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Haltestellen ohne Wetterschutz machen Leipziger wütend

JCDecaux baut Fahrgastunterstände ab Haltestellen ohne Wetterschutz machen Leipziger wütend

Die Aussicht, den nächsten Winter ohne Wetterschutz an Leipzigs Straßenbahnhaltestellen auf die Bimmel warten zu müssen, macht die Messestädter wütend. Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau bestätigte am Donnerstag einen LVZ-Bericht, wonach die Stadt nicht in der Lage ist, alle 502 Fahrgastunterstände nach dem Betreiberwechsel 2017 sofort zu ersetzen.

JCDecaux-Fahrgastunterstand am Wilhelm-Leuschner-Platz: Er ist einer von 502 Haltestellen-Einrichtungen, die abgebaut werden müssen, weil die Stadt sie selber errichten will.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Mit Wut und Empörung haben viele Leipziger am Donnerstag auf das drohende Haltestellen-Debakel bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) reagiert. Wie berichtet, wird der Stadtmöblierer JCDecaux ab 1. Januar 2017 seine 502 Fahrgastunterstände an Straßenbahn-Haltestellen abbauen. Die Stadt will künftig selbst für den Wetterschutz sorgen, kann die Ausrüstung aber nicht rechtzeitig bereitstellen. Fahrgäste werden im nächsten Winter vor Wind und Wetter ungeschützt auf die Straßenbahn warten müssen. Das bestätigte am Donnerstag auch Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) gegenüber der LVZ.

Von einer „peinlichen und völlig unnötigen Situation“ sprach LVZ-Leser Falk Warnecke. Er sieht keinen Grund, die „wegen ihrer dezenten Gestaltung geschätzte“ Stadtmöblierung von JCDecaux auszutauschen. Es gebe Wichtigeres in einer Stadt, in der „man wochenlang braucht, um Scherben und Silvesterdreck wegzuräumen, in der Grünanlagen verrotten und viele Straßen für alle Verkehrsteilnehmer im Grunde ein öffentliches Ärgernis darstellen“. Das Rathaus hatte erklärt, die Beschaffung eigener Unterstände sei für die Stadt letztlich kostengünstiger als durch einen Dienstleister im Rahmen der Werberechtsvergabe. Wenn die Stadtverwaltung diesmal „genauso exakt kalkuliert hat, wie bei den inzwischen gescheiterten Cross-Border-Leasing-Geschäften, na dann: Gute Nacht“, kommentierte Karl-Heinz Engelhardt. „Letztere sollten der Stadt ja auch unermessliche Gewinne bringen, haben aber bekanntlich Millionenschäden für die Stadt und damit für die Bürger verursacht.“

Lutz Brose erinnerte daran, dass mit der Eingemeindung von Ortsteilen nach Leipzig auch Haltestelleneinrichtungen durch die Stadt übernommen wurden. „Doch die Unterhaltung der Wartehäuschen kostet im Laufe der Jahre mehr als die Errichtung derselben. Geld, das die Stadt nicht hat. Entsprechend präsentieren sich die Wartehallen heute“. Sie seien wie in Böhlitz-Ehrenberg, Mölkau oder Liebertwolkwitz beschmiert, verdreckt und ungepflegt.

„Augen zu, Hut runter und hinein ins Desaster“, mit diesen Worten kommentierte Konrad Riedel, CDU-Stadtrat und Mitglied des LVB-Fahrgastbeirates, den „weiteren Angriff auf die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs“. Fehlender Wetterschutz mache die LVB für Fahrgäste unattraktiv. Er frage sich zudem, wo die Gelder für die Millioneninvestitionen herkommen sollen und erinnerte daran, dass bis 2020 alle Haltestellen barrierefrei sein müssten. Riedel: „Aber wir schaffen das nicht, weil das angeblich nicht zu finanzieren ist.“

Linken-Stadtrat Siegfried Schlegel verteidigte dagegen das Vorgehen der Bauverwaltung. „Das Agieren der möglichen Bieter offenbart die Notwendigkeit, die auf diesem Gebiet in den 1990-er Jahren entstandene Monopolstellung für eine Firma zurückzudrängen.“

Baubürgermeisterin Dubrau bestätigte am Donnerstag, dass JCDecaux seine 502 Fahrgastunterstände ab 1. Januar 2017 abbauen müsse. Das Unternehmen wolle dies schnellstmöglich tun, hatte eine Firmensprecherin gegenüber der LVZ erklärt. Die Stadt will die Unterstände dann selbst beschaffen und aufbauen. Ob die Phase ohne Wetterschutz für die Wartenden Tage, Wochen oder gar Monate dauert, lasse sich jetzt noch nicht sagen, so die Bürgermeisterin. „Wir streben einen gleitenden Prozess an, bei dem die Montage neuer Anlagen kurzfristig erfolgt“, sagte die 61-Jährige. „Es hängt auch ein Stück weit davon ab, wie wir uns da mit Decaux einigen können.“

Erst im vergangenen Monat hatte die Stadtverwaltung im EU-Amtsblatt mitgeteilt, dass sie die Fahrgastunterstände künftig als kommunalen Besitz vorhalten will. „Das bedeutet eine Erstinvestition in Millionenhöhe, die sich jedoch im Laufe der Zeit in jedem Fall rechnet“, erläuterte Dubrau nun. Weil der Vertrag über die Werbeflächen an den Haltestellen Ende 2016 (nach 25 Jahren) ausläuft, sei die Stadt wettbewerbsrechtlich verpflichtet gewesen, die Konzessionen europaweit neu auszuschreiben. Dubrau: „Es wurde auch geschaut, ob wir oder ein anderer Betreiber die vorhandenen Anlagen übernehmen kann. Das hat Decaux abgelehnt.“

Von Klaus Staeubert und Jens Rometsch

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
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