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Gutachten: Straßenbahn in Leipzig-Mockau fährt am Bedarf vorbei

Volles Haus beim Bürgerdialog Gutachten: Straßenbahn in Leipzig-Mockau fährt am Bedarf vorbei

Gegenwärtig fährt die Straßenbahn in Leipzig-Mockau am Bedarf vorbei. Das ist das Resultat eines Gutachtens und das soll nun geändert werden. Mehr als 400 Mockauer kamen zum Infoabend über die geplante 1200 Meter lange Neubaustrecke.

1200 Meter lang ist die geplante Neubaustrecke.

Quelle: Patrick Moye

Leipzig. Mehr als 400 Mockauer kamen am Donnerstagabend in die proppenvolle Aula der Waldorfschule in der Berthastraße. Stadtverwaltung und Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) stellten die geplante 1200 Meter lange Straßenbahn-Neubaustrecke von der Mockauer Post entlang der Mockauer Straße und Tauchaer Straße bis hin an den westlichen Rand Theklas vor.

„Die neue Linienführung heraus aus der ohnehin maroden Kieler Straße führt zu einer erheblich besseren Erschließung dieses Wohngebietes, bringt die Bürger vor allem des Mockauer Ostens und der Siedlung auf kürzerem Wege zur Straßenbahn“, betonte Michael Jana, Leiter des Verkehrs- und Tiefbauamtes, in seinen einführenden Worten. Holger Flache, Bereichsleiter Verkehrsmanagement bei den LVB, offenbarte die Resultate eines Gutachtens, die belegen, dass gegenwärtig die Bahn in Mockau am Bedarf vorbei fährt. „Gerademal rund 500 Personen zählt das tägliche Fahrgastaufkommen in der Kieler Straße. Mit der 14 Millionen teuren Neubaustrecke wird die Anzahl der Bahnbenutzer auf dieser Linie von 550 000 auf 700 000 jährlich steigen“, ist er überzeugt.

„An eine völlig heruntergekommene, mit Schlaglöchern im Gleisbereich übersäte Strecke in der Mockauer Straße soll nun eine Vorzeigetrasse angebunden werden“, monierte eine Frau aus der Berthastraße. „Wäre es nicht sinnvoller, erst diesen Abschnitt in Ordnung zu bringen und hier endlich barrierefreie Haltestellen zu errichten“, fragte sie. Flache räumte ein, dass der Zustand der Mockauer Straße tatsächlich sehr schlecht ist. Im kommenden Jahr werde der Bereich zwischen Wollkämmerei und Friedrichshafner Straße saniert, aber nicht grundhaft erneuert. „Der barrierefreie Ausbau der Haltestellen in diesem Areal muss leider noch warten“, ergänzte Jana. In Leipzig würden pro Jahr 25 bis 30 Straßenbahn- beziehungsweise Bushaltestellen barrierefrei gestaltet. Da gebe es eine Prioritätenliste. Herr Hartmann aus dem Publikum sprach von einer Vernachlässigung der Kreuzung an der Mockauer Post. „Hier sollte ja einst der mittlere Ring von der Essener bis an die Torgauer Straße geführt werden“, meinte er. Jana bestätigte dies. Der mittlere Ring wurde vom Stadtrat zu den Akten gelegt. „Trotzdem haben wir die rasante Bevölkerungsentwicklung im Blick und berücksichtigen sie.“

Auch die Frage, warum die Neubaustrecke am Rande Theklas endet und nicht bis zum S-Bahnhof Thekla oder Heiterblick weitergeführt wird – und damit das Neubaugebiet am Bagger erschließt – bewegte so manchen Besucher. Dazu Flache: „Eine Weiterführung nach Thekla hinein wird geplant, aber noch gibt es dazu nichts Konkretes.“ Hingegen konkret war Wolfgang Krug, Abteilungsleiter im Stadtplanungsamt, was den Supermarkt-Bau betrifft, der künftig auf der neuen Straßenbahntrasse in der Tauchaer Straße direkt erreichbar sein wird. „Auf dem Gelände des Ex-Rewe-Marktes baut inzwischen Aldi eine neue Filiale. Im Frühjahr soll sie öffnen“, verriet er. Zum Drama um die Mockauer Post meinte er bedauernd, der neue Eigentümer habe noch keinen Bauantrag gestellt.

Apropos Mockauer Post: Hier wird die Haltestelle auf die Nordseite der Kreuzung verlegt. Dafür müsse das Parkdeck gegenüber dem Center abgerissen werden. Ebenerdig bleiben noch Parkmöglichkeiten. Aber etwa 100 fallen weg. Das rief viele Kritiker auf den Plan. Krug versicherte, dass bei der Neugestaltung des Areals neue Parkplätze geschaffen werden. Genaues vermochte er aber nicht zu sagen. Um das Umsteigen am künftigen S-Bahnhof an der Mockauer Straße zu erleichtern, denken die Planer an eine weitere Haltestelle nahe der Eisenbahnbrücke.

„Die Kieler Straße, deren Gleisanlagen mit hohem Kostenaufwand ohnehin völlig neu gestaltet werden müssten, wird nicht vom ÖPNV abgeschnitten“, versicherte Flache. Linienbusse würden dort verkehren, sobald die neue Strecke fertig ist. Nach Abschluss der aufwendigen Planungsverfahren sei der Baubeginn 2020 angedacht. Anderthalb bis zwei Jahre würde die Bauzeit betragen.

Von Günther Gießler

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