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Hängepartie beim Hort-Neubau in Leipzig-Mölkau geht weiter

Elternrat ist sauer Hängepartie beim Hort-Neubau in Leipzig-Mölkau geht weiter

Das war dann wohl doch etwas zu optimistisch getitelt. Mit „Hort-Neubau: Mölkau hofft auf ein Ende der Hängepartie“ hatte LVZ.de im Januar dieses Jahres die unendliche Geschichte eines von vielen Familien im Ort seit Langem herbeigesehnten Projekts überschrieben. Jetzt ereilt die Mölkauer Grundschule eine weitere Hiobsbotschaft.


Quelle: Kempner

Mölkau. Das war dann wohl doch etwas zu optimistisch getitelt. Mit „Hort-Neubau: Mölkau hofft auf ein Ende der Hängepartie“ hatte die LVZ ihren bislang letzten Beitrag über die unendliche Geschichte eines von vielen Familien im Ort seit Langem herbeigesehnten Projekts überschrieben. Datiert vom 23. Januar dieses Jahres, verhieß der Text, dass die Arbeiten höchstwahrscheinlich im Frühling 2015 beginnen und im Sommer 2016 beendet sein würden. Der Bauinvestor, der Kreisverband Leipzig-Land des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), sorgte mit seiner expliziten Zuversicht damals für gute Stimmung in der einst selbstständigen Gemeinde. Nur Volker Woitynek, gegen Ende des Artikels zitiert, konstatierte vergleichsweise nüchtern: „Wäre schön, wenn’s endlich so käme.“ Der CDU-Ortsvorsteher muss das Ungemach gerochen haben, das sich gerade über der Mölkauer Schulstraße ausbreitet.

Elternratsvorsitzende Annegret Wurst und ihre Mitstreiter sind jedenfalls sauer darüber, dass zum seit sechs Jahren diskutierten Casus Hort mittlerweile neue Fakten in Umlauf sind – leider nicht von offizieller Seite ausgesandt. Denn auf ein schriftliches Aufklärungsersuchen an die Adresse von Leipzigs Schulbürgermeister Thomas Fabian (SPD) haben Annegret Wurst & Co. bis heute keine Antwort erhalten. Was die Mütter und Väter in dem Brief vom 27. Oktober besonders erzürnte, ist der Umstand, dass der Hort-Neubau entgegen allen bisherigen Bekundungen nun doch keinen Speise- und keinen Mehrzweckraum erhalten soll. „Mit Entsetzen haben wir erfahren, dass seitens der Stadt Leipzig einer Mitfinanzierung und somit der Errichtung der dringend benötigten Räume nicht zugestimmt wird“, schrieb der Elternrat an Fabian.

Allgemeine Stimmungslage rund um den Mölkauer Bildungscampus mit Grund- und Oberschule: Ein neuer Hort ohne eine Mensa, das ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Denn momentan essen fünf Grundschulklassen nach dem letzten Klingeln im DRK-Haupthort in der Zweinaundorfer Straße 167, während drei Gruppen – deren enge Klassenzimmer am Nachmittag zu Interim-Horträumen werden – in einem Mini-Speiseraum von 60 Quadratmetern im Grundschulgebäude ihre warmen Mahlzeiten zu sich nehmen. Die Krux an dieser Konstellation: Mit den gegenwärtig gut 60 Mädchen und Jungen, für die es nach Schulschluss keinen Ortswechsel gibt, speisen mittags noch 80 junge Leute aus der benachbarten Oberschule. „Dieser unerträglichen Situation“, so Annegret Wurst, „würde ein Hort-Neubau, wie wir ihn erwarten und weiter fordern, ein Ende bereiten.“ Sollte die Grundschule – was sich wegen der vielen Zuzüge nach Mölkau abzeichnet – ab dem Schuljahr 2016/17 gar dreizügig daherkommen, „wird es bei einem Hort ohne Mensa dramatisch“, konstatiert die Elternratschefin. Dann drängen 200 und mehr Grund- und mindestens
80 Oberschüler Mittag für Mittag in den kleinen Essensraum mit 50 enggestellten Plätzen. Wie soll das gehen?“

Mit klaren und unmissverständlichen Antworten auf diese und andere Fragen tun sich Rathaus und DRK in diesen Tagen schwer. Schriftlich geführte Recherchen ergaben: Es stimmt, der neue Hort wird zu Beginn des Schuljahres 2016/17 definitiv noch nicht zur Verfügung stehen. Nächster avisierter Baustart: das Frühjahr 2016. Nächste vorgesehene Inbetriebnahme: der Sommer 2017. Kostenpunkt: rund 3,2 Millionen Euro. Als Grund für die neuerliche Verzögerung nennt das Amt für Jugend, Familie und Bildung (AJuFaBi) eine notwendig gewordene Überarbeitung von Planung und Finanzierung, was mit der Streichung des Speiseraumes zu tun habe. Die Verwaltung begründet das Aus fürs geräumige Esszimmer wie folgt: Der Schulträger, die Kommune, habe zunächst tatsächlich erwogen, „durch eine Anmietung der Mensa“ die Mittagessenversorgung der Grundschule zu verbessern. „Die Rechtsprüfung hat jedoch ergeben, dass diese Investition durch einen Dritten zur Anmietung durch die Stadt – anders als beim Hortgebäude – ein kreditähnliches Rechtsgeschäft im Sinne eines Public-Private-Partnership (PPP) gewesen wäre und deshalb nicht realisierbar ist.“

Ein Anbau inklusive Mensa für die Oberschule soll wenigstens perspektivisch Entspannung bringen. Mögliche Fertigstellung: Schuljahresbeginn 2018/19. Für die Zeit davor würden „Lösungsvarianten zum Umgang mit der aktuell angespannten Speiseraumsituation geprüft. Dazu findet bereits Ende des Monats eine Vorortbegehung und Prüfung auf die Geeignetheit statt“, verlautete aus dem AJuFaBi. „Dabei geht es um eine temporäre Verlagerung bestimmter Funktionen in außerschulische Gebäude.“ Soll vermutlich heißen: Das Rathaus denkt über das Aufstellen eines Containers nach. Vielleicht eine Kantine auf Streifenfundament? Wir sind gespannt!

Von Dominic Welters

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