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Lokales Grünauer Welle in Leipzig: Spagat im Bad
Leipzig Lokales Grünauer Welle in Leipzig: Spagat im Bad
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10:55 24.10.2016
Groß und Klein haben Spaß in der Grünauer Welle. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Papa trägt die Sporttasche und die Verantwortung. Kein Problem für Thorsten Knab, der mit seinen drei Jungs den Kassenbereich der Grünauer Welle betritt. Der Besuch des Hallenbades in der Stuttgarter Allee 7 ist für die Patchwork-Familie vorerst der letzte gemeinsame Nachmittag. Sohn Timo wird am nächsten Morgen mit seiner Mutter wieder Richtung Düsseldorf fahren.

Dass der 15-Jährige an einem freien Nachmittag mit seinem Vater und zwei kleinen Brüdern schwimmen geht, statt mit Gleichaltrigen Zeit zu verbringen, wirft nur auf den ersten Blick Fragen auf. Wer das Quartett zusammen im Wasser sieht, merkt schnell, dass Timo nicht lange überredet werden musste. „Wenn er hier ist, bringt er sich voll ein und genießt die Zeit mit seinen Brüdern“, erzählt sein Vater.

Warum sich Familien wie die Knabs bei dem Überschuss an Freizeitangeboten in Leipzig gerade für die Grünauer Welle entscheiden, glaubt Martin Gräfe zu wissen. Der 35-Jährige leitet den Betrieb für die Leipziger Sportbäder und vertraut auf das Gesamtkonzept des für 23 Millionen D-Mark gebauten und 1999 eröffneten Hallenbades: „Das Sportbecken und der Kinder- und Erholungsbereich liegen direkt nebeneinander. Die Eltern müssen sich nicht zwischen ihren Interessen und dem Kinderspaß entscheiden. Ein Spagat, aber bei uns klappt beides.“

Dass es für die Kinder funktioniert, beweist Timos kleiner Bruder Ares. Ihm steht der Spaß mit einem breiten Grinsen ins Gesicht geschrieben, der Achtjährige ist in seinem Element: Er springt vom Whirlpool ins Becken, taucht ein paar Meter und rennt die Rutsche hinauf. Über 30 Meter ist sie lang.

Eltern in der Verantwortung

Dass sein Sohn sie allein erklimmt, sorgt bei Thorsten Knab nicht für Unbehagen: Ares hat schon sehr früh mit der Schwimm-erziehung begonnen. Seit er sieben Jahre alt ist, kann er stolz das silberne Schwimmabzeichen auf seiner Badehose vorzeigen. „Für einen Grundschüler bringt er schon richtig viel Sicherheit mit, aber letztendlich trage natürlich ich die Verantwortung“, versichert Thorsten Knab. Trotzdem hat auch Timo – ganz der große Bruder – die Kleinen immer im Blick.

Wegen des eineinhalbjährigen Emilius, seinem Stiefbruder, musste er beim Vater erst noch nachfragen: „Ich wollte wissen, was Emilius darf und worauf ich besonders aufpassen soll.“ Wichtig sei es, den Kleinen keinen Blödsinn vorzumachen, der mit gleichaltrigen Freunden völlig normal wäre: „Die machen alles gleich nach.“

Ein solches Verantwortungsbewusstsein erwartet Doreen Tauchnitz von Besuchern der Grünauer Welle. Die 32-Jährige leitet stellvertretend das Team im Hallenbad und sieht alle Beteiligten in der Pflicht. Zwei Mitarbeiter aus dem Team seien zwar immer zur Stelle, die Aufsichtspflicht liege aber bei den Eltern. Aus ihrer Erfahrung berichtet sie: „Die meisten Familien bekommen das gut hin. Aber wir haben natürlich auch schwarze Schafe.“

Neben der Sicherheit für Kinder sorgt das Team auch dafür, dass die Kernkompetenzen der Grünauer Welle nicht verblassen. „Wir grenzen uns als Sport- und Freizeitbad bewusst von Spaßbädern ab. Diesen Vergleich wollen wir und könnten wir hier auch nicht leisten“, hält Martin Gräfe fest. Für Kinder und Familien werde zwar mehr geboten als in klassischen Sportbädern, wie sie in der DDR zuhauf gebaut wurden. Das dürfe aber nicht auf Kosten der Besucher gehen, die auf den sechs 25-Meter-Bahnen unterwegs sind, sondern müsse vereinbar bleiben.

Das sei auch der Grund, warum in der Grünauer Welle auf Spielzeug zum Ausleihen und auf Veranstaltungen wie Kinderfeste weitgehend verzichtet wird. „Solche Events können schnell nach hinten losgehen. Einige unserer Stammgäste, auch die Familien, die das Bad schätzen, wie es ist, fühlen sich schnell gestört.“

Volle Welle: 170. 000 Besucher jährlich

Es scheint zu funktionieren. Etwa 170 .000 Besucher kommen jährlich in die Grünauer Welle. Damit sind die Halle und auch die Schwimmkurse für Kinder laut Martin Gräfe weitgehend ausgelastet.

Auch Thorsten Knab und seine Familie kommen regelmäßig: „Wenn die Jungs in den kälteren Jahreszeiten Lust auf Wasser haben, sind wir hier und gehen, wenn der Erste müde ist.“ Und das kann im Wasser schnell gehen. Nicht nur das Schwimmen und die erhöhte Luftfeuchtigkeit strengen an. Auch die Lautstärke – in Hallenbädern ein bekanntes Problem – erhöht für Klein und Groß den Stressfaktor.

Das bestätigt auch Martin Gräfe: „Dieses Thema beschäftigt die Grünauer wegen ihrer besonderen Schollenarchitektur seit jeher. Damals haben die Architekten mehr auf Schönheit als auf die Lautstärke geachtet.“ 2011 wurden deshalb Geräuschminderer im Becken sowie lärmreduzierende Materialien verbaut.

Anton Zirk

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