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Lokales Hauptpost am Leipziger Augustusplatz soll für 100 Millionen Euro zum Campus werden
Leipzig Lokales Hauptpost am Leipziger Augustusplatz soll für 100 Millionen Euro zum Campus werden
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01:00 30.03.2013
Zum Areal der Hauptpost gehören nicht nur die beiden DDR-Bauten am Augustusplatz, sondern auch das ältere Telegrafenamt und ein Querriegel dahinter. Quelle: André Kempner

Geplant seien dort Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro.

Wer genau hinschaute, konnte es bereits an einer weißen Fahne erkennen. Sie flattert seit Gründonnerstag hoch oben am Gebäude. Zwischen dem historischen Schriftzug "POST" und diversen Graffiti stehen auf der Fahne nur drei Buchstaben - der Firmenname KSW.

"Es stimmt", sagt Unternehmenssprecher Jörg Zochert. "Wir haben das Grundstück gekauft." Wichtig für diese Entscheidung sei die Top-Lage - zentral an Leipzigs größtem Platz - gewesen. "Die Hauptpost bietet einen Panorama-Blick, der vom Hauptbahnhof über Oper, Krochhaus, Paulinum, Augusteum bis zum MDR-Tower und Gewandhaus reicht. Das größte Parkhaus der Stadt und die meistfrequentierte Einkaufsstraße liegen in einer Achse." Entscheidend sei außerdem die Idee gewesen, für das Areal ein anderes Nutzungskonzept zu verfolgen als die früheren Eigentümer.

Seit 1838 stand am Augustusplatz ein Postgebäude von Stadtbaudirektor Albert Geutebrück. Nach dessen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg errichtete die DDR-Post von 1961 bis 1964 an derselben Stelle einen 110 Meter langen Neubau (Architekt Kurt Nowotny). Die beiden hinteren Flügel am Grimmaischen Steinweg und der Schützenstraße sind älter, beherbergten Leipzigs Telegrafenamt.

Vor sechs Jahren hatte die Telekom das gesamte Areal (13.400 Quadratmeter) in einem umstrittenen Bieterverfahren an die Alta Fides AG aus Stuttgart veräußert - für 6,2 Millionen Euro. Von den 28.000 Quadratmetern Mietfläche war aber schon seit 1996 nur noch ein Bruchteil belegt - 300 Quadratmeter für eine Postfiliale im Erdgeschoss. Sie schloss im Juli 2011, zog an den Brühl.

Alta Fides hatte dann den Umbau zu einem Hotel mit Kongresszentrum im Hof angekündigt. In ähnliche Richtung gingen auch Überlegungen der Grand City Hotels GmbH aus Berlin, welche das Grundstück im September 2011 übernahm. Doch auch Hotel-Pläne dieser Gruppe, die dem israelischen Investor Yakir Gabay gehört, zeitