziger Universität, ist bestürzt über die ausufernde Gewalt im Land am Nil, das viele Jahre seine Heimat als Wissenschaftler war.

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Dietrich Raue, der Kustos des Ägyptischen Museums der Leipziger Universität, sieht Kulturgüter im Land am Nil in Gefahr.

Quelle: Andreas Döring

Bedroht sieht er dort auch die Kulturgüter und Ausgrabungsstätten, wie die am Tempel von Heliopolis in Kairo, wo Uni-Experten seit 2010 aktiv sind. Im September wollte Raue mit Kollegen wieder dorthin aufbrechen. "Wir haben das Unternehmen wegen der Risiken aber nun abgesagt."

Für acht Wochen sollte es erneut an jene Stätte gehen, die Raue wohlvertraut ist. Schon zu Zeiten, als er noch in Diensten des Deutschen Archäologischen Institutes stand, war er auf jenem Areal aktiv, an dem sich einst der gewaltige Heliopolis-Tempel als Zentrum der altägyptischen Religion erhob. Im 3. und 2. Jahrtausend vor Christus wurde die Kultstätte betrieben. "Anfangs stand uns dort eine Fläche von etwa 25 Hektar als Grabungsgebiet zur Verfügung, doch mittlerweile sind vier Hektar davon verloren", erzählt Raue. Besonders als die Muslim-Brüder in den letzten zwei Jahren regierten, sei die Fläche im Zuge einer wilden Landnahme überbaut worden. Er zeigt Fotos und Luftbilder, die seit 2011 gemacht wurden. Wo vorher noch archäologisch gearbeitet werden konnte, gibt es jetzt planiertes Terrain und hochgezogene Hauswände.

"Da lässt sich nicht mehr tief in die Geschichte eintauchen, die Erde kann hier nichts mehr preisgeben." Dabei sei der einstige Tempelbezirk eine wahre Schatztruhe. Opfertafeln, Reliefs, Bruchstücke mächtiger Königsstatuen und vieles mehr seien dort in Kooperation mit dem Antikendienst Ägyptens schon geborgen worden, so Raue. Als er 2011 und 2012 vor Ort war, hätten sich aber schon die Auswirkungen des wirtschaftliche Niederganges gezeigt. "Die ägyptischen Mitarbeiter plagten zunehmend die Alltagssorgen, die Versorgung ihrer Familien, die Engpässe bei Benzin oder bei Gasflaschen fürs Kochen." Die Sicherheits- sowie Finanzlage sei systematisch erodiert. "Als wir letztes Jahr am Heliopolis-Tempel eine Grabungskampagne machten, versuchten einige Polizisten, die Bauarbeiten auf dem Gebiet zu verhindern. Sofort kam es zum Menschenauflauf und die Ordnungshüter räumten das Feld."

Nach dem erneuten Machtwechsel und der Eskalation der Gewalt sieht Raue nun durchaus die Gefahr weiterer Übergriffe wie bei dem am Museum in Mallawi rund 250 Kilometer südlich von Kairo, wo eine Demonstration von Mursi-Anhängern außer Kontrolle geriet, der Ticket-Verkäufer erschossen und rund 1000 Objekte entwendet wurden. Große museale Einrichtungen würden zwar von der Armee gesichert, aber in der Fläche sei ein effektiver Schutz schwierig.

"Auch aus ihrer existenziellen Not heraus kommen Menschen dort auf Gedanken, auf die sie sonst nicht kommen würden", so Raue, der innig hofft, dass das Land, dem er sich verbunden fühlt, bald zur Ruhe kommt und nicht weiter im Chaos versinkt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.08.2013

Mario Beck

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