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Große Pläne mit Ausstellungshaus

Zeitgeschichtliches Forum in Leipzig Große Pläne mit Ausstellungshaus

Das Zeitgeschichtliche Forum in der Leipziger Grimmaischen Straße will bis 2018/19 seine Dauerausstellung überarbeiten. Das kündigte Direktor Jürgen Reiche, der das Haus seit Oktober 2015 leitet, im LVZ-Interview an.

Leipzig.  Jürgen Reiche (61) leitet seit Oktober das Zeitgeschichtliche Forum. Dort ist der Historiker aber kein Unbekannter. Seit 1993 hat er als Ausstellungsdirektor der Stiftung Haus der Geschichte schon manche Expositionen verantwortet und auch die Dauerschau in Leipzig mit aufgebaut. Im Interview äußert sich Reiche, der 1960 mit seinen Eltern aus der DDR geflohen ist und der SPD angehört, zu künftigen Herausforderungen seiner Arbeit.

„Immer bunter“ heißt die aktuelle Sonderschau, die sich mit dem Einwanderungsland Deutschland beschäftigt. Wie wird sie angenommen?

Sehr gut. Die Leute sind sehr interessiert und kommen vor Ort ins Gespräch. Auch untereinander. Das ist ja der Sinn der Ausstellung, die Leute zum Nachdenken zu ermuntern. Über das Thema Migration allgemein, aber auch über die jetzige Situation der Zuwanderung.

Nun ist die Ausstellung durch die Flüchtlingskrise sehr aktuell geworden. Wie spiegelt sich das Thema Flüchtlinge wider?

Sie erzählt von der Migration von Mitte der 1950er Jahre bis heute. Wir thematisieren auch die Flüchtlingsströme von heute. Doch wir wollen noch aktueller sein. Deshalb haben wir der Fotokünstlerin Bettina Flitner den Auftrag erteilt, Passanten und prominente Persönlichkeiten auf der Grimmaischen Straße zu fotografieren und zu befragen. Das Projekt heißt ’Flucht, Asyl, Protest? Wir müssen reden!’. Die Antworten zwischen Zuversicht und Zukunftsängsten zeigen die Gefühlslage der Deutschen. Die ersten Fotos sind ab 17. November in unserem Haus zu sehen.

Sie arbeiten bereits seit 1991 beim Haus der Geschichte Bonn und haben seitdem die verschiedensten Ausstellungen verantwortet. Was hat Sie gereizt, Chef in Leipzig zu werden?

In Bonn bin ich Ausstellungsdirektor gewesen. Bis ein Nachfolger diese Aufgabe übernimmt, übe ich diese Funktion noch kommissarisch aus. Zu meiner Aufgabe als Chefkurator gehörte es, mich um Ausstellungen in Leipzig zu kümmern. Da war ich maßgeblich an jeder Ausstellung beteiligt, die hier gezeigt wurde. Ich glaube, Leipzig gut zu kennen. Jetzt haben wir uns überlegt, den Standort Leipzig stärker auszubauen. Diese Aufgabe reizt mich. 2018 wird es daher keine überarbeitete Version der Dauerausstellung geben. Wir wollen das ganze Haus erneuern.

Wie wird sich das Zeitgeschichtliche Forum unter Ihrer Leitung verändern?

In der Dauerschau gehen wir künftig viel stärker auf die Gegenwart sowie die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte ein. 2018/19 sind fast 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution vergangen. Inzwischen gibt es immer mehr Menschen, die die DDR nicht mehr erlebt haben. Da müssen wir viel Neues mitteilen, auch weil die Forschung vorangeschritten ist und es mittlerweile neue Objekte in unserer Sammlung gibt. Leipzig steht in der neuen Dauerschau als Ort der Friedlichen Revolution natürlich weiterhin im Zentrum.

Sie sind inzwischen 61 Jahre. Wird das die Krönung Ihrer Laufbahn?

Bei der Konzeption von Ausstellungen bin ich dauernd unter Strom. Ich habe schon mehr als 200 gemacht. Auch international. Ausstellungen über die Macht der Bilder haben mich immer besonders fasziniert. Das Haus der Geschichte hat ja drei Standorte in Bonn, Berlin und Leipzig. Ich berate den Berliner Senat bei Erinnerungsorten. Da warten noch viele spannende Aufgaben, die mich fit halten. Die Konzeption der neuen Dauerausstellung ist natürlich eine davon.

Sie zielen ja auf junges Publikum. Wie wollen Sie es besonders ansprechen?

Das junge Publikum ist medienaffiner, diese neuen Kanäle wollen wir nutzen. Eine Ausstellung lebt trotzdem immer von gezeigten Objekten, die etwas erzählen können. Es ist ein emotionaler Moment, wenn diese Objekte sich den Besuchern öffnen. Wir arbeiten aber noch an der Konzeption. Da ist das veränderte Rezeptionsverhalten eine Herausforderung. Widerstand und Opposition bleiben natürlich ein großes Thema. Warum gab es überhaupt die DDR, wie sozialistisch oder demokratisch war sie – solche Fragen können ebenfalls spannend sein.

Wird es bauliche Veränderungen am Haus geben?

Da müssen wir mit den Eigentümern noch verhandeln. Die Situation im Eingangsbereich muss dringend verändert werden. Sie ist wenig einladend. Dazu gehört auch, an der Fassade mehr auf unsere Ausstellungen neugierig zu machen.

 Ein interessanteres Objekt als Mattheuers Jahrhundertschritt am Eingang gibt es doch aber eigentlich nicht?

Das ist eine wunderbare Arbeit, die keineswegs weg soll. Doch viele verbinden das Kunstwerk gar nicht mit dem Zeitgeschichtlichen Forum. Deshalb wollen wir die Eingangssituation ja verbessern.

Wird sich das Veranstaltungsprogramm verändern?

Das ist super. Mein Bestreben ist, es künftig sogar auszubauen.

Sind die mit der Besucherzahl zufrieden?

Trotz guter Resonanz ist man nie zufrieden. Ich schaue aber nicht nur auf die Besucherzahlen. Denn ich weiß vorher, dass eine Ausstellung über Kriegsflüchtlinge weniger Gäste anlockt als beispielsweise eine über Sexualität. Trotzdem greifen wir interessante Ideen und Konzepte auf.

 

Von Mathias Orbeck

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