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Grundstein für Bernstein Carré in Leipzig gelegt

Letzter Museumswinkel Grundstein für Bernstein Carré in Leipzig gelegt

So viel Aufhebens war selten bei der Grundsteinlegung für ein mittelgroßes Geschäfts- und Wohnhaus in der Leipziger City. Doch beim Bernstein Carré, das in den nächsten zwölf Monaten durch den Projektentwickler OFB errichtet wird, handelt es sich um einen ganz besonderen Neubau an bedeutsamer Stelle.

Bauherren und Ehrengäste bei der Grundsteinlegung: Rechts neben Oberbürgermeister Burkhard Jung (Dritter von links) stehen Bernhard Rowe und Daniel Bernstein. Die Beiden sind Nachfahren von jüdischen Familien, deren Häuser an der Ecke Brühl/Reichsstraße von den Nazis enteignet worden waren. Erst nach der deutschen Wiedervereinigung erhielten die Erben die Grundstücke auf dem inzwischen Sachsenplatz genannten Areal zurück.
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig.  So viel Aufhebens war selten bei der Grundsteinlegung für ein mittelgroßes Geschäfts- und Wohnhaus in der Leipziger City. Doch beim Bernstein Carré, das in den nächsten zwölf Monaten durch den Projektentwickler OFB errichtet wird, handelt es sich um einen ganz besonderen Neubau an bedeutsamer Stelle. Darüber waren sich die 150 Gäste der feierlichen Zeremonie – darunter Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt, Kunstmäzen Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg, Centermanagerin Andrea Eggers von den Höfen am Brühl – sicher einig.

„Endlich schließt sich der Kreis oder besser gesagt: das Viereck“, sagte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und verwies auf den größten internationalen Architekturwettbewerb seit der Wiedervereinigung, den die Stadt Leipzig vor 20 Jahren zur Neugestaltung des Sachsenplatzes durchgeführt hatte. Mit den Plänen für ein Quartier, in dessen Mitte das  Museum der bildenden Künste entstand, habe die Kommune eine Entwicklung angestoßen und auf privates Engagement bei den vier Winkelbauten rings um den Leipziger Kunstschatz gesetzt. „Wir sind sehr froh, dass der Investor OFB jetzt an der Ecke von Brühl und Katharinenstraße einen würdigen Schlussstein setzt.“

Wie Jung verwies auch Volker Rodekamp, Direktor der Stadtgeschichtlichen Museums, auf die Geschichte des Ortes. „Der Brühl zwischen Katharinen- und Reichsstraße war die Keimzelle des Leipziger Messewesens und bis in die 1930er-Jahre als Weltzentrum des Pelzhandels bekannt.“ Erst durch die Barbarei der Nationalsozialisten habe es soweit kommen können, dass „dieses Herz der Stadt zerstört wurde“, sagte Rodekamp. Umso erfreulicher sei es, wenn nun der Neubau den Namen jener jüdischen Familie Bernstein tragen wird, deren Haus an diesem Ort von den Nazis enteignet worden war. 1943 fiel es – wie fast alle Gebäude am Brühl – einer Bombennacht zum Opfer.

Als Nachfahren der einst vertriebenen, jüdischen Familien wünschten Daniel Bernstein und Bernhard Rowe den Bauherren sowie allen künftigen Nutzern des Sechsgeschossers viel Glück und Gottes Segen. Offenbar hat Investor OFB (eine Tochterfirma der Landesbank Hessen-Thüringen) bei seinem bislang größten Projekt in Ostdeutschland tatsächlich ein glückliches Händchen. Wie berichtet, sind die Büroflächen schon komplett an den IT-Dienstleister Ewerk vermietet. Im Erdgeschoss entstehen zwei Restaurants mit Freisitzen, dazu noch 18 Wohnungen.

Von Jens Rometsch

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