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Handwerk begrüßt Nachwuchs mit Festveranstaltungen in Leipzig

Gesellinnen und Gesellen Handwerk begrüßt Nachwuchs mit Festveranstaltungen in Leipzig

Mit einer Festveranstaltung hat das Handwerk der Region Leipzig am Samstag die 397 Gesellinnen und Gesellen begrüßt, die in diesem Sommer ihre Ausbildung in einem von 51 Handwerksberufen abgeschlossen haben.

Leipzig. Mit einer Festveranstaltung hat das Handwerk der Region Leipzig am Samstag die 397 Gesellinnen und Gesellen begrüßt, die in diesem Sommer ihre Ausbildung in einem von 51 Handwerksberufen abgeschlossen haben. Zahlenmäßig am stärksten vertreten sind die Gesellinnen und Gesellen in den Berufen Friseur, Maler und Lackierer, Tischler sowie Gebäudereiniger. 154 junge Handwerker wurden in Leipziger Betrieben ausgebildet, 79 in Unternehmen aus dem Landkreis Leipzig und 70 im Landkreis Nordsachsen.

Einige der besten oder besonders interessanten von ihnen hat lvz.de vor der Freisprechung an ihrem Arbeitsplatz besucht.

Nike Oberländer (27)

Nike Oberländer (27)

Quelle: André Kempner

Die Spritzige: Eine Spritzpistole, ein Schutzanzug – und eine Überraschung: Unter dem Overall steckt eine zierliche, junge Frau, Nike Oberländer (27) und die räumt gleich mal mit einem Klischee auf. „Fahrzeuglackiererin ist Männersache? Von wegen! Immer mehr Mädels haben daran Interesse und bewerben sich um eine Ausbildung als Fahrzeuglackiererin.“ Schließlich sei in diesem Beruf feinmotorisches Geschick gefragt. „Ganz genau den gewünschten Farbton mischen, anpassen und auftragen – das ist Millimeterarbeit. Manche Kunden wünschen sich auch individuelles Design – da muss ich kreativ sein.

Auf meinem Hyundai ist ein Wolf, mein Lieblingstier. Interessiert habe ich mich schon früh für Fahrzeuge, hatte mehr Matchbox-Autos als Barbies. Nur mit meinem Traumberuf hat es nicht gleich geklappt, so bin ich erst Tierwirtin geworden und auch viel in Deutschland rumgekommen. Aber manche Chefs wollen keine Frau in diesem landwirtschaftlichen Beruf. Also habe ich mich im Autohof Kosmalla beworben. Jetzt habe ich die dreijährige Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und meinen Arbeitsvertrag unterschrieben. Wünscht sich vielleicht jemand sein Lieblingstier aufs Auto?“

Lukas Ubrich

Lukas Ubrich

Quelle: André Kempner

Der Jüngste: Früh übt sich, wer ein Tischler werden will. Das beweist Lukas Ubrich: „Ich habe meiner Mutter oft im Haushalt geholfen und vieles repariert. Das hat mir Spaß gemacht. Also bewarb ich mich für ein Praktikum bei der Tischlerei Thomas Diedrich in der Knautnaundorfer Straße. ,Handwerkliches Geschick vorhanden‘, hat mein Meister festgestellt. Da habe ich mich natürlich gefreut, dass es nach der 10. Klasse mit einem Ausbildungsplatz geklappt hat. Das nachhaltige Arbeiten mit Holz gefällt mir immer mehr.

Am schönsten ist es, wenn nach langem Messen, Schneiden, Hobeln, Fräsen und Montieren ein fertiges Stück vor einem steht. Bei vielen Techniken ist Handarbeit gefragt. Auf Baustellen sind ja nicht immer alle Maschinen vorhanden. Da zählt der Schnitt vor Ort. Ich habe schon auf Messen, in Büros, Läden oder Privathäusern gearbeitet. Jede Aufgabe war spannend. Für mein Gesellenstück, ein Sideboard aus Eiche und Ahorn, gab’s gute Noten. Da war die Freude natürlich groß – immerhin bin ich mit 18 der jüngste aller Gesellen, die in Leipziger Betrieben ausgebildet wurden. Jetzt wurde sie noch getoppt: Seit August bin ich nämlich fest angestellt.“

