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Lokales Hallers Absetzung erfolgte ohne aktuellen Grund – Ex-Amtsleiter beschäftigt weiter die Justiz
Leipzig Lokales Hallers Absetzung erfolgte ohne aktuellen Grund – Ex-Amtsleiter beschäftigt weiter die Justiz
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15:41 17.07.2015
Siegfried Haller, der Leiter des Leipziger Jugendamts, musste am Donnerstag seinen Posten räumen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen ihn. (Archivfoto) Quelle: Volkmar Heinz
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Leipzig

„Es wurde Vertraulichkeit vereinbart und dabei bleibt es“, sagte Stadtsprecher Matthias Hasberg auf Anfrage von LVZ-Online. Die Justiz wird der 58-Jährige auch nach seiner Beurlaubung beschäftigen.

Die Leipziger Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit Mitte 2012 gegen Haller und Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) wegen des Todes einer drogenabhängigen Frau und ihres Babys in Gohlis. Der Zweijährige war im Juni neben seiner Mutter in der Wohnung verdurstet. „Die Ermittlungen dazu laufen noch, der gesamte Komplex ist sehr umfangreich“, sagte Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz gegenüber LVZ-Online. Ein Abschluss des Verfahrens – der Vorwurf lautet Totschlag durch Unterlassen – sei noch nicht in Sicht.

Staatsanwaltschaft wertet Unterlagen des Jugendamts aus

Die Urgroßmutter des verstorbenen Kleinkindes hatte im Juli Strafanzeige gegen Haller und Jung gestellt. Geprüft wird seitdem, ob es Versäumnisse bei der Betreuung der Frau durch das Jugendamt gab, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Wir haben alle Unterlagen des Amts, die Kind und Familie betreffen, beigezogen. Diese wurden inzwischen ausgewertet“, berichtete Schulz. Zu Ergebnissen äußerte er sich nicht.

Der Oberstaatsanwalt betonte, dass die Beurlaubung des Jugendamtsleiters nicht im Zusammenhang mit aktuellen Maßnahmen der Staatsanwaltschaft stehe. Die Behörde habe die Beurlaubung zur Kenntnis genommen. „Für unser Verfahren hat das aber keine Bedeutung. Es wird weiter ermittelt“, so Schulz.

Auch Stadtsprecher Hasberg stellte klar, dass es keinen aktuellen Grund für die Absetzung des Jugendamtsleiters gegeben habe. Wegen der Querelen im Jugendamt um den Fall in Gohlis, die Leipziger Kinderbande oder den Plagiatsvorwurf gegen seine Doktorarbeit war der Amtsleiter in den vergangenen Monaten jedoch zunehmend unter Druck geraten. Möglicherweise wartete die Stadtspitze mit der Beurlaubung bis nach der Oberbürgermeisterwahl, um Amtsinhaber Jung im OBM-Wahlkampf nicht zu beschädigen. Hasberg wollte dies nicht kommentieren.

Urteil zu Doktorarbeit steht noch aus

Die Doktorarbeit von Siegfried Haller: „Das Sanierungsgebiet Hemshof in Ludwigshafen am Rhein. Eine Bilanz von 30 Jahren baulicher Erneuerung und sozialer Veränderung“. Quelle: André Kempner

Den Kampf um seinen Doktortitel hat Haller indes noch nicht aufgegeben. Am Verwaltungsgericht Halle ist nach wie vor die Klage des Jugendamtsleiters gegen die Aberkennung durch die Uni Halle anhängig. „Das Verfahren ist nach wie vor in Bearbeitung und wird auch noch mehrere Monate in Anspruch nehmen“, sagte Gerichtssprecher Volker Albrecht. Noch sei kein Termin für die mündliche Verhandlung anberaumt.

Haller hatte im Oktober 2012 geklagt, nachdem die Martin-Luther-Universität ihm im April die Doktorwürde wegen schwerwiegender Plagiatsverstöße entzogen und auch einen Widerspruch dagegen abgewiesen hatte. Haller soll einem Uni-Gutachten zufolge ganze Kapitel seiner 2003 eingereichten Arbeit teilweise wörtlich aus anderen Werken übernommen haben. Bereits im Jahr 2000 war er zum Jugendamtsleiter ernannt worden. Das Internetportal Vroniplag hatte die Plagiate 2011 aufgedeckt.

Fest steht zunächst: Ab Freitag wird Hallers Stellvertreter Thomas Schmidt die Geschäfte im Jugendamt übernehmen – einer Mammutbehörde mit mehr als 1000 Mitarbeitern. Die Stelle des Amtsleiters werde „so schnell wie möglich“ ausgeschrieben, erklärte Stadtsprecher Hasberg. Über Hallers zukünftige Position innerhalb der Verwaltung soll zeitnah entschieden werden. Bis dahin bleibe der 58-Jährige beurlaubt.

Robert Nößler

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