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Lokales Gummi in die Gleise: Werden Radler so besser geschützt?
Leipzig Lokales Gummi in die Gleise: Werden Radler so besser geschützt?
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00:38 25.06.2015
Die Reifen von Fahrrädern geraten schnell mal in Straßenbahngleise. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Jedes Jahr stürzen in Leipzig zahlreiche Fahrradfahrer, weil sie mit ihren Rädern in die Gleise der Straßenbahn geraten sind. Jetzt hat die SPD-Fraktion im Stadtrat durchgesetzt, dass die Verwaltung in der Georg-Schwarz-Straße erstmals den Einsatz von Gummis in Straßenbahnschienen prüfen muss, um die Gefahr von Stürzen bei einem Spurwechsel der Radfahrer zu minimieren. Zumindest am Anfang und am Ende des geplanten Umbaubereiches sollte dies getestet werden, so die Forderung.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Leipzig (ADFC) setzt sich schon seit Jahren dafür ein, die gefährlichen Straßenbahnschienen für Radler sicherer zu machen und lässt das Kostenargument nicht gelten. „Sicher wird das Ergebnis für die Leipziger Verkehrsbetriebe betriebswirtschaftlich negativ sein“, sagt dort Vize-Vorsitzender Alexander John. „Doch volkswirtschaftlich gesehen wäre es eher positiv. Denn jeder Sturz kann mit Kosten für die Allgemeinheit verbunden sein – beispielsweise wenn die zugezogenen Verletzungen so stark sind, dass der Aufenthalt in Krankenhaus und Reha notwendig wird.“

Doch auch die Experten des ADFC wissen, dass der Einsatz von Gummis in den Gleisen nicht unproblematisch ist. Denn sie haben mitverfolgt, wie die Züricher Verkehrsbetriebe 2007 und 2013 Gummi in ihren Gleisen testeten. Das Ergebnis: Für den Radverkehr minimierte sich das Risiko von schienenbedingten Stürzen zwar massiv und auch die Rutschgefahr bei Nässe wurde deutlich geringer – aber die Widerstandsfähigkeit der Gummis war nur gering und ihre Lebensdauer deshalb nicht ausreichend lang, um eine andauernde Verbesserung zu gewährleisten. Die Züricher Verkehrsbetriebe mussten den Abschnitt täglich kontrollieren und häufiger warten als andere Gleise; letztlich waren die Kosten zu hoch, so dass die Einsätze wieder entfernt wurden.

„Wenn man die Gummis auch in Leipzig verlegen möchte, muss man entsprechende Gleise verwenden, sonst würden die Räder der Straßenbahnen die Gummis aus den Gleisen reißen“, meint auch John. „In Berlin wollte man das Projekt aus Zürich kopieren, man scheiterte allerdings an der Form der Gleise. Ein Umbau wäre zu teuer geworden, so dass letztlich nichts passiert ist.“

In Herdecke (Nordrhein-Westfalen) seien zwar gute Erfahrungen mit Gummis gesammelt worden. Allerdings wurden die Gleise dort nicht täglich genutzt und schon gar nicht alle fünf Minuten wie in Leipzig, wo der Takt künftig sogar noch enger werden dürfte. Bei den LVB heißt es, die bisherigen Lösungen hätten sich sowohl in Zürich als auch in Berlin als „nicht praxistauglich“ erwiesen. „Auch die Dresdner Verkehrsbetriebe, die schon Ende der 90er Jahre einen Versuch dazu starteten, brachen diesen nach wenigen Jahren ab und sind in der Zwischenzeit wieder davon abgekommen“, fasst Sprecher Marc Backhaus den Entwicklungsstand aus LVB-Sicht zusammen.

Weil es nach LVB-Recherchen derzeit „weder wirtschaftlich noch technologisch sinnvolle Lösungen am Markt gibt beziehungsweise sich diese Systeme erst in der Entwicklung befinden“, gibt es in Leipzig bislang auch noch kein solches Projekt. „Ein Gummi-System darf die Sicherheit des Straßenbahnbetriebes nicht beeinflussen, muss nachhaltig haltbar und in einem vertretbaren Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen“, listet Backhaus die Forderungen der LVB auf, die vor einem Einsatz erfüllt werden müssen.

Ganz anders sieht dies der ADFC. Er begrüßt den Vorstoß des Leipziger Stadtrates, beim Umbau der Georg-Schumann-Straße nach einer Leipziger Lösung zu suchen. Dort sollten gleich Gleise verlegt werden, die so geformt sind, dass die Räder der Straßenbahnen die Gummis nicht herausreißen können. „Das Projekt ist sehr gut für eine Anmeldung zum Nationalen Radverkehrsplan geeignet“, meint ADFC-Vorsitzender Christoph Waack und ermuntert die LVB ausdrücklich, eigene Initiativen zu entwickeln. „Mit etwas Glück erhält man den Zuschlag und kann sich die Mehrkosten und die wissenschaftliche Begleitung fördern lassen. Und wenn alles gut geht, hat man am Ende einen Gummi, der viele Jahre die Belastungen aushält und die Zahl der Stürze deutlich senkt.“

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