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Grabungsschätze aus dem Berg des Windes: Neue Schau in Leipzig

Grabungsschätze aus dem Berg des Windes: Neue Schau in Leipzig

Im Krochhaus in der Goethestraße können Besucher ab heute zwischen den Welten wandeln. Genauer gesagt, zwischen den monumentalen Felsengräbern in Assuan und jenen Gebieten, die einst den Königen des Reiches am Nil als Beschaffungsreservoir für Luxusgüter dienten.

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Kustos Dietrich Raue vor der Vitrine mit einer Totenmaske in der Sonderschau.

Quelle: André Kempner

Eine Sonderausstellung im Ägyptischen Museum der Uni blendet anhand von Fundstücken und textlichen Überlieferungen bis ins dritte Jahrtausend vor Christus zurück. Bestückt ist sie nicht nur mit Objekten aus dem hiesigen Fundus, sie glänzt auch mit vielen Leihgaben der Uni Bonn.

Kustos Dietrich Raue spricht von einem rundum gelungenen Kooperationsprojekt. "Wir helfen den Bonner Kollegen bei der Aufarbeitung ihrer Bestände, und sie haben uns Exponate überlassen, die der Ausstellung prächtig zu Gesicht stehen." Von 1959 bis 1984 waren die Fachleute aus Nordrhein-Westfalen am Qubbet el-Hawa, dem Berg des Windes, aktiv, der nahe Assuan und der legendären Metropole Elephantine aufragt und wie ein Schweizer Käse durchlöchert ist. Hunderte Grabstätten befinden sich dort und zeugen von den Bestattungsriten im alten Ägypten. Fast 1000 ausgegrabene Objekte fanden Eingang in die Bonner Sammlung und einige davon nun den Weg nach Leipzig. Darunter vergoldete Totenmasken, Figuren von Dienern, die im Jenseits hilfreich sein sollten, und Tongefäße für Speis und Trank der Verblichenen. "Das alles hat etwas Magisches", sagt Raue. "Der Totenkult war ausgeprägt und offenbart sich auch in den geflügelten Skarabäen auf Amuletten, die den Begrabenen als Symbole des erneuerten Lebens mitgegeben wurden."

Aber die bis zum 18. November laufende Ausstellung beschränkt sich nicht auf das, was der Qubbet el-Hawa an Kulturhistorischem preisgab. Raue: "Assuan und Elephantine waren eine Drehscheibe des Afrikahandels, über den die ägyptischen Herrscher all das Kostbare ins Land holten, was es im eigenen Reich nicht gab." Gold, Edelsteine, Weihrauch, Ebenholz und Elfenbein galt es zu besorgen, auch Pantherfelle waren als zünftige Priesterkluft gefragt. Karawanen rückten vor allem nach Nubien im heutigen Sudan aus, um die begehrte Ware zu ordern. Manchmal reichten die Einkaufstouren bis nach Äthiopien. Diesen Spuren folgt die Schau und macht sie trittfest mit Funden, die einst Georg Steindorff im nubischen Aniba machte. Zwischen 1913 und 1931 reiste der Begründer der Leipziger Sammlung und Namensgeber des hiesigen Ägyptologischen Institutes und Museums dreimal in den Sudan und barg in Aniba, das später vom Assuan-Stausee verschlungen wurde, viele Artefakte. Eine Auswahl davon sowie kartografisches Material und das Modell eines seiner Grabungsorte präsentiert die Ausstellung.

"Nicht nur für die breite Öffentlichkeit", merkt Raue an. Das ganze Projekt diene auch der Lehre. "Studenten haben an der Gestaltung mitgewirkt, Ägyptologie zeigt sich hier als Lernort in greifbarer Form."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.06.2013

Beck, Mario

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