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Große Zweifel an barrierefreiem Nahverkehr in der Messestadt bis 2022

Mobil in Leipzig Große Zweifel an barrierefreiem Nahverkehr in der Messestadt bis 2022

Bis 2022 soll der öffentliche Nahverkehr in Deutschland vollständig barrierefrei und damit für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ohne Abstriche verfügbar sein. Dass dies in Leipzig gelingt, daran bestehen große Zweifel. Von 520 Straßenbahnhaltestellen sind aktuell kaum mehr als 300 behindertengerecht – lediglich zehn kommen in diesem Jahr dazu .

Bis 2022 soll in Deutschland der öffentliche Nahverkehr vollständig barrierefrei sein.

Quelle: picture alliance

Leipzig. Viel Zeit bleibt nicht mehr: Bis zum Jahr 2022 soll der öffentliche Personennahverkehr in Deutschland vollständig barrierefrei und damit für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ohne Abstriche verfügbar sein. Dass es in den verbleibenden knapp sechs Jahren in Leipzig gelingen wird, sämtliche Haltestellen von allen Stufen-Hindernissen zu befreien, damit ebenerdiges Ein- und Aussteigen möglich wird, daran zweifelt nicht nur der CDU-Stadtrat und Behindertenvertreter Konrad Riedel. „Mit dem heutigen Finanzierungsrahmen ist eine Umsetzung in Leipzig in dieser Zeit nicht zu schaffen“, sagen selbst die Verkehrsbetriebe (LVB). Der Bund habe mit dem Personenbeförderungsgesetz zwar ein Ziel vorgegeben, dies aber nicht mit einer adäquaten Finanzhilfe verknüpft.

Derzeit bedienen die LVB 520 Straßenbahnhaltestellen, von denen nach den Worten von Firmensprecherin Katja Gläß 60 Prozent bereits barrierefrei sind. Dazu kommen 1100 Bushaltestellen. Der behindertengerechte Ausbau selbst obliege der Kommune. Dieses Jahr würden an diesen fünf Standorten zehn weitere Haltestellen barrierefrei ausgebaut:

S-Bahnhof Möckern (Linien 10, 11, 90)

Raschwitzer Straße (Linie 11)

Stieglitzstraße (Linien 1, 2, 74)

Westplatz (Linien 1, 14)

Diezmannstraße (Linien 1, 2)

Mit diesem Tempo ist das Ziel 2022 nicht zu halten. Umso mehr verwundert Riedel, der die CDU im Behindertenbeirat der Stadt vertritt, dass jetzt in der Georg-Schumann-Straße in Wahren sogar noch eine ganz neue Haltestelle nach altem Muster – also mit Hindernissen für nicht ganz so mobile Menschen – geplant wird. „Leider ist es immer häufiger der Fall, dass Bauvorhaben nicht mehr von Stadt und Verkehrsbetrieben gemeinsam geplant werden“, kritisierte Riedel. „Die technischen Notwendigkeiten zwingen die LVB zu Investitionen, die Stadt setzt sinnloserweise andere Schwerpunkte.“ Wie berichtet, will die Kommune etwa für mehrere Millionen Euro Hunderte Wartehäuschen des privaten Dienstleisters JCDecaux gegen eigene austauschen.

Die neue Haltestelle für die Straßenbahnlinien 10 und 11 sowie die Buslinie 80 wird zwischen dem „Kaufland“-Markt und dem Eisenbahn-Viadukt entstehen – laut LVB im Laufe des Jahres 2017 nach Abschluss von Straßen- und Leitungsbauarbeiten. Wie berichtet, setzt die Stadt ab Juni in Wahren den Ausbau der Georg-Schumann-Straße fort – diesmal im Abschnitt zwischen Linkelstraße und Viadukt. Die neue Haltestelle liegt genau hinter diesem Gebiet. Die LVB wollen mit ihr die Entfernungen zwischen den Stops – bislang sind es dort 600 Meter – verkürzen und an die heutigen Anforderungen an einen modernen öffentlichen Nahverkehr anpassen. Hinzu kommt, dass ausgerechnet vor dem besucherstarken Einkaufsmarkt keine Haltestelle existiert, die Fahrgäste ihre Einkäufe zum 300 Meter entfernten Halt Annaberger Straße schleppen müssen, weil der Markt genau zwischen den Stops Wahrener Rathaus und Annaberger Straße liegt. „Die Einrichtung einer neuen Haltestelle wird deshalb seit Jahren von Anwohnern gefordert und wurde zuletzt beim Senioren- und Behindertentag im November 2015 mit Nachdruck an die Leipziger Verkehrsbetriebe herangetragen“, erklärte Gläß.

40000 Euro soll die Einrichtung des neuen Halts kosten. „Im Wesentlichen handelt es sich dabei um die Anpassung der Lichtsignalanlage am Knoten Georg-Schumann-Straße/Kaufland-Zufahrt inklusive Einrichtung einer so genannten Zeitinsel zur Sicherung des Fahrgastwechsels“, erläuterte Gläß. Sie räumte ein, dass ein barrierefreier Ausbau nicht vorgesehen sei, da es sich nur um eine Zwischenlösung handelt. Eine behindertengerechte Ausstattung werde erst möglich, wenn mit dem nächsten Straßenausbauabschnitt auch die Erneuerung die Gleise erfolgt. Die Haltestelle würde dann noch einmal um einige Meter versetzt – und zwar direkt vor den Markt. Auch der benachbarte Stop Annaberger Straße würde dann zur Christoph-Probst-Straße verschoben. Gläß: „Dann würden sich zwischen Rathaus Wahren und dem Historischen Straßenbahnhof gleichmäßigere Haltestellenabstände ergeben.“ Wann das passieren wird, ist allerdings noch völlig offen. „Hierfür kann noch kein Zeitpunkt benannt werden“, so die Sprecherin.

Von Klaus Staeubert

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