Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Haltestellen ohne Wetterschutz machen Leipziger wütend
Leipzig Lokales Haltestellen ohne Wetterschutz machen Leipziger wütend
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 05.02.2016
Besudelt und beschmiert: Wartehäuschen in Böhlitz-Ehrenberg. Quelle: Foto: Lutz Brose
Anzeige
Leipzig

Mit Wut und Empörung haben viele Leipziger am Donnerstag auf das drohende Haltestellen-Debakel bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) reagiert. Wie berichtet, wird der Stadtmöblierer JCDecaux ab 1. Januar 2017 seine 502 Fahrgastunterstände an Straßenbahn-Haltestellen abbauen. Die Stadt will künftig selbst für den Wetterschutz sorgen, kann die Ausrüstung aber nicht rechtzeitig bereitstellen. Fahrgäste werden im nächsten Winter vor Wind und Wetter ungeschützt auf die Straßenbahn warten müssen. Das bestätigte am Donnerstag auch Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) gegenüber der LVZ.

Von einer „peinlichen und völlig unnötigen Situation“ sprach LVZ-Leser Falk Warnecke. Er sieht keinen Grund, die „wegen ihrer dezenten Gestaltung geschätzte“ Stadtmöblierung von JCDecaux auszutauschen. Es gebe Wichtigeres in einer Stadt, in der „man wochenlang braucht, um Scherben und Silvesterdreck wegzuräumen, in der Grünanlagen verrotten und viele Straßen für alle Verkehrsteilnehmer im Grunde ein öffentliches Ärgernis darstellen“. Das Rathaus hatte erklärt, die Beschaffung eigener Unterstände sei für die Stadt letztlich kostengünstiger als durch einen Dienstleister im Rahmen der Werberechtsvergabe. Wenn die Stadtverwaltung diesmal „genauso exakt kalkuliert hat, wie bei den inzwischen gescheiterten Cross-Border-Leasing-Geschäften, na dann: Gute Nacht“, kommentierte Karl-Heinz Engelhardt. „Letztere sollten der Stadt ja auch unermessliche Gewinne bringen, haben aber bekanntlich Millionenschäden für die Stadt und damit für die Bürger verursacht.“

Lutz Brose erinnerte daran, dass mit der Eingemeindung von Ortsteilen nach Leipzig auch Haltestelleneinrichtungen durch die Stadt übernommen wurden. „Doch die Unterhaltung der Wartehäuschen kostet im Laufe der Jahre mehr als die Errichtung derselben. Geld, das die Stadt nicht hat. Entsprechend präsentieren sich die Wartehallen heute“. Sie seien wie in Böhlitz-Ehrenberg, Mölkau oder Liebertwolkwitz beschmiert, verdreckt und ungepflegt.

„Augen zu, Hut runter und hinein ins Desaster“, mit diesen Worten kommentierte Konrad Riedel, CDU-Stadtrat und Mitglied des LVB-Fahrgastbeirates, den „weiteren Angriff auf die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs“. Fehlender Wetterschutz mache die LVB für Fahrgäste unattraktiv. Er frage sich zudem, wo die Gelder für die Millioneninvestitionen herkommen sollen und erinnerte daran, dass bis 2020 alle Haltestellen barrierefrei sein müssten. Riedel: „Aber wir schaffen das nicht, weil das angeblich nicht zu finanzieren ist.“

Linken-Stadtrat Siegfried Schlegel verteidigte dagegen das Vorgehen der Bauverwaltung. „Das Agieren der möglichen Bieter offenbart die Notwendigkeit, die auf diesem Gebiet in den 1990-er Jahren entstandene Monopolstellung für eine Firma zurückzudrängen.“

Baubürgermeisterin Dubrau bestätigte am Donnerstag, dass JCDecaux seine 502 Fahrgastunterstände ab 1. Januar 2017 abbauen müsse. Das Unternehmen wolle dies schnellstmöglich tun, hatte eine Firmensprecherin gegenüber der LVZ erklärt. Die Stadt will die Unterstände dann selbst beschaffen und aufbauen. Ob die Phase ohne Wetterschutz für die Wartenden Tage, Wochen oder gar Monate dauert, lasse sich jetzt noch nicht sagen, so die Bürgermeisterin. „Wir streben einen gleitenden Prozess an, bei dem die Montage neuer Anlagen kurzfristig erfolgt“, sagte die 61-Jährige. „Es hängt auch ein Stück weit davon ab, wie wir uns da mit Decaux einigen können.“

Erst im vergangenen Monat hatte die Stadtverwaltung im EU-Amtsblatt mitgeteilt, dass sie die Fahrgastunterstände künftig als kommunalen Besitz vorhalten will. „Das bedeutet eine Erstinvestition in Millionenhöhe, die sich jedoch im Laufe der Zeit in jedem Fall rechnet“, erläuterte Dubrau nun. Weil der Vertrag über die Werbeflächen an den Haltestellen Ende 2016 (nach 25 Jahren) ausläuft, sei die Stadt wettbewerbsrechtlich verpflichtet gewesen, die Konzessionen europaweit neu auszuschreiben. Dubrau: „Es wurde auch geschaut, ob wir oder ein anderer Betreiber die vorhandenen Anlagen übernehmen kann. Das hat Decaux abgelehnt.“

Von Klaus Staeubert und Jens Rometsch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Donnerstag kam die Tinte unter den Vertrag: Die Münchner Sana Kliniken Gruppe hat ihre Leipziger Medica-Klinik für ambulante Rehabilitation und Sportmedizin an die Berliner Median Kliniken GmbH verkauft. Das Kartellamt muss noch zustimmen.

17.03.2018

Etwa 5.000 Teilnehmer haben sich bisher für den 100. Katholikentag angemeldet, die Leipzig im Mai entdecken wollen. Viele der Gäste werden in Schulen untergebracht. Regulärer Unterricht ist daher nicht möglich – die Lehrer haben sich stattdessen andere Aktivitäten überlegt.

04.02.2016

Kleine Änderung, große Wirkung: Nach einem Bericht von LVZ.de haben die Leipziger Verkehrsbetriebe 20 ihrer häufig defekten Mobilitätsstationen im Stadtgebiet umgebaut. E-Autos sollen dort ab sofort wieder problemlos geladen werden können.

04.02.2016
Anzeige