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Lokales „Grünau wird für Zuzügler attraktiv“ - Leipziger Stadtteil wandelt sich
Leipzig Lokales „Grünau wird für Zuzügler attraktiv“ - Leipziger Stadtteil wandelt sich
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00:19 29.02.2016
Auch für junge Grünauer gibt es immer mehr Angebote – hier der neue Spielplatz der Lernförderschule im Grünauer Andromedaweg 25.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

Leipzig ist es gelungen, seinen Plattenbau-Stadtteil Grünau zu stabilisieren. Eine wissenschaftliche Studie belegt jetzt, dass sich das Gebiet in immer mehr Teilräume zergliedert, in denen unterschiedliche Wohnungsangebote die unterschiedlichsten Mieterklientel anziehen. Experten prophezeien, dass Leipzigs rasantes Bevölkerungswachstums auch die Leerstände in Grünau beseitigen wird.

Professorin Sigrun Kabisch vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung untersucht seit 1979 akribisch die Entwicklung Grünaus. Sie wendet sich dazu in Abständen von drei bis sechs Jahren an rund 1000 Grünauer aus allen Stadtteilen und allen Altersgruppen, um ein wissenschaftlich fundiertes Bild zu erhalten. Die jüngste Erhebung fand im Mai/Juni 2015 statt; 709 Grünauer nahmen teil. Die ersten Ergebnisse liegen jetzt vor.

Ein Ergebnis: Die Wohnzufriedenheit in Grünau ist hoch. Gut zwei Drittel aller Befragten fühlen sich uneingeschränkt wohl in Grünau. Gingen im Jahr 2000 noch 47 Prozent der Grünauer regelmäßig zur Arbeit, so waren es 2015 nur noch 34,4 Prozent. Das liege nicht nur an dem gestiegenen Rentneranteil, der sich von 30 Prozent im Jahr 2002 auf aktuell 46 Prozent entwickelt hat, sondern auch am Zuzug junger Leipziger, die sich noch in der Ausbildung oder im Studium befinden. „Gut Ausgebildete ziehen durchaus nach Grünau“, sagt die Wissenschaftlerin. Prozentual hatten zwischen 2010 und 2015 rund 30 Prozent aller Zuzügler einen Fach- oder Hochschulabschluss. „Aber diese Gruppe zieht auch wieder weg“, erklärt Kabisch. So seien zwei Drittel der gut Ausgebildeten von 2010 bis 2015 wieder aus Grünau verschwunden. „Auch die Mieter im Alter zwischen 18 und 25 Jahren orientieren sich nach einer gewissen Zeit um. Grünau ist für sie nicht hip genug – wie zum Beispiel die Südvorstadt.“

Auch innerhalb Grünaus wird umgezogen. Ein Drittel der Befragten gab in der Intervallstudie an, schon einmal umgezogen zu sein; 16 Prozent haben dies sogar schon mehrmals getan. „Die vorrangigen Gründe sind die Suche nach der passenden Wohnungsgröße und der fehlende Aufzug“, sagt Kabisch.

Und was schätzen die Grünauer an ihrem Stadtteil besonders? Die Befragten nannten vor allem die guten Versorgungsmöglichkeiten, die Ruhe und die Naherholungsmöglichkeiten sowie den guten Nahverkehr. „Immer wieder wird auch der Quartiersbus Grünolino erwähnt“, berichtet Kabisch.

Negativ schneidet Grünau im Urteil seiner Bewohner dagegen bei Kategorien wie „soziales Umfeld“, „Sauberkeit“, oder „Sicherheit“ ab. „Es spielt eine große Rolle, wer in meinem Haus oder in meinem Umfeld wohnt“, hat die Wissenschaftlerin festgestellt. Und: „Grünau ist ein Stadtteil der sozialen Widersprüche.“ 45 Prozent stimmten der Aussage zu, es würden „zu viele Störenfriede“ nach Grünau ziehen. Obwohl der Stadtteil besonders mit seinen günstigen Mieten punkten kann, ist für gut 50 Prozent der Befragten die Miete „gerade so tragbar“.

Allerdings fand die Forscherin auch heraus, dass letzteres nicht für alle Viertel des Stadtteils gilt. In Wohnlagen wie den „See-Terrassen“ oder dem „Pfaffenstein-Carré“ sei dies völlig anders. „Grünau ist kein homogener Stadtteil“, meint Kabisch. „Und er wird weiter an Heterogenität zunehmen.“

Der bevorstehende Generationenwechsel wird die Sozialstruktur im Stadtteil verändern, so die Forscherin. Dies berge Risiken – aber auch Chancen. „Vieles wird davon abhängen, ob es Grünau gelingt, noch mehr gut Ausgebildete anzulocken und zu halten.“ Entwicklungstendenzen gebe es in diese Richtung; insbesondere durch das wachsende Angebot an qualitativ hochwertigen Wohnungen in guter Lage, zum Beispiel in Nähe des Kulkwitzer Sees. „Dadurch wird Grünau für Zuzügler attraktiv“, sagt Kabisch. Auch die Alteingesessenen seien von einer positiven Entwicklung des Stadtteils überzeugt.

Von Andreas Tappert

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