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Lokales Günstige Mieten statt Luxus: Stadt steuert bei Lindenauer Hafen um
Leipzig Lokales Günstige Mieten statt Luxus: Stadt steuert bei Lindenauer Hafen um
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Im kommenden Jahr soll der Bau des neuen Quartiers am Lindenauer Hafen beginnen. Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

Der Bau eines neuen Stadtquartiers für bis zu 1000 Menschen am Lindenauer Hafen soll nächstes Jahr beginnen. Und es soll "kein Luxusquartier" werden. Das erklärte Karsten Gerkens, Leiter des Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW), bei einem öffentlichen Forum der Leipziger SPD.

 Um auch Chancen für Leute zu eröffnen, die sich keine Eigentumswohnung leisten können, werde die Kommune den Ausschreibungsmodus für die Grundstücke ändern. Beim zweiten großen Baufeld, das fast bis zum neuen Wassertorplatz reicht, gehe es nicht mehr vor allem um einen maximalen Kaufpreis. Stattdessen erhielten solche Konzepte Bonuspunkte, die auf günstige Mieten oder Gewerbeflächen abzielen. "Wir gehen davon aus, dass sich hier auch Genossenschaften engagieren", sagte er.

 Das Umsteuern entspreche dem gerade fertiggestellten wohnungspolitischen Konzept der Stadt. Als Anfang 2013 das erste Baufeld am Hafen ausgeschrieben wurde, hätten noch andere Themen - wie Energieeinsparung - Vorrang gehabt. Die geplanten Mindesteinnahmen von 7,6 Millionen Euro erreiche die Kommune auf jeden Fall, so Gerkens: "Nach anfänglichen Problemen sind wir bei der Vermarktung der Flächen jetzt sehr weit und rechnen fest mit Übereinnahmen." Genaueres zu den Verkäufen gebe die Stadt aber erst am Jahresende bekannt.

 Einiges ist freilich schon durchgesickert. Im Juli erwarb die Leipziger Firma TOK das erste Grundstück. Sie will ab 2016 einen Fünfgeschosser mit 20 bis 25 Eigentumswohnungen errichten. Zudem bestätigte unlängst der Augsburger Projektentwickler Eyemaxx eine exklusive LVZ-Meldung, wonach er gleich zwei Flächen kaufen will. Auf Nachfrage von SPD-Stadtrat Mathias Weber verriet Gerkens, dass bereits der Betreiber für eine ebenfalls geplante Kita feststehe.

 Joachim Fischer, einst langjähriger Fraktionschef der Sozialdemokraten, hakte zur aktuellen Sperrung des Geländes nach. Zwar herrsche auf dem vor zwei Monaten eröffneten Kanalabschnitt bis zum Hafen nun reger Bootsverkehr. Die Anwohner in Grünau und Neu-Lindenau fühlten sich jedoch verschaukelt, weil sie auf dem Landweg noch immer nicht zum Wasser dürfen. Dies habe mehrere Gründe, bedauerte Angela Zábojnik vom Amt für Stadtgrün und Gewässer. Bei einem Radweg fehle noch ein kurzes Stück. Zudem habe die Stadt für die Auffahrten zur Brücke in der Lützner Straße falsche Geländer geliefert bekommen. "Wir hoffen, dass beides bis zum 9. September behoben wird."

 Die Uferpromenade sei auch noch nicht fertig, ergänzte Stefan Geiss vom ASW: "Dort mussten wir absperren, weil die Baufirmen massive Probleme mit nächtlichem Vandalismus hatten." Die Stadt wolle noch eine große Fläche am Westufer kaufen, die dem Freistaat Sachsen gehört. Die alten Baracken dort kämen dann weg, das Gelände werde renaturiert und mit besseren Wegeverbindungen zum Schönauer Park versehen. Unklar sei nach wie vor, ob ein Teil der Landzunge zwischen den beiden Ankerbecken später weggebaggert wird.

 Ab 2016 dürfen auch Fahrgastschiffe in den Hafen fahren, kündigte Zábojnik an. Bis dahin sind Motorboote verboten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.09.2015
Jens Rometsch

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