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Lokales Leipziger Ostereierbörse: Große Kunst auf kleiner Fläche
Leipzig Lokales Leipziger Ostereierbörse: Große Kunst auf kleiner Fläche
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16:40 11.03.2018
Oleh Kirashchuk bedient sich für seine Kunst der Batik-Technik und bringt seine Verzierungen mit Wachsschablonen auf das Ei. Seit 20 Jahren gestaltet der Ukrainer Gänse- und Straußeneier. Bei der Leipziger Eierbörse ist er zum ersten Mal dabei.  Quelle: Fotos: André Kempner
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Leipzig

Behutsam, mit zarten Fingerspitzen, nimmt Gabriel Polinger ein von ihm gefrästes Ei in die Hand. Die Vorsicht ist angebracht, denn dabei handelt es sich um ein filigranes Werk. Der 69-jährige Ungar, der seit 43 Jahren in Nürnberg lebt, ist für das Wochenende nach Leipzig gereist. Er ist Teil der internationalen Eierbörse, die seit 1995 in der Alten Handelsbörse auf dem Naschmarkt stattfindet. Im Gepäck hat der Ungar Eier, die er mittels Frästechnik verziert hat. Farblich hält er sich zurück, seine Werke sind vorwiegend farblos.

Mit der Fräserei hat er schon genug zu tun. „Drei Jahre statische Planung waren nötig, um zu den jetzigen Ergebnissen zu kommen. Kein Steg darf zu dünn sein, sonst bricht das Ei“, erklärt er. Kaputt gegangen sind ihm trotzdem schon so einige Exemplare. „Meistens in den letzten Zügen, wenn nur noch wenig fehlte.“

Aus der Not machte er eine Tugend, denn statt die Eier mit den herausgebrochenen Mustern wegzuschmeißen, machte er kurzerhand eine größere Öffnung daraus. Seine Frau verzierte die Eier dann mit Pflanzen. Geboren war eine neue Idee, die dem Ehepaar förmlich aus der Hand gerissen wird. Ganz behutsam, versteht sich.

Das Gegenteil von Gabriel Polingers farblicher Zurückhaltung sind die Eier-Kunstwerke von Svetlana Brozgol. Die gebürtige Russin liebt es bunt und frühlingshaft. „Die Tradition, Eier anzumalen, habe ich erst hier in Deutschland kennen gelernt. Ich liebe das Malen und wollte es auch probieren“, erzählt sie. Und weil Ostern für sich mit dem Frühling einhergeht, zaubert sie ganz klassisch mit Pinsel und Farbe Blumen und Tiere auf die Eier.

Gingen anfangs noch eine Menge Eier kaputt, geht ihr die Arbeit mittlerweile leichter von der Hand. In Münchhausen, ihrem Wohn- und Arbeitsort, verkauft sie ihre kleinen und großen Werke in ihrem Kunst- und Schmuckgeschäft. Bei der Leipziger Ostereierbörse ist sie zum ersten Mal dabei. „Wenn meine Arbeit gut ankommt, komme ich vielleicht wieder“, sagt sie.

18 Arbeitsschritte pro Ei

Als reines Hobby betreibt Dorothee Gathof ihre Eierkunst. Ihr Stil zeichnet sich durch Perlen, Halbedelsteine und gelötete Muster aus. „In den letzten 30 Jahren habe ich meinen Stil immer wieder verfeinert, sodass es jedes Jahr etwas Neues zu sehen gibt“, sagt sie. 18 Arbeitsschritte durchläuft Dorothee Gathof, ehe sie ein fertiges Ei in den Händen hält. Für ein Gänseei benötigt sie etwa acht Stunden.

Am Freitag hat in der Handelsbörse am Leipziger Naschmarkt die 12. Internationale Ostereierbörse "Leipziger Eierlei" begonnen. Mehr als 30 Künstler aus verschiedenen Gegenden Deutschlands und dem Ausland stellen dabei ihre Arb-ei-ten vor.

Von weit her kommt Oleh Kirashchuk (45). Der Ukrainer verziert Eier, seit er 25 Jahre alt ist. Gezeigt haben ihm das seine Mutter und Oma. Seine Handschrift, die Kenner auf der ganzen Welt erkennen, ist die Batik-Technik. Aus Wachs malt er Schablonen auf Gänse- und Straußeneier. Anschließend werden die zerbrechlichen Eier in Farbe getaucht. Die Wachsschablone verschwindet, sobald das Ei erwärmt wird.

Zwei bis sieben Tage benötigt er, um ein Gänseei zu verzieren. Um einiges aufwendiger sind die Straußeneier, für die der Ukrainer zwei Wochen braucht. Der 45-Jährige ist das erste Mal in Leipzig dabei, fand aber schon jetzt viele neue Fans.

Noch bis zum morgigen Sonntag können die Werke der Eierkünstler in der Alten Handelsbörse begutachtet werden. „Wir sind wie eine große Familie, das merken auch unsere Besucher“, weiß Kerstin Dischereit, die die Börse von Anfang an organisiert. „Ich versuche, jedes Jahr neue Künstler nach Leipzig zu holen. Zwei, drei Highlights sollten schon dabei sein.“

Nicht nur die Künstler kommen dabei aus der ganzen Welt nach Leipzig, sondern auch die Besucher. „Manche reisen extra aus England an“, sagt Dischereit.

Von Stephanie Helm

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