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Lokales Grenzen der Sicherheit und eine Bombendrohung – Stadionchef Winfried Lonzen im Interview
Leipzig Lokales Grenzen der Sicherheit und eine Bombendrohung – Stadionchef Winfried Lonzen im Interview
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11:15 20.11.2015
Ein Security-Mitarbeiter kontrolliert am 18. November Personen am Arena-Eingang Taschen von Zuschauern. Weil sich lange Schlangen bilden, wird das Spiel einige Minuten später angepfiffen. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

 Winfried Lonzen ist Herr und Gebieter über die Arena Leipzig und die Red-Bull-Arena. Lonzen, 70, über dem Terror rund ums Länderspiel Frankreich - Deutschland, die Spielabsage in Hannover und die Sicherheit in seinen beiden Arenen. Das Dienstag-Konzert von Deep Purple in der Arena ging übrigens problemlos über die Bühne. In der Red-Bull-Arena wird erst wieder am 6. Dezember Fußball gespielt.

Die Sicherheitsbehörden in Paris haben das Länderspiel nicht abgebrochen. Richtige Entscheidung?

Absolut. Wenn ein Spiel vor 70 000 Zuschauern läuft und dann abgebrochen wird, gibt es keine Stadiondurchsage der Welt, die einen geordneten Heimgang der Fans garantiert. Oberstes Ziel muss die Verhinderung einer Massen-Hysterie sein. Das wurde in Paris geschafft.

Im Fall einer Panik im Stadion sollen ausgeklügelte Entfluchtungspläne greifen. Die Stiftung Warentest stellte diesbezüglich vor der WM 2006 Mängel in Leipzig und in Gelsenkirchen fest.

Das war oberflächlich recherchiert und löste sich in Wohlgefallen auf. Unser Stadion ist so sicher, wie ein Stadion nur sein kann. Klar ist aber auch, dass man sich nicht auf jede Situation vorbereiten kann. Ich will mich nicht als Terrorismus-Experte aufspielen, denke aber, dass Leipzig nicht der Nabel der gefährdeten Welt ist. Und ehrlicherweise muss man sagen, dass gegen professionell ausgebildete und wild entschlossene Selbstmord-Kommandos fast kein Kraut gewachsen ist.

Sie gehen in der Arena Leipzig und in der Red-Bull-Arena schon ein Stück weiter als andere Veranstalter. Stichwort Rucksäcke und Taschen.

Kleine Umhängetaschen werden von unserer Security kontrolliert und dürfen mit zu den Veranstaltungen genommen werden. Größere Taschen und Rucksäcke müssen abgegeben und zentral gelagert werden.

Wie kamen Sie auf diese Anweisung?

Auslösender Moment war eine Bombendrohung in der Arena vor einem Konzert.

Wann war das?

Darüber möchte ich nicht sprechen. Bei derartigen Drohungen greift ein Konzept. Die Sicherheitsorgane treffen sich, tragen Informationen zusammen, sondieren die Gefährdungslage und besprechen eine angemessene Reaktion.

Im vorliegenden Fall wurde das Konzert nicht abgesagt.

Nein, es fand statt. Der Text der Drohung war wirr und völlig unkonkret. Die Erfahrung lehrt uns: Die, die drohen, sind meistens ungefährlich. Die Gefährlichen sind die, die nicht drohen. Dass wir trotzdem nervös waren, ist klar. Wir haben nach herrenlosen Gegenständen gesucht und sind dabei auf zig herumstehende Taschen und Rucksäcke gestoßen. Die gehörten der Security und den Bediensteten vom Catering. Ab diesem Tag galt die Regel, dass alle, die in der Arena und im Stadion arbeiten, ihr „Gepäck“ zentral abzugeben haben. Und das wurde zeitgleich auf die Besucher ausgeweitet.

Das gefällt nicht jedem Leipzig-Gast.

Jeder Zuschauer will schnell rein in die Arena oder ins Stadion. Das geht mir selbst so. Aber die Sicherheit darf nicht leiden, wenn es sich am Eingang staut.

In Frankreich hat die Leibesvisitation eine Katastrophe im Stadion verhindert. Könnte es sein, dass das Verständnis in der Leipziger Warteschlange jetzt anders geartet sein wird?

Schön wäre es, gegenseitiges Verständnis ist immer gut. Wir machen das alles ja nicht zur eigenen Belustigung.

Was fördern Leibesvisitationen zu Tage?

Es wird sehr, sehr selten etwas Gefährliches entdeckt. Zu unseren Funden über die Jahre gehören Schlagringe und auch mal ein Taschenmesser.

Wie groß ist das Aufkommen an Sicherheitsleuten in Arena und Stadion?

Zwischen 50 und 100 Personen in der Arena und bis zu 500 im Stadion.

Kommt irgendwann die Untersuchung via Körper-Scanner analog zur Flughafen-Durchleuchtung zur Anwendung?

Ich will das für die Zukunft nicht ausschließen. Wir alle sollten jetzt aber nicht über die Stränge schlagen. Aktionismus bringt nichts

Von Guido Schäfer

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