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Lokales Grundschule am Rabet – wie eine „bunte Truppe“ Mathe lieben lernt
Leipzig Lokales Grundschule am Rabet – wie eine „bunte Truppe“ Mathe lieben lernt
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00:21 03.02.2018
Begeistert von einer japanischen Lernmethode: Nicole Szuban integriert sie in ihren Matheunterricht in der Grundschule am Rabet.  Quelle: André Kempner
Leipzig

„Psst! Der Mund ist zu“, sagt Grundschullehrerin Nicole Szuban. Mathe steht auf dem Stundenplan. Konzentriert und leise beginnen die Zweitklässler, ihre Aufgaben zu lösen. Zehn Minuten lang. An der Grundschule am Rabet wird seit März 2017 eine besondere Lernmethode getestet, in den normalen Unterricht integriert. „Kumon“ heißt das Zauberwort, das in dieser Klasse alle 23 Kinder kennen. Nicole Szuban hatte die Idee, neben dem regulären Lehrplanstoff die japanische Lernmethode zu praktizieren. Das funktioniert nur, weil Kumon-Deutschland sowie die ProBildung Leipzig gGmbH die Finanzierung übernommen haben. Ansonsten müssen die Eltern für diese „Chancenwerkstatt Mathematik“ privat in die Tasche greifen.

Begründer Toru Kumon ging von der Annahme aus, dass sein Sohn reichlich Zeit für seine weiteren Interessen haben würde, solange ihm der Mathematikunterricht leichtfiele. Er erarbeitete eigene Lernmaterialien und legte so den Grundstein für einen sehr individuellen Ansatz, mit dem jeder Schüler gemäß seinen Fertigkeiten lernen kann. Das wird heute weltweit in vielen Lerninstituten praktiziert, so auch im Kumon-Lerncenter in der Lindenthaler Straße in Gohlis. Das bietet sowohl Nachhilfe als auch kreative Förderung von Hochbegabten an.

„Wir fragen nicht nach dem aktuellen Schulstoff. Vielmehr bauen wir darauf auf, wo das Kind gerade steht, nehmen jeden mit seinem Tempo mit und entwickeln das Potenzial jedes einzelnen“, erklärt Sylvia Harms, die das Lerncenter leitet. Genutzt werden Materialien, die Pädagogen aus der Perspektive des Selbstlernens weltweit seit 60 Jahren entwickelt haben. Das Center unterstützt die Grundschule mit seinem materiellen und pädagogischem Know-how.

„Ich kannte die Methode durch meine beiden Kinder“, erzählt Grundschullehrerin Szuban, die seit gut zwei Jahren am Rabet unterrichtet (vorher an einer Freien Schule sowie im Kindergarten). Die Schule am Rabet hat mit fast 68 Prozent einen großen Anteil an Kindern von Ausländern und Migranten sowie aus sozial schwachen Familien. „Ich habe große Defizite, auch aufgrund der Sprache, festgestellt und wollte einfach nicht akzeptieren, dass ein Teil meiner Klasse im Unterricht nicht mitkommt“, erzählt die Pädagogin. Ihre „Truppe“ sei bunt, von 23 Kindern sind vier Deutsche, die anderen kommen aus Syrien, der Türkei, Afghanistan, Indien, Rumänien ... „Ein großer Vorteil ist, dass die Aufgabenblätter sich selbst erklären, auch ohne Sprache.“ Wer in Deutsch noch nicht so fit ist, kann die Aufgabe daher optisch erfassen. „Ich habe es geschafft, dass alle an den Stoff der zweiten Klasse herankommen.“ Die Kinder sind begeistert, die Lehrerin kann sowohl fördern als auch fordern. Was heißt: Auch von den Flüchtlingskindern muss niemand wiederholen. „Ich übe sehr viel rechnen, es macht mir einfach Spaß“, erzählt Phillipp, ein achtjähriger Vietnamese. Er gehört zu jenen, die mit dem Multiplizieren schon Stoff von Klasse 3 beherrschen. Und Janah (9) aus Syrien bestätigt, dass sie von sich aus zu Hause übt.

„Die Kinder haben es unabhängig von Leistungsdruck und Noten geschafft“, so Szuba, die sich wünscht, die Lernmethode generell in den Unterricht integrieren zu können. Das Projekt läuft noch bis Ende Februar. „Wir hoffen natürlich, dass es Folgeprojekte geben wird“, so Szuban. Die Ergebnisse jedenfalls ermuntern regelrecht dazu.

Von Mathias Orbeck

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