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Lokales Harte Schnitte: Leipziger Uni-Klinikum streicht Sonderzahlung
Leipzig Lokales Harte Schnitte: Leipziger Uni-Klinikum streicht Sonderzahlung
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23:59 19.11.2014
Einschnitt: Weil das Uni-Klinikum 2013 kräftig ins Minus rutschte, gab es 2014 keine Sonderzahlung für die Mitarbeiter. Quelle: dpa

Auf LVZ-Anfrage bestätige der kaufmännische UKL-Vorstand Ekkehard Zimmer, dass es die sogenannte variable Sonderzahlung im Sommer nicht gegeben habe.

Seit 2010 gibt es diese Prämie, die ans jeweilige Jahresergebnis geknüpft ist und etwa 20 Prozent eines Monatsgehaltes beträgt. "Wenn es dem Klinikum gut geht, soll sich das auch für die Mitarbeiter auszahlen", erklärte Zimmer. Wie berichtet, verbuchte das UKL 2013 aber ein Minus von 7,3 Millionen Euro. "Die Regelung sieht in solchen Fällen vor, dass diese Form der Sonderzahlung nicht gewährt werden kann." Eine andere Sondervergütung - früher als Weihnachtsgeld bezeichnet - werde aber ohne Einschränkungen überwiesen. Sie beträgt rund 55 Prozent eines durchschnittlichen Monatsgehaltes. Ob die derzeit 89 außertariflich (AT) Beschäftigten im Zuge der Konsolidierung auch einen Sparbeitrag leisten müssen, ließ Zimmer offen. Das sei ein anders angelegtes Vergütungssystem."

Zum Bericht des Landesrechnungshofes, der das AT-System kritisiert hatte, meinte Zimmer, das UKL müsse beispielsweise bei der Besetzung von Professuren und Chefarztstellen attraktive Konditionen bieten können. "Wir stehen da im Wettbewerb." Das habe sich erst jüngst beim Berufungsverfahren für den seit zwei Jahren nicht regulär besetzten Chefposten der Kinderchirurgie gezeigt. Mit Professor Udo Rolle, der früher am UKL tätig war und 2008 als Klinikdirektor ans Universitätsklinikum nach Frankfurt am Main wechselte, seien intensive Verhandlungen geführt worden, letztlich habe er sich aber doch entschieden, in Frankfurt zu bleiben. "Derzeit läuft eine zweite Findungsphase", so Zimmer.

Aufgrund des Generationswechsels müssten in den kommenden fünf Jahren rund 20 Professuren gemeinsam mit der medizinischen Fakultät neu besetzt werden. Zimmer: "Unsere Universitätsmedizin hat einen sehr guten Ruf, Leipzig ist als Stadt attraktiv, aber wir müssen auch finanziell konkurrenzfähige Angebote machen können, um bestes Personal zu bekommen". Geglückt sei das jüngst mit den Berufungen der Professorinnen Ines Gockel auf den Lehrstuhl für Viszeralchirurgie und Iris Chaberny für die UKL-Stiftungsprofessur für Krankenhaushygiene.

Zimmer wirkt seit 2010 als kaufmännischer Vorstand am UKL, nachdem der Vertrag von Matthias Wokittel, der den Posten seit 2005 inne hatte, nicht verlängert worden war. Medizinischer Vorstand und Vorstandssprecher ist seit 2005 Professor Wolfgang Fleig.

Im Dossier des Rechnungshofes waren das UKL und das Dresdner Uni-Klinikum mit dem Vorwurf konfrontiert worden, dass auf privatrechtlicher Basis angestellte Mediziner, deren Beamtenverhältnis ruhe, überdurchschnittlich hoch vergütet würden und die Vorstandsgehälter über den Bezügen eines Ministers in Sachsen lägen. Relativierend merkten die Prüfer aber an, dass sich die AT-Vergütungen, einschließlich der der Vorstände, deutschlandweit im mittleren bis unteren Bereich befänden. Als die LVZ das Thema aufgegriffen hatte, gab es ein starkes Echo. Unter anderem hieß es aus UKL-Kreisen, die Zahl der Fachärzte sinke stetig und Assistenzärzte müssten das kompensieren.

Zimmer wies das zurück. Zum einen sei die Zahl der an der Uni-Medizin tätigen Ärzte von 676 im Jahr 2010 auf gegenwärtig 883 gestiegen, zum anderen sei innerhalb dessen die Zahl der Fachärzte von 373 auf 475 angewachsen. Die Facharztquote liege bei 54 Prozent und damit so hoch wie an anderen Unikliniken. Trotz des negativen Jahresergebnisses 2013 habe es keinen Personalabbau gegeben. "Der Vorstand hat nicht vor, hochqualifiziertes Personal zu entlassen, stattdessen arbeiten wir mit Hochdruck an Leistungssteigerungen und der Senkung der Sachkosten bei gleichbleibender Qualität für die Patienten."

Das Thema AT-Vergütungen sorgt nicht erst seit dem jüngsten Rechnungshofbericht für Kontroversen. 2007 hatte eine Tarifreform zu einer arbeitsgerichtlichen Klagewelle geführt. Dabei setzten mehrere seit langem in der Leipziger Hochschulmedizin tätige Oberärzte, die bis dahin nach dem Bundesangestelltentarif-Ost bezahlt wurden, durch, dass sie bei dem neuen System in die Entgeltgruppe Ä3 kamen. Vorher sollten sie - im Gegensatz zu AT-Oberärzten - mit der niedrigen Ä2 abgespeist werden. In einem Protestschreiben hieß es damals, die betriebene Einteilung in Oberärzte erster und zweiter Klasse störe nachhaltig den Betriebsfrieden.

Es ging denen, die klagten, nicht nur ums Finanzielle. Im Brief einer der Oberärztinnen an den damaligen Ministerpräsidenten Georg Milbradt (CDU) stand, sie empfinde diese Herabwürdigung nach ihren vielen Berufsjahren im Dienst kranker Menschen persönlich "als demütigend". Intern war von juristischen Winkelzügen des UKL-Vorstandes die Rede. Aus dessen Sicht hieß es damals, die Eingruppierungsstreitigkeiten seien ausschließlich dem Fakt geschuldet gewesen, dass die Tarifpartner zwischen Oberärzten gemäß Tarifvertrag und Titularoberärzten unterschieden hätten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.11.2014

Mario Beck

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