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Gründerzeithäuser in Leipzig: Vor Stuck und Türmchen steht der Erhalt

Gründerzeithäuser in Leipzig: Vor Stuck und Türmchen steht der Erhalt

An der Friedrich-Ebert-Straße 21 sind die Hüllen gefallen. Das einst hässliche Entlein hat sich zum schönen Schwan gemausert. Das Haus gehört zu jenen 20 Gründerzeit-Objekten, derer sich vor fünf Jahren die Stadtverwaltung mit einem speziellen Rettungsprogramm angenommen hatte.

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Eisenbahnstraße 41

Quelle: Wolfgang Zeyen

Oberstes Ziel: Schutz der Häuser vorm Verfall.

Der ersten Liste sind längst weitere gefolgt. Das Amt für Stadtsanierung und Wohnungsbauförderung sichtet zunächst gefährdete Objekte, hilft bei deren Sicherung und stellt bei Interesse am Erwerb eines Objektes auch Kontakte zum Eigentümer her. Insgesamt flossen bereits rund 3,6 Millionen Euro Fördermittel in Maßnahmen des Gebäudesicherungsprogramms.

"Die Friedrich-Ebert-Straße ist eines unserer schönsten Häuser geworden", schwärmt Hans-Gerd Schirmer, Leiter des Amtes für Bauordnung und Denkmalpflege. Doch feiner Stuck oder filigrane Türmchen sind für ihn nur Sahnehäubchen. Zunächst gehe es um den schlichten Erhalt der wertvollen Bausubstanz. Die häufig heruntergekommenen Häuser seien doch nicht nur irgendeine Adresse, sondern haben Geschichte, auch wenn die einstige Pracht verblasst ist, betont er. "Es geht um Häuser, die an Straßenecken oder in der Reihenbebauung das Stadtgesicht prägen." Nicht zuletzt das ist ein Grund, weshalb Schirmer und Jana Naerlich, Sachgebietsleiterin Stadtumbau Ost, ihre Hände schützend über möglichst viele der unsanierten Gründerzeithäuser halten.

"Vielerorts reißt der Verfall doch nicht nur eine Lücke", so der Amtsleiter und verweist auf den Verlust der Nürnberger Straße 24. Auch die Holzhäuser Straße 74 sei nicht zu erhalten, bedauert er. "Der Stadt gehören diese Häuser nun mal nicht, wir können lediglich mit deren Eigentümern arbeiten, sie ermuntern, ihren Besitz zu erhalten und Wege aufzeigen, wie das gehen könnte." Allein einen Ansprechpartner zu finden, sei aber oft Glückssache. "Nicht selten sind Grundstücke herrenlos, wechselten in kurzer Zeit mehrfach ihre Besitzer oder die Erben sind über die ganze Welt verstreut." Dann bemühe sich die Stadt, wenigstens Dach und Fenster abzudichten, um vor Schädlingen und Unbefugten zu schützten.

Von 13400 gründerzeitlichen Gebäuden, die 1990 erhebliche bauliche Mängel aufwiesen, waren Ende 2009 noch rund 2300 unsaniert. Davon besitzen etwa 400 Gebäude eine besondere Bedeutung für Städtebau oder Denkmalpflege. "Die meisten sehen zwar weniger gut aus, sind aber nicht im Bestand gefährdet. Etwa 100 bedürfen jedoch einer kurzfristigen Sicherung", so Schirmer. Schwierig sei das nur, weil "etwa ein Viertel der Besitzer verkaufen will, ein Viertel keine Idee hat, was mit seinem Haus geschehen soll, ein Viertel bauen will, aber kein Geld bekommt, und nur ein Viertel einen Umbau wirklich plant und beginnt", so Schirmer.

Um rasch handeln zu können, beschloss die Stadt 2005 das Gebäudesicherungsprogramm. Von bislang 66 nominierten Gebäuden wurden bereits 45 gesichert oder saniert. "Das hoffe ich auch für die Objekte unserer aktuellen 60er-Liste. Die Pfaffendorfer Straße 19 bis 23, die sich als Pension am Zoo eignen würden, die Zschochersche Straße 54/56 mit der Persil-Frau oder auch die Laubestraße 19, wo gewiss viele zur Tanzstunde in den Goldenen Löwen gingen, liegen mir besonders am Herzen. Denn jedes Denkmal ohne Nutzung geht kaputt."

Cornelia Lachmann

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