Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Hat der Regen die Freibadesaison verhagelt?

LVZ-Sommerinterview Hat der Regen die Freibadesaison verhagelt?

Leipzig benötigt zwei neue Schwimmhallen. Die zu entwickeln und zu bauen, darauf konzentrieren sich die Leipziger Sportbäder. Das betont Joachim Helwing, der Geschäftsführer, der mit dem Verlauf der bisherigen Freibadesaison nicht unzufrieden ist.

Joachim Helwing, der Geschäftsführer der Leipziger Sportbäder, im Sportbad an der Elster.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Leipzig benötigt zwei neue Schwimmhallen. Die zu entwickeln und zu bauen, darauf konzentrieren sich die Leipziger Sportbäder. Das betont Joachim Helwing (58), der technische Geschäftsführer, der trotz Regens mit dem Verlauf der bisherigen Freibadesaison nicht unzufrieden ist.

Das Wetter war in den letzten Wochen durchwachsen. Verhagelt Ihnen der Regen das Geschäft in den Freibädern?

Mit dem Verlauf der Saison sind wir gar nicht unzufrieden. Wir hatten einen guten Start im Mai und Juni. Bis jetzt konnten wir etwa 85 000 Badegäste begrüßen, im Vergleichszeitraum 2016 waren es knapp 83 000. Entscheidend, ob es eine gute Saison wird, ist der August. Da bin ich durchaus optimistisch.

Viele Leute baden lieber in einem der vielen Seen rund um Leipzig. Wie begegnen Sie dieser Konkurrenz?

Zunächst mussten wir echte Einbußen beklagen, heute existieren wir gut nebeneinander, weil die Besucher eben auch die Vorzüge der Freibäder schätzen. Wir legen schon seit einigen Jahren unseren Fokus auf Familien, haben unsere Freibäder teilweise verkleinert und vor allem modernisiert. Familien mit Kindern legen Wert auf Spielangebote, Schattenplätze, gute Sanitäranlagen und vor allem auf Sicherheit. In Dresden sind ja gerade wieder zwei tödliche Badeunfälle mit Kindern zu beklagen. Absolute Sicherheit gibt es zwar nicht, aber das Thema spielt für unsere Gäste eine große Rolle.

Also könnte die wachsende Stadt Leipzig noch ein bewachtes Freibad mehr verkraften?

Das könnten wir diskutieren. Allerdings hat Leipzig ein Defizit im Hallenbereich und dort liegt definitiv unser Schwerpunkt bei den Investitionen.

Apropos Schwimmhallen. Im Sommer haben ja viele geschlossen. Warum werden sie bei schlechtem Wetter nicht einfach kurzfristig an den Wochenenden geöffnet?

Ein, wenn nicht sogar zwei Hallen haben wir im Sommer immer geöffnet. Derzeit sind das die Grünauer Welle und die Schwimmhalle Nord. Ansonsten brauchen wir die Pause für dringende Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten. Diese können wir nur in den Sommerferien erledigen, weil wir ansonsten ja den Schwimmunterricht für Schulen absichern müssen. Geschlossen ist die Schwimmhalle Mitte in der Kirschbergstraße, die bis Herbst 2018 modernisiert und um ein Flachwasserbecken erweitert wird. Im Sportbad an der Elster ist derzeit wenig Wasser, weil wir dort unter anderem die Filteranlagen repariert haben. Seit der Eröffnung 2008 hatten wir im Sportbad mehr als 2,5 Millionen Badegäste. Nach neun Jahren sind da etliche Reparaturen notwendig.

Der Bau einer Schwimmhalle auf dem Otto-Runki-Platz ist beschlossen. Sie soll in einen Mehrgeschosser integriert werden. Wie realistisch ist das?

Der Stadtrat hat den Standort festgelegt und den Auftrag an die Stadtverwaltung erteilt, zu prüfen, ob die Schwimmhalle in einem Multifunktionsgebäude integriert werden kann. Das Ergebnis müssen wir nun abwarten. Wir als Sportbäder konzentrieren uns darauf, den Bau einer Schwimmhalle vorzubereiten. Aktuell schauen wir beispielsweise, welche Fördermittel es auch außerhalb der Sportförderung für diesen Standort im Leipziger Osten gibt.

Was ist, wenn dieses Konstrukt platzt? Sie keine Fördermittel bekommen?

Das haben wir diskutiert. Ich gehe davon aus, dass wir Zuschüsse bekommen. Das ungünstige Szenario wollen wir uns gar nicht erst vorstellen.

Geplante Eröffnung soll erst im März 2022 sein. Warum dauert das so lange?