Margarete Wegener

Quelle: André Kempner

Die Flexible: Flexo, was? – rätseln manche, wenn Margarete Wegener ihren Beruf nennt: Mediengestalter für Flexografie. Dabei geht die 21-Jährige einem alten Handwerk nach. Stempel gibt es schließlich schon seit dem Altertum. Damals war die in Holz oder Metall geschnittene Stempelfläche starr – heute bezieht sich der Berufsname auf die flexible Druckplatte, mit der die moderne Technik in die Herstellung Einzug hielt. Bevor ein Laser Margaretes Entwurf aus der Gummiplatte herausgraviert, gestaltet sie diesen am Computer.

Gezeichnet hat die Gohliserin schon als Kind gern. Welche Ausbildung passt zu mir? – lautete die Frage, als der Abschluss an der Fachoberschule für Gestaltung nahte. Ihren Traumberuf entdeckte sie während der Tage des Handwerks auf dem Augustusplatz. Dort stellte sich der Mediendienstleister Otto Stempel und Druck vor. Nach dem Praktikum in der Plagwitzer Firma war es beschlossene Sache: „Ich werde Mediengestalterin für Flexografie.“ Nicht nur den guten alten Holzstempel stellt Margarete her, sondern auch Vorlagen für Schilder, Printprodukte und Beschriftungen. Nach der Lehrzeit stand fest: Bestes Prüfungsergebnis in ganz Deutschland!

Pascal Rubertus

Pascal Rubertus

Quelle: André Kempner

Der Anspruchsvolle: Geschickt, kreativ, mutig sollte ein guter Bäcker sein. Gerne auch mal was Neues ausprobieren: Neue Brötchen, neues Gebäck –  bäckt sich sogar seine Zukunft selbst. Der Junghandwerker Pascal Rubertus ist Quereinsteiger. „Eigentlich bin ich ja Grafiker. Aber ich habe schon immer gern gebacken. Warum also nicht Bäcker werden? Nur weil ich nicht mehr 20 bin?“ Pascal hatte den Mut zum Neuanfang und fragte im Leipziger „Macis“, dem Restaurant, Café und Biomarkt, nach. „Können Sie sich vorstellen, mich als Lehrling zu nehmen? Obwohl ich bald 40 bin? ,40 – na und!‘, meinten die Chefs, Olaf Herzig und Andrej Zebrowski.“

Was zähle, sei die Motivation. Pascal wiederum gefällt „der hohe Anspruch in der hauseigenen Backstube. Wir verwenden keine Backmittel, sondern nur Mehl, Wasser, Salz, Hefe und zum Teil Sauerteig. Durch die lange Teigführung geben wir dem Geschmack Zeit, sich zu entwickeln.“ Die natürlichen Zutaten – die handgemachten Brote und Brötchen: Dem 42-Jährigen gefällt seine neue Arbeit. „Summa summarum der richtige Beruf für mich.“ Das findet auch die Handwerkskammer: Am Samstag wurde Pascal Rubertus als bester Bäcker seines Jahrgangs geehrt.

Karoline Siegl

Quelle: André Kempner

Die Schnittige: Kurz, kürzer, Karoline Siegl – die 20-jährige Gohliserin ist ein Hingucker im Salon der Seemann & Köhler Friseure: „Ich wollte schon immer mal so kurze Haare haben. Gedacht, getan. Manche Friseure trauen sich so einen radikalen Schnitt nicht, aber ich bin da nicht zimperlich. Und überhaupt – bei einer guten Kurzhaarfrisur fängt die Kunst an, die Konturen müssen sauber sein. Ich finde, kurze Haare unterstreichen die Weiblichkeit sogar noch. Das Gesicht kommt besser zur Geltung, nichts wird versteckt. Man sieht mehr von der Frau. Auch ältere Frauen sollten sich viel mehr trauen.

Aber jede Frisur ist eine individuelle Entscheidung, man sollte nichts machen, wohinter man nicht steht. Als Mädel habe ich nicht so gern geflochten, aber immer viel mit Farben experimentiert, blondiert war ich auch schon. Mein Vater ist Handwerker und ich wollte nach der Fachoberschule ebenfalls eine handwerkliche Ausbildung machen; kombiniert mit etwas Kreativem. Friseurin – das ist die richtige Mischung. Die Ausbildung bei Katrin Seemann und Karolin Köhler war toll, ich habe in kurzer Zeit viel gelernt, konnte meine Lehrzeit um ein Jahr verkürzen und bin auch noch Jahrgangsbeste geworden.“

Heinz-Erhard René Fiebrich

Quelle: André Kempner

Der Perfektionist: Was soll ich bloß werden? Diese Frage hat sich Heinz-Erhard René Fiebrich nie gestellt. „Mein Opa war Fleischer, mein Vater Fleischermeister.“ Der Miltitzer fühlte sich jedoch nicht nur der Tradition verpflichtet: „Ich hatte auch Interesse an dem alten Handwerk und suchte einen guten Ausbildungsbetrieb.“ Schwein gehabt – denn mit der Fleischerei Materne hatte er ihn gefunden. „Hier habe ich alles gelehrt bekommen und war von Beginn an in das Betriebsgeschehen eingebunden. Olaf Materne ist ein erfahrener Fleischermeister.

Durch seine fundierte Ausbildung konnte ich meine Lehre mit besonders guten Prüfungsleistungen abschließen. In dem Fachbetrieb an der Probstheidaer Straße produzieren wir täglich frische hausgemachte Fleisch- und Wurstwaren. Reife bis zur Perfektion – das Motto gefällt mir. Fleisch sollte langsam wachsen und nicht so schnell hochgezüchtet sein. Da verliert es an Qualität. Ich stelle auch gerne Wurst her – da kommt es auf das richtige Verhältnis der Gewürze an. Jetzt werde ich erstmal weiter praktische Erfahrungen sammeln und dann vielleicht meinen Meister machen oder in Frankfurt am Main Lebensmitteltechnik studieren.

Martin Pelzl
Für besonders gute Prüfungsleistungen werden geehrt:
Änderungsschneiderin Renée Zipfel
ausgebildet im Berufsbildungswerk Leipzig für Hör- und Sprachgeschädigte gGmbH | Leipzig
Bäcker Pascal Rubertus
ausgebildet in der Olaf Herzig und Andrej Zebrowski GbR | Leipzig
Fahrzeuglackierer Oliver Pabst
ausgebildet in der Daffner Car Group GmbH | Leipzig
Fleischer Heinz-Erhard René Fiebrich
ausgebildet von Michael Materne | Leipzig
Friseurin (Coloration) Karoline Siegl
ausgebildet in der Katrin Seemann und Karolin Köhler-Scholz GbR | Leipzig
Gebäudereiniger Maik Bilinski
ausgebildet in der HECTAS Facility Services Stiftung & Co. KG | Leipzig
Mediengestalterin Flexografie
Margarete Wegener | ausgebildet von Sabine Otto | Leipzig
Stuckateur Moritz Meyer
ausgebildet in der Stuckateurfirma Norbert Jung GmbH | Leipzig
Tischler Matthias Bodensteiner
ausgebildet in der INUMA GmbH Tischlerei und Innenausbau | Leipzig
Elektroniker (Energie- und Gebäudetechnik) Robin Frommhold
ausgebildet von Jutta Teuber | Borna
Maurer Jonas Kühnberger
ausgebildet von Jens Bernecker | Geithain
Bürokaufmann Kevin Weiske
ausgebildet in der Auto-Center GmbH & Co. KG I Taucha
Dachdecker (Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik)
Franz-Maximilian Huth
ausgebildet von Jörg Huth | Zschepplin
Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk (Bäckerei) Francine Biener
ausgebildet von Heiko Schröder | Beilrode
Maler und Lackierer (Gestaltung und Instandhaltung) Martin Schmidt
ausgebildet in der Malermeister Markus Nauman GmbH | Torgau

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