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Gut kochen, schick aussehen: DDR-Frauen erhielten Rat vom Verlag für die Frau

Gründung vor 70 Jahren Gut kochen, schick aussehen: DDR-Frauen erhielten Rat vom Verlag für die Frau

Der Leipziger Verlag für die Frau war ein Großbetrieb und der einzige Mode- und Ratgeberverlag der DDR. Heute ist nur eine kleine Buchproduktion übrig geblieben. Mit einer Ausstellung feiert der Verlag sein 70-jähriges Bestehen.

Maria von Lamezal (71) arbeitete als Fotomodell für den Verlag, war unter anderem in der „Pramo“ abgebildet. Christian Kullnick organisierte die Modenschauen, die zweimal jährlich durch die gesamte DDR tingelten.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Heute wäre der Name „Verlag für die Frau“ sicher nicht mehr politisch korrekt. Aber im Nachkriegsjahr 1946 fand es niemand befremdlich, dass die Frauen zuständig waren fürs Kochen, Backen und Einkochen, fürs Nähen, Stricken und Häkeln, für praktische Dinge in der Wohnung, für das Glück in Ehe und Familie. Wie sie aus dem Wenigen mehr machen konnten – auch später in der sozialistischen Mangelwirtschaft –, vermittelten ihnen Publikationen aus dem einzigen Mode- und Ratgeberverlag der DDR. Der Verlag für die Frau wurde vor 70 Jahren in Leipzig gegründet und hatte bis zur Wende das absolute Monopol als Ratgeber in Sachen Mode, Kochen, Haushalt, Handarbeiten. Zeitschriften und Bücher aus der Leipziger Friedrich-Ebert-Straße waren im Prinzip bei jeder DDR-Familie im Regal zu finden. Vom guten Ruf der Produkte profitiert der erhalten gebliebene kleine Rest des Verlag noch heute. Viele vergnügliche Erinnerungen ruft daher die Ausstellung „Bücher für Generationen“ wach, die bis Ende Juni im Foyer des Hauses des Buches im Gerichtsweg zu sehen ist.

Quelle: Kempner

Der Verlag war ein Großbetrieb, mehr als 400 Mitarbeiter gingen Ende der 1980er-Jahre tagtäglich durchs Betriebstor. Und er wandte sich nicht nur an Frauen, sondern wurde von Frauen gemacht – sie stellten 90 Prozent der Belegschaft. Im Verlagsgebäude des 1946 enteigneten Otto-Beyer-Verlags, der sich ebenfalls schon auf Frauenthemen spezialisiert hatte, erschienen jährlich zehn verschiedene Zeitschriften (unter anderem Pramo, Sibylle, Modische Maschen, Guter Rat, Wohnen im Grünen) sowie 40 Bücher und 700 Schnittmuster. Der Leipziger Verlag verfügte über eigene Schnittwerkstätten, eine eigene Modenschau-Truppe, eine Ladenkette namens „Schnittzentrum“ mit elf Filialen in den DDR-Bezirksstätten, eine eigene Tischlerei, Kraftfahrer, Kantinenpersonal, eine Bungalow-Feriensiedlung in Zinnowitz (Ostsee) und ein Kinderferienlager bei Waldheim. Fernsehkoch Kurt Drummer demonstrierte in mehr als 650 Kochsendungen Rezepte des Verlages. Die Druckerzeugnisse wurden in mehr als 40 Länder exportiert, waren aber im eigenen Land teils schwer zu bekommen. Nur eins gab es nicht, eine eigene Druckerei – gedruckt wurde bei Interdruck in der Dresdner Straße.

Die Wende traf den einstigen Monopolisten hart, von der Zeitschriften-und Büchervielfalt blieb fast nichts mehr übrig. Der Gong-Verlag kaufte 1991 den Leipziger Verlag, entließ die meisten Mitarbeiter und legte wesentliche Teile der Produktion still. Die Zeitschriftentitel wurden in den Folgejahren schrittweise eingestellt – lediglich das Verbrauchermagazin „Guter Rat“ erscheint bis heute im Burda-Verlag. 1996 wurde die Buchproduktion ein eigenständiger Betrieb unter dem Namen „Buchverlag für die Frau“. Verbunden damit erfolgt der Umzug ins Haus des Buches am Gerichtsweg. Christa Winkelmann (70), die 1973 als junge Lektorin im Verlag anfing, war bis 2014 Geschäftsführerin. Nach 41 Jahren verkaufte sie zum Jahresbeginn 2015 das übrig gebliebene Unternehmen an Verleger Lutz Gebhardt (63) aus Ilmenau.

Heute besteht die Belegschaft aus sage und schreibe nur noch vier Mitarbeitern. Verleger Gebhardt und Programmleiterin Sabine Melchert (40) bekennen sich klar zur Beständigkeit: „Wir wollen den guten Ruf des Verlags bewahren und die Traditionslinien weiterführen.“ Dazu gehören die Minibücher und die DDR-Küchenbibel „Wir kochen gut“, die seit 53 Jahren auf dem Markt ist und jedes Jahr nachgedruckt wird – insgesamt gingen schon fünf Millionen Exemplare über den Ladentisch. Neben den „Longsellern“ werden neue Trends aufgegriffen, so erzählende Sachbücher zu Themen wie Wechseljahre, Brustkrebs oder Übergewicht. „Wir wollen weiter schöne Bücher machen, denn wenn sich die Leute heute ein Buch kaufen, dann nur, weil es schön ist“, sagt Sabine Melchert.

Die 70-jährige Verlagsgeschichte wird in diesem Jahr auf verschiedene Weise gefeiert, unter anderem mit der am Dienstag eröffneten Ausstellung. 90 Leute waren da, viele ehemalige Mitarbeiter, aber auch Buchmesse-Chef Oliver Zille.

 

 

Von Kerstin Decker

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