Klar ist, dass wir die Halle möglichst schnell eröffnen wollen – und wir wären gern auch schon weiter. Leider haben die Diskussionen um Standort und Ausgestaltung einige Zeit gekostet. Die nun veranschlagte Zeit ist aber nicht ungewöhnlich, zumal viele Anforderungen zu prüfen sind. Ein klassischer Architekturwettbewerb mit Jury dauert schon allein mindestens acht Monate zusätzlich. Nicht beeinflussen können wir zudem die Bearbeitung des Fördermittelantrags, die nach meinen Erfahrungen ebenfalls mindestens zehn Monate in Anspruch nehmen wird. Die reine Bauzeit ist dann gar nicht mehr so lang.

Hängt der Bautermin auch mit der finanziellen Situation der Sportbäder zusammen? Sie müssen ja noch Kredite fürs Sportbad an der Elster bedienen?

Für den Neubau muss die Finanzierung durch die Stadt ohnehin angepasst werden. Mit der jetzigen Fehlbetragsfinanzierung könnten wir das Projekt nicht stemmen. Doch ich bin optimistisch, dass wir das lösen.

Eine weitere Halle ist im Leipziger Süden geplant. Dafür werden gerade Grundstücke geprüft. Sind Sie schon fündig geworden?

Nein. Die Grundstückssuche erfolgt durch die Stadtverwaltung. Wir als Sportbäder haben keine eigenen Grundstücke im Leipziger Süden. Einige Standorte haben wir diskutiert, aber noch keine geeignete Fläche gefunden, da wir ein Areal von etwa 5000 Quadratmetern Fläche benötigen.

Leipzig wächst sehr schnell – das ist an fehlenden Kitas und Schulen zu spüren. Der Lehrplan sieht Schwimmunterricht vor. Sind Sie in der Lage, den künftig abzudecken?

Davon gehe ich aus – zumal wir ja durch die Erweiterung der Schwimmhalle Mitte ab Herbst 2018 mehr Wasserfläche zur Verfügung haben werden. Zur Ehrlichkeit gehört allerdings, dass der künftige Bedarf auch zu Lasten anderer Nutzer gehen kann, die Schwimmhallen ebenfalls in den Vormittagsstunden belegen wollen. Für den einen oder anderen Nutzer sind Einschränkungen nicht zu vermeiden bis der Neubau im Leipziger Osten zur Verfügung steht.

Wie wollen Sie es schaffen, künftig Interessen von Vereinen, Schulen und öffentlichem Baden unter einen Hut zu bringen?

Es wird zusehends schwieriger, alle Interessen zu berücksichtigen. Die Wasserflächen werden in Abstimmung mit dem Schwimmsportverband und den Schulträgern schuljahresweise neu vergeben. Derzeit ist die Schwimmhalle Kirschbergstraße geschlossen. So ein großes Bauvorhaben macht sich bei der Vergabe von Flächen natürlich bemerkbar. Die Vereine sind allerdings untereinander sehr solidarisch, haben teilweise untereinander Hallenzeiten abgegeben. Ab September 2018 wird sich die Situation dann wieder entspannen.

Gibt es Einschränkungen für den öffentlichen Badebetrieb?

Nein. Die Schwimmhalle Mitte steht derzeit nicht zur Verfügung. Ansonsten bieten wir in der neuen Saison ab 8. August die gleichen Bedingungen fürs öffentliche Schwimmen an wie bisher.

Wie ist die Ausstattung mit Personal?

Sie ist eng. Wir beschäftigen etwa 75 Mitarbeiter. Das reicht gerade so. Es wird immer schwieriger, für die Sommermonate befristet Personal einzustellen. Zumal bundesweit ohnehin Fachpersonal in den Bädern fehlt..

Seit Jahren dümpelt eine einst beliebte Halle vor sich hin: das Stadtbad. Die Stadt sucht dringend einen Investor, der Förderverein versucht, die Immobilie wachzuküssen. Sind Sie als Unternehmen interessiert?

Das Stadtbad ist ein wunderbares historisches Gebäude, das auf jeden Fall erhalten bleiben muss. Ob als klassisches Bad, ist aber eine andere Frage. Ich kann es mir nicht mehr vorstellen. Die Sportbäder wären, so wie sie jetzt aufgestellt sind, mit so einem riesigen Projekt überfordert. Es geht um Investitionen von mindestens 18 Millionen Euro. Davon könnten wir zwei moderne Schwimmhallen mit einem deutlich besseren Angebot bauen.

 

Von Mathias Orbeck

Leipzig 51.3396955 12.3730747
Leipzig
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Der Leipziger Opernball „Moskauer Nächte“ lädt am 4. November aufs Parkett. Hier finden Sie Infos und Fotos zum Event. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Kommen Sie an Bord: Am Sonntag, 22. Oktober 2017, laden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse in das LVZ Verlagsgebäude ein. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

Wie weiter nach der Grundschule? Unsere Übersicht aller Gymnasien, Oberschulen und Freien Schulen in Leipzig will Eltern bei der Auswahl der passenden Bildungseinrichtung für ihr Kind unterstützen. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

Eine Multimedia-Reportage rund um die Leipziger Eisenbahnsstraße, die sich vom Problemkiez zum Hipsterviertel wandelt mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr