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Handarbeiter geben sich in Leipzig ein Stelldichein

Hochbetrieb beim Wollefest Handarbeiter geben sich in Leipzig ein Stelldichein

Zum neunten Mal hatte Christine Manitz die Gemeinde der Handarbeiter nach Leipzig eingeladen. Zum dritten Mal war die Glashalle der Neuen Messe Schauplatz des Stelldicheins. 99 Aussteller aus Deutschland, den Niederlanden, Schottland, Tschechien und Ungarn ließen die Herzen derer, die selbst die Nadeln kreuzen, Wolle kämmen oder das Spinnrad drehen, höher schlagen.

Stelldichein der Handarbeiter in der Glashalle der Neuen Messe.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Wollmäuse mussten hier nicht im Staubsaugerrohr verschwinden, und Spinner wurden durchaus ernst genommen. Zum neunten Mal hatte am Wochenende Christine Manitz die Gemeinde der Handarbeiter nach Leipzig eingeladen. Zum dritten Mal war dabei die Glashalle der Neuen Messe Schauplatz des Stelldicheins. 99 Aussteller aus ganz Deutschland, aber auch aus den Niederlanden, Schottland, Tschechien und Ungarn ließen die Herzen derer, die sich ihre Sachen nicht von der Stange holen, sondern lieber selbst die Nadeln kreuzen, Wolle kämmen oder das Spinnrad drehen, höher schlagen. Was mit 20 Ausstellern im romantischen Hinterhof der Dresdner Straße 82 begann, hat sich zum Event entwickelt, das die Szene selbst aus der Schweiz, Russland und Israel anlockt. „Die Renner sind gerade Tücher und Seide“, sagte Manitz. Die 60-Jährige, die in ihrer Altersteilzeit das Kreativ- & Strick-Café in der Karl-Liebknecht-Straße 31 betreibt, ist geistige Mutter von Wollefest und Stoffmesse.

Riesige kunterbunte Filzwolleberge hatte Frieder Glatzer mitgebracht. Der Filzkünstler aus Göttingen, der zum zweiten Mal nach Leipzig gekommen ist, war ständig dicht umringt und kam kaum nach, weiche Wollestränge in Esel, Löwenzahn, Tintenblau, Vampirrot oder Lisebethlila abzuwiegen. Die putzigen Farbnamen seien ein Mittel, um Kinder Lust auf Handarbeit zu machen, erklärte der 50-Jährige und lobte das schöne Messeambiente: „Ich habe wirklich das Gefühl, ich stehe im Freien.“ Außerdem sei es der Veranstalterin wieder gut gelungen, das richtige Publikum zu vereinen, das sich an beiden Tagen unter der Glaskuppel drängte.

Dazu gehörten beispielsweise Angela Brunner (40) und Nadine Zanner (38), die 160 Gramm in Esel in ihrem Beutel verschwinden ließen. Die Freundinnen aus Nürnberg hatten im Internet von dem Fest erfahren und sich auf den Weg gemacht. „Erfolgreich. Wir haben jede Menge gekauft“, sagten die Frauen und präsentieren Handspindeln, Spinnfasern mit Seide, und Strickgarn.

Dass sie spinnt, daraus machte Ingrid Hanschke keinen Hehl. „Sogar mit Vorliebe, allerdings mit Faden“, betonte die 62-Jährige aus der Nähe von Ilmenau, die auch beim Tag des Brauchtums in Thüringen im Spinnwettbewerb antrete. „Aus 20 Gramm Kammzug hab ich immerhin 120 Meter gesponnen.“ Nach Leipzig komme die Sekretärin einer Agrargenossenschaft regelmäßig. „Während ich mich hier umschaue, guckt mein Mann, was es in der Stadt Neues gibt.“ Handarbeit sei ihr Hobby, nicht nur Spinnen, auch Klöppeln, Nähen und Patchwork. „Dafür ist es traumhaft hier, ich freue mich bereits aufs nächste Jahr.“

Dann möchte auch Randi Hörner aus Bad Freienwalde wieder mit von der Partie sein. Die Handspinnerin hatte zum zweiten Mal einen Stand auf dem Wollefest gestaltet. „Das ist hier eine wunderbare Gelegenheit, um mich zu präsentieren, aber auch um alte Bekannte wiederzusehen sowie neue Kunden zu finden“, sagte die 50-Jährige. Sie bot unter anderem Art Yarn an, wie Zuckerwatte anmutende hauchzarte Knäuel in zartem Farbspiel, die sich zum Stricken, Sticken oder Verfilzen eignen. Wer damit noch nichts anzufangen weiß, konnte bei ihr auch einen Workshop besuchen.

Dafür reichte die Zeit von Olga Antrope allerdings nicht. Die 47-Jährige war eigens für zwei Tage aus Moskau angereist und hatte sich fein gemacht, um bei Wollefest und Stoffmesse neue Kontakte zu knüpfen. In der russischen Hauptstadt betreibt sie ein Handarbeitsgeschäft und konnte dafür allerlei Inspirationen und neue Kontakte mitnehmen. Aber auch das eine und andere bereits fertige Exponat landete in ihren Tüten. Beim Bezahlen aus ihrer reizenden Harlekintasche warb sie sogleich für eine befreundete russische Künstlerin, die exklusive Puppen und Skulpturen aus Wolle herstellt.

Von Cornelia Lachmann

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