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Lokales Großer Bahnhof mit rund 4000 Gästen: Der Leipziger City-Tunnel ist feierlich eröffnet
Leipzig Lokales Großer Bahnhof mit rund 4000 Gästen: Der Leipziger City-Tunnel ist feierlich eröffnet
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16:53 14.12.2013
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Zuvor gaben Sachsens Verkehrsminister Sven Morlok (FDP) und Bahnchef Rüdiger Grube bei einer Sonderfahrt vom Bayerischen Bahnhof jede der vier unterirdischen Stationen symbolisch frei. „Der City-Tunnel ist das modernste Infrastrukturprojekt in Deutschland“, sagte Grube gegenüber LVZ-Online.

Leipzig. Überraschung: Der Leipziger City-Tunnel wird am Ende für den Freistaat Sachsen billiger als vermutet. Während der Bauzeit waren die Kosten explodiert – jetzt konnte Sachsens Wirtschaftsministerium nach einem erneuten Projekt-Check die Kostenprognose nach unten korrigieren: Statt mit 960 Millionen Euro rechnet das Land noch mit 935 Millionen Euro Gesamtkosten.

Es regnete Goldkonfetti in der neuen City-Tunnel-Station "Leipziger Hauptbahnhof tief", als die beiden Talent-2-Züge in Parallelfahrt um 12.31 Uhr mit hunderten Ehrengästen eintrafen. Großer Bahnhof für ein Projekt, das nach mehr als zehn Jahren Bauzeit für rund 960 Millionen Euro fertig gestellt wurde. Auf knapp vier Kilometern verbindet der Tunnel den Hauptbahnhof mit den Stationen Markt, Wilhelm-Leuschner-Platz und Bayerischer Bahnhof. Vor allem schafft er aber mit sechs neuen S-Bahn-Linien bessere Verbindungen ins Umland.

Sternfahrten: Tillich reist aus Hoyerswerda an

„Der City-Tunnel Leipzig eröffnet neue Bahnen für die Verkehrsströme in ganz Sachsen“, sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) am Samstag. Die S-Bahn-Verbindungen stärkten Stadt und Umland. Tausende Fahrgäste probierten das bei Sternfahrten von allen Endpunkten wie Oschatz, Hoyerswerda, Bitterfeld, Zwickau, Halle und Geithain aus. Tillich selbst nutzte die S4 aus Hoyerswerda, und bei aller Freude merkte er doch an: „Auf manchen Abschnitten sind wir 30 km/h gefahren, das dürfte noch ein bisschen schneller gehen.“

Begeistert zeigte sich Michaele Sojka, Landrätin im Kreis Altenburger Land: „In 38 Minuten von Altenburg nach Leipzig, das ist toll“, sagte sie gegenüber LVZ-Online. Altenburg habe viele Pendler, und gleichzeitig wolle man die Chance nutzen, den Menschen die Sehenswürdigkeiten der eigenen Region näher zu bringen.

„Leipzig ist jetzt für den Nahverkehr im Zentrum Mitteldeutschlands“, freute sich Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) am Rande des Festakts. Er hatte am Samstag die weiteste Anreise, kam gerade dienstlich aus Vietnam zurück. Vom City-Tunnel, der die Fahrt aus dem Umland mit der Station Markt direkt ins Herz der Einkaufsstadt führt, erwartet Jung eine „spürbare Entlastung beim Autoverkehr“.

Schub für Handel und Tourismus

Dass der Weihnachtsmarkt, der auf dem Leipziger Markt noch bis zum 23. Dezember geöffnet hat, davon profitieren wird, davon ist auch Volker Bremer überzeugt. „Das ist für Gäste schon optimal, wenn sie bis an die Weihnachtsstände heranfahren können und man zum Beispiel nach Stötteritz nur noch die halbe Fahrzeit braucht“, sagte der Chef der Leipzig Tourismus- und Marketing GmbH. Die S-Bahnen fahren in der Stadt im 5-Minuten-Takt, „da braucht man eigentlich nicht mehr auf den Fahrplan zu schauen. Das ist ein Quantensprung für Leipzig“, sagte Sven Morlok beim Festakt.

Besonderer Tag auch für die Lokführer

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Die 51 neuen Talent-2-Züge dürften im Tunnel 80 Stundenkilometer schnell fahren. Da sich aber ungefähr alle 500 Meter eine Station an die nächste reiht, werden die Lokführer das nicht ausreizen können. Majestätisch langsam waren die klimatisierten Züge, die zwischen 150 und 400 Sitzplätze bieten, bei der Parallelfahrt am Samstag. Lokführerin Beate Hoffmann (49) und ihr Kollege Andreas Köcher (52) fuhren teilweise im Kriechgang in die Stationen ein, um Zeit für Fotos zu bieten. „Normalerweise sind wir schneller unterwegs“, schmunzelte Köcher. Trotz rund 35 Jahren Berufserfahrung war das für Köcher ein ganz besonderer Tag. „Ich war schon etwas aufgeregt.“

Für Stefan Franz vom Projektentwickler Deges war die Fahrt durch die neuen Stationen „sehr beglückend“. Vor dem geistigen Auge des Ingenieurs traten noch einmal alle Widrigkeiten auf, mit denen sein Team beim Tunnel-Rohbau zu kämpfen hatte. „So ein großes Projekt in dichter, innerstädtischer Bebauung zu realisieren, war etwas ganz Besonderes“, sagte er, und dann ließ der Ingenieur entspannt den Blick in die Höhe der Tunnelstation unter dem Markt schweifen.

S1 gebührt die erste reguläre Tunnel-Fahrt

 

Am Samstagnachmittag konnten sich alle Leipziger bei kostenlosen Pendelfahrten ein Bild von den lichten und architektonisch aufwändigen Stationen im Untergrund machen. Nach viel Kritik an den Bauverzögerungen – die Eröffnung war ursprünglich für das Jahr 2009 angedacht – und den enormen Kostensteigerungen von 572 Millionen Euro auf nahezu eine Milliarde Euro, sollte am Eröffnungstag einfach gefeiert werden: Im Bereich der ehemaligen Gleise 1 bis 5 auf dem Hauptbahnhof gab es ein großes Familienprogramm mit Show und Talk.

Kurz nach Mitternacht wird es ernst: Freie Fahrt für den regulären Tunnel-Betrieb. Auf dem Fahrplan steht die Linie S4 oberirdisch nach Torgau, Abfahrt 0.03 Uhr. 0.06 Uhr soll an der Station "Leipzig Hauptbahnhof tief" die erste S-Bahn anrollen, die planmäßig durch den City-Tunnel fährt: Linie 1, Ziel Oschatz.

Evelyn ter Vehn

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