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Halle-Chaos schlägt auch auf Leipzig durch

Mitteldeutsches S-Bahn-Netz Halle-Chaos schlägt auch auf Leipzig durch

Die ersten Tage nach dem Fahrplanwechsel glichen im Mitteldeutschen S-Bahn-Netz einem absoluten Chaos. Tagelang glich der Fahrplan eher einem S-Bahn-Lotto, Verspätung reihte sich an Verspätung. Folge: Frustrierte Pendler, genervte Zugbegleiter, erboste Reisende, die den Fernverkehr nutzen wollten.

Nach dem Fahrplanwechsel kam es im S-Bahn-Netz zu massiven Verspätungen. (Symbolfoto)
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die ersten Tage nach dem Fahrplanwechsel glichen im Mitteldeutschen S-Bahn-Netz einem absoluten Chaos. Tagelang glich der Fahrplan eher einem S-Bahn-Lotto und war einer Deutschen Bahn, die im Vorfeld mit vielen Versprechungen aufwartete, einfach unwürdig. Verspätung reihte sich an Verspätung. Folge: Frustrierte Pendler, genervte Zugbegleiter, erboste Reisende, die den Fernverkehr nutzen wollten.

Zugegeben: Die Bahn hatte mit Blick auf einen im City-Tunnel liegengebliebenen Triebwagen, einem Kabelklau im Ostbereich und anderen unvorhergesehenen Umständen wie ein Anschlag auf einen Automaten sicher besonders große Probleme. Doch wie fragil das Netz gestrickt ist, wird dem Beobachter erst richtig klar, wenn er ins nahe Halle hinüberschaut.

Dort wird seit gut einer Woche – und für zwei Jahre – der Hauptbahnhof umgebaut (die LVZ berichtete). Zwölf Monate sind die sechs östlichen Bahnsteige gesperrt, zwölf weitere die westlichen. Folge: Es steht nur die Hälfte der Gleise zur Verfügung. Da teils S-Bahnen und ICE/IC-Verkehr über dieselben Bahnsteige abgewickelt werden, reichen fünf bis zehn Minuten Verspätung im Vorrang habenden Fernverkehr – was bekanntlich keine Seltenheit ist –, um das ganze S-Bahn-System mit drei stündlichen Verbindungen zwischen Halle und Leipzig aus dem Tritt zu bringen.

Die Wochenbilanz eines Pendlers: Bis einschließlich Montagabend war eine von zwölf Fahrten pünktlich. Nimmt man das Bahn-eigene Pünktlichkeitsfenster hinzu, wonach bis zu fünf Minuten unter pünktlich abgerechnet werden, sind es noch zwei Touren mehr.

Mehr Kapazitäten? Gefühlt nur etwas mehr. Viermal erfolgte die Fahrt zwischen beiden Städten nur einteilig anstatt der avisierten zwei aneinandergekoppelten Triebwagen vom Typ Talent 2. Man bedenke: Die Destination zwischen den beiden Schwesterstädten ist mit allein 16 .000 der täglichen 55 .000 Nutzer des S-Bahn-Systems die Premiumstrecke.

Die Bahn sagt dazu auf Anfrage: „In den wenigen Stunden ohne gravierende Störungen zeigt sich, dass das zwischen allen Eisenbahnverkehrsunternehmen des Nah- und Fernverkehrs abgestimmte Fahrplankonzept im Knoten Halle grundsätzlich funktioniert. Allerdings ist es nach den wenigen Tagen zu früh, die Situation verlässlich einzuschätzen. Deshalb wird die Situation in Halle sorgsam beobachtet und ausgewertet, um daraus abgeleitet den Betrieb schnellstmöglich zu stabilisieren und die Reisendeninformation zu verbessern.“

Mit Galgenhumor nahm es Ende letzter Woche ein Zugbegleiter kurz vor dem Ziel Halle. Seine Ansage: „Allen Fahrgästen, die jetzt ihre Anschlusszüge verpasst haben, wünschen wir einen angenehmen Aufenthalt in der schönsten Stadt Sachsen-Anhalts.“ Schallendes Gelächter auch von Betroffenen hallte durch die – wenigstens – geheizten Triebwagen.

Von Martin Pelzl

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