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Lokales Hanns Eislers Geburtshaus in Leipzig ist gerettet
Leipzig Lokales Hanns Eislers Geburtshaus in Leipzig ist gerettet
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00:19 09.07.2017
Zum gestrigen 119. Geburtstag Eislers konnte die Wohnung, in der er zur Welt kam, erstmals besichtigt werden. Sie wird nun auch eine Notenrad-Station. Quelle: Fotos: André Kempner
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Leipzig

Unweit vom Leipziger Hauptbahnhof nahm gestern eine schier unglaubliche Geschichte doch noch einen guten Ausgang. Im Jahr 2002 wäre das Geburtshaus von Hanns Eisler in der Hofmeisterstraße 14 beinahe abgerissen worden. Die kommunale Wohnungsgesellschaft LWB sah damals kaum noch Chancen, die Ruine zu sanieren. Dabei hatte das Gewandhaus erst vier Jahre zuvor den 100. Geburtstag des Meister-Komponisten groß gewürdigt. Eisler, so erklärte auch Musiker Steffen Schleiermacher gestern bei der Enthüllung einer Gedenktafel vor Ort, sei „der bedeutendste Liedkomponist des 20. Jahrhunderts“ gewesen. Seine Geburtsstadt habe ihn dennoch „oft stiefmütterlich behandelt. Das hat nun ein Ende.“

Vom früheren Kulturbürgermeister Georg Girardet über die SPD-Stadtratsfraktion bis zu Bettina Weil von der Internationalen Hanns-Eisler-Gesellschaft mit Sitz in Berlin: Viele Leute kämpften gegen den Abriss. Den hatte das Baudezernat geplant, um an jener Stelle allen Ernstes ein „Hirschgehege“ anzulegen.

2006 versteigerte die LWB das Grundstück. Für 26 000 Euro ging der Zuschlag an einen ausländischen Bieter, der dann mit Aufschlag weiterverkaufte. Immer wieder wechselten die Eigentümer – bis es 2014 die Firma Treuhand Schwaben aus Stuttgart erwarb. Mit Hilfe des Leipziger Architekten Ulrich Kalkof ließ sie das denkmalgeschützte Haus – samt dem Nachbargebäude an der Ecke zur Dohnanyistraße – nun mustergültig sanieren. 28 Eigentumswohnungen entstanden dabei.

Nur eine kleine Wohnung, gleich links im Erdgeschoss gelegen, wurde nicht auf dem freien Markt verkauft, so Firmenchef Ralph Reitenauer. Dort erblickte am 6. Juli 1898 das Kind von Philosophieprofessor Rudolf Eisler und Ida Fischer (einer Protestantin, die der Vater gegen den Willen seiner tschechisch-jüdischen Familie geheiratet hatte) das Licht der Welt.

Quellen, laut denen die Familie erst drei Jahre später nach Wien umzog, sind inzwischen überholt. Laut Bettina Weil war die Familie schon vor der Geburt des kleinen Johannes in Wien gemeldet. Der musische Sohn studierte dort bei Arnold Schönberg, blieb bis zu seinem Tod am 6. September 1962 österreichischer Staatsbürger. „Offenbar war die Mutter vor der Geburt zeitweilig nach Leipzig zurückgekehrt“, erläuterte die Expertin. „In dem Haus in der damaligen Gartenstraße 14 wohnten ihre Eltern, also die Großeltern des Komponisten.“ Dessen Geburt an diesem Ort sei aber zweifelsfrei belegt.

Leipzig sei seine „Mutterstadt“ gewesen, hatte der Komponist von etlichen Liedern, Sinfonien, Hollywood-Filmmusiken und der DDR-Nationalhymne einmal gesagt. Obwohl er sich als Kommunist sah und eng mit Dichter-Ikone Bertolt Brecht zusammenwirkte, fiel er zeitweilig bei der DDR-Führung in Ungnade. Die kleine Zwei-Raum-Wohnung hat die Leipzig-Stiftung erworben, so Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke). „Gemeinsam mit den verschiedenen Eisler-Initiativen wollen wir sie Musikstipendiaten für Aufenthalte von jeweils mehreren Monate zur Verfügung stellen.“ Die Überlegungen dazu stünden aber noch am Anfang.

Von Jens Rometsch

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