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Lokales Happy Chanukka! Jüdische Gemeinde Leipzig veranstaltet Fest für Kinder
Leipzig Lokales Happy Chanukka! Jüdische Gemeinde Leipzig veranstaltet Fest für Kinder
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16:16 18.12.2016
Rabbiner Zsolt Balla bereitet sich darauf vor, die erste Kerze der Channukia zu entzünden – auch wenn er damit noch bis zum 25. Dezember warten muss. Quelle: André Kempner
Leipzig

Das ganze Land steckt in den Vorbereitungen auf Weihnachten – doch auch in den nicht-christlichen Gemeinden Deutschlands bereitet man sich derzeit auf nahende Feste vor. Das jüdische Chanukka-Fest fällt traditionellerweise in die gleiche Jahreszeit. In diesem Jahr, das nach jüdischem Kalender die Nummer 5777 trägt, liegen beides so nah beieinander wie selten: Der 25. Dezember markiert den Tag, an dem das achttägige Fest beginnt und die erste Kerze der Chanukkia entzündet wird.

Am Sonntag lud die jüdische Gemeinde Leipzig ihre Mitglieder bereits zu einem Kinder-Chanukka-Fest ins Ariowitsch-Haus in der Hinrichsenstraße 14 ein. Küf Kaufmann, Vorsitzender der israelitischen Gemeinde der Messestadt, empfing neben vielen Kindern und deren Eltern auch den Rabbiner Zsolt Balla, der dem Nachwuchs von den Traditionen und der Entstehungsgeschichte des Festes erzählte. Der aus Budapest stammende Geistliche ist seit vielen Jahren für die Gemeinde in Leipzig tätig und betont die Bescheidenheit, die mit der Vorbereitungen des Festes einhergeht: „Es gibt wenige Bedingungen für Chanukka – das wichtigste sind die Kerzen.“

Das Entzünden von Lichtern ist damit die große Parallele zwischen Chanukka und Weihnachten: Ein symbolischer Akt, der in beiden Fällen mit einem Wunder in Verbindung steht (Lesen Sie hierzu auch die Info-Box). Eine weitere Gemeinsamkeit: Bei beiden Festen stehen die Kinder im Vordergrund, die mit zahlreichen Geschenken und Köstlichkeiten bedacht werden. Marina Limberska, die im Ariowitsch-Haus Projekte und Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche organisiert, hatte deshalb im Vorfeld eine Menge zu tun. Tanzworkshops, Koch- und Back- sowie Bastelkurse stehen auf dem Plan, ebenso wird ein thematisch passendes Theaterstück von den Kleinen eingeübt und vorgeführt. Dabei treffen verschiedenste Nationalitäten aufeinander: Kinder aus deutschen, russischen und israelischen Familien feiern zusammen mit Polen, Lateinamerikanern und Kaukasiern. Hier werde Integration gelebt, unterstreicht Limberska: „Die Kinder finden bei ihren gemeinsamen Projekten ganz schnell zusammen und verstehen sich super.“

Die meisten Familien der Gemeinde lebten säkular, trotzdem sei das Traditionsbewusstsein unter den Mitgliedern groß, bekräftigt Rabbiner Balla. Feste wie Chanukka seien deshalb ideale Anlässe, den Zusammenhalt zu stärken. „Mit 1300 Mitgliedern ist unsere Gemeinde für eine Großstadt wie Leipzig zwar relativ klein, in Ostdeutschland gehören wir aber zu den größten. Seit der Wende ist unsere Zahl stetig gewachsen – wir alle fühlen uns hier absolut zu Hause“, erzählt der 37-Jährige.

Der Kontakt zu nicht-jüdischen Leipzigern sei dabei ebenso wichtig. Deshalb bietet des Ariowitsch-Haus allen Interessierten auch dieses Jahr einen Einblick in die jüdische Tradition des Chanukka-Festes an. Am Mittwoch, 21. Dezember, informiert Rabbiner Zsolt Balla ab 19 Uhr über Herkunft, Entstehung und Bräuche von Chanukka, begleitet von einem kulinarischen Kulturprogramm. Der Preis beträgt zwölf Euro, eine Anmeldung (zwingend erforderlich) ist über die Telefonnummer 0341 123 6000 möglich.

Was wird an Chanukka gefeiert?

Das jüdische Chanukka-Fest geht auf das Jahr 164 vor Christus zurück. Es erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem nach dem erfolgreichen Aufstand der Juden Judäas gegen hellenisierte Juden und makedonische Seleukiden. Die Menora des Tempels – der siebenarmige Leuchter und eines der wichtigsten Symbole des Judentums – sollte niemals erlischen, das geweihte Öl der letzten Kerze reichte aber nur noch für einen Tag. Die Herstellung neuen Öls aus Oliven benötigte jedoch acht Tage Arbeit. Doch ein Wunder geschah: Die Kerze brannte acht Tage lang, bis neues Öl bereitstand.

Die Chanukkia, ein neunarmiger Leuchter (nicht zu verwechseln mit der Menora), steht symbolisch für dieses Wunder. Mit Beginn des Chanukka-Festes wird jeden Abend, unmittelbar nach Einbruch der Dunkelheit, eine weitere der acht Kerzen mithilfe der neunten, so genannten Dienerkerze entzündet, sodass am letzten Tag schließlich alle brennen. An den Chanukka-Abenden versammelt sich die Familien zu ausgelassenen Festen, auch Gemeindefeiern sind üblich. Geschenke und Süßigkeiten werden an die Kinder verteilt. Serviert werden in Öl gebackene Speisen wie Krapfen oder Latkes, eine Art Kartoffelpuffer. Lieder und Spiele stehen ebenso auf dem Plan.

Von Christian Neffe

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