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Hauptinvestor für Projekt Lindenauer Hafen springt ab

Hauptinvestor für Projekt Lindenauer Hafen springt ab

Schlechte Neuigkeiten für die Pläne, am Lindenauer Hafen ein Wohngebiet für 1000 Menschen zu errichten. Mit der Leipziger Firma Arcadia hat am Dienstag der Hauptinvestor die Segel gestrichen.

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Der neue Kanalabschnitt zwischen Karl-Heine-Kanal und Lindenauer Hafen soll im Juli eröffnet werden. Wann das geplante Wohngebiet folgt, ist unklar.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. "Unsere Erklärung, dass wir von den Baulosen 3 und 4 zurücktreten, ging gerade per Fax an alle Beteiligten raus", teilte Geschäftsführer Alexander Folz am Nachmittag mit. Es sei sehr schade um die zwei Jahre vergeblicher Planungen, die etwa 70000 bis 100000 Euro verschlungen hätten. Schadenersatz von der Stadt, die im Januar 2013 rund zwei Hektar Bauland zum Verkauf ausgeschrieben hatte, wolle er aber nicht verlangen. "Für einen langen Rechtsstreit mit der Kommune ist mir meine Lebenszeit zu wertvoll", meinte der 38-Jährige.

Bei der Ausschreibung waren vier Baulose an private Investoren und zwei weitere an die Leipziger Selbstnutzer-Initiative vergeben worden. Wie berichtet, ging jedoch im Oktober 2014 mit der Wohnungsgenossenschaft Lipsia der erste Investor wieder von Bord. Vorstand Wilhelm Grewatsch beklagte seinerzeit "unlautere Tricks" auf Seiten der städtischen Erschließungsgesellschaft LESG. Zugleich schwelte bereits der Konflikt mit der Arcadia, die 6500 Quadratmeter für 1,6 Millionen Euro erwerben wollte, um am Eingangsbereich des Hafenbeckens sechs Häuser samt Tiefgarage zu errichten. Im Januar räumte dann Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) in der LVZ ein, dass zwei Jahre nach der Ausschreibung noch kein einziger Kaufvertrag abgeschlossen werden konnte. Deshalb habe die Kommune einen neuen Zeitplan für die Vermarktung der sechs Lose aufgestellt und den Start für einen weiteren Bauabschnitt vertagt. "Der Terminplan, den meine Amtsvorgänger erstellt hatten, war viel zu sportlich", sagte Dubrau erst vergangene Woche. Fünf bis sechs Jahre Vermarktungszeit seien für solch ein Großvorhaben an einem völlig neuen Standort üblich.

Arcadia-Chef Folz erklärte das Scheitern mit einem Konstruktionsfehler bei der Ausschreibung. "Davon habe ich selbst erst Monate später per Zufall erfahren: bei einem Ortstermin mit unserer Baufirma Züblin." Ein Vermessungstrupp habe ihn darauf hingewiesen, dass das vollständig verschlammte Hafenbecken vor den Losen 3 und 4 doch nicht auf absehbare Zeit ausgebaggert wird. Dabei sei dieses Areal, das dem Freistaat Sachsen gehört, sowohl im Masterplan der Stadt als auch in der Ausschreibung als Wasserfläche markiert gewesen. "Sogar auf dem Bauschild an der Plautstraße ist dort bis heute Wasser eingemalt."

Nur Stück für Stück habe er erfahren, dass das Ausbaggern womöglich aus Naturschutzgründen niemals stattfinden wird. Bei einem Termin mit der LESG seien die Blickbeziehungen der geplanten Wohnungen zum Wasser mittels einer Hubbühne getestet worden, so Folz. Ergebnis: "Wenn das Becken nicht entschlammt wird, lässt sich von keinem der künftigen Häuser Wasser erkennen." Mit einer Lage im Niemandsland könne Arcadia aber nicht jene 20 Millionen Euro refinanzieren, die der Projektentwickler am Hafen investieren wollte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.05.2015

Jens Rometsch

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