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Lokales Graffiti-Künstler bringt Sehenswürdigkeiten auf Ampel-Schaltkästen
Leipzig Lokales Graffiti-Künstler bringt Sehenswürdigkeiten auf Ampel-Schaltkästen
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11:22 23.03.2018
Der Hauptbahnhof, das Neue Rathaus, die Oper und der Bayerische Bahnhof als Graffiti-Bild auf dem Schaltkasten. Hinter der Verschönerungsaktion stecken Graffiti-Künstler Benjamin Scheuner (Foto unten rechts) und Vermittler Rick Löbig (rechts). Quelle: Armin Kühne
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Leipzig

Es soll hin und wieder zu beobachten sein, dass sogenanntes Stadtmobiliar dazu genutzt wird, sich im Umgang mit Sprühdosen zu üben oder durch das Anbringen von Plakaten aufs nächste Untergrund-Event aufmerksam zu machen. In den meisten Fällen ist diese Art der Verwendung öffentlichen Eigentums illegal. Schön sieht’s obendrein nicht aus. Eher be...In Leipzig, allen voran in der Abteilung Stadtbeleuchtung des kommunalen Verkehrs- und Tiefbauamtes, fahren sie jetzt einen neuen Kurs: Die Wächter über Laternen und Ampeln setzen auf Graffiti-Kunst. Vor Kurzem haben sie ein knappes halbes Dutzend Schaltkästen von Lichtsignalanlagen im City-Bereich so gestalten lassen, dass Passanten ein Aha-Erlebnis haben und sich ein bisschen fühlen wie im Open-Air-Museum.

Graffiti-Kunst in der Leipziger City: An diesen Ampel-Schaltkästen haben Künstler Benjamin Scheuner und Rick Löbig mit offiziellem Rathaus-Auftrag ihre Farbspuren hinterlassen. 

Im Austausch sind die Behördenvertreter mit Rick Löbig. Der junge Mann nennt eine Künstlervermittlung sein Eigen. Der Name des kleinen Unternehmens – Our Life Music GmbH – hat zunächst einmal viel mit Musik fürs Leben und wenig mit Kunst im öffentlichen Raum zu tun. Löbig kennt aber auch Leute, die in puncto Malen mit Dosen was können. Und weil der 28-jährige Geschäftsführer überdies der Meinung ist, dass „jedes richtig gute Graffito eine Stadt bunter und den Schmierereien den Garaus macht“, hat er Benjamin Scheuner gefragt, ob er die Sache in seine Farben-Hand nimmt.

Farbspur vom Bayerischen Bahnhof durch die City 

Der Objektgestalter, ebenfalls 28, besitzt eine Firma diesen Namens. Scheuner ist in Leipzig-Schönefeld groß geworden und näherte sich der Sprühflaschen als Drittklässler. „Am Anfang hab’ ich bei einer Ferienpass-Aktion mal reingeschnuppert, mich dann in Abbruchhäusern weiter versucht. Nach und nach hat sich eine Leidenschaft entwickelt. Ich könnte von morgens bis abends nur malen. Die Kunst, sie ist und war immer für mich da“, sagt der gelernte Ausbaufacharbeiter.

Doch Trockenbau ist nicht mehr. Im vorigen Jahr ging’s stattdessen an die grauen Schaltkästen. Das erste Möbel dieser Art, das Scheuner in die geschickten Finger bekam, steht am Bayrischen Platz, gleich neben der Uni-Zahnklinik. Wer sich das Werk betrachtet und dabei in Richtung Südwesten schaut, sieht den Bayerischen Bahnhof doppelt. Das Scheunersche Gemälde führt gleichsam zum Original. Den gleichen Effekt bietet der Blick auf einen Schaltkasten am Willy-Brandt-Platz/Ecke Goethestraße. Dieser Kasten ist einer von zwei, die unterschiedliche Motive bieten: auf der einen Seite den Hauptbahnhof (bei Nacht), auf der anderen den Bürgermeister-Müller-Park samt Denkmal für Carl Wilhelm Müller, Leipzigs Stadtoberhaupt ausgangs des 18. Jahrhunderts.

Alte Markthalle als Graffito wiederbelebt

Auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz stehen das Neue Rathaus im Jahr 1903 und die alte Markthalle für die Vergangenheit. „Als ich dort gearbeitet habe, bin ich mit vielen Leuten ins Gespräch gekommen. Ein älterer Herr hat mir viel von der Markthalle erzählt, auch von den Trümmern nach dem Krieg. Überhaupt war die Resonanz durchweg positiv. Manchmal bin ich gar nicht zum Malen gekommen. Wahnsinn, aber so ist das mit der Kunst: Sie bringt Menschen zusammen“, schildert Graffiti-Experte Scheuner zufrieden.

Ginge es nach ihm und seinem Agenten, setzt sich die kreative Aufwertung der Ampel-Schaltkästen in Leipzig zügig fort, folgte die Messestadt dem kleinen Nachbarn Markkleeberg, der diesen Weg mit einem anderen Künstler schon länger beschreitet. Scheuner und Löbig haben bereits neue Ideen im Kopf. Und erste Entwürfe in der Schublade. Einer erzählt die Geschichte des Sportforums.

Von Dominic Welters

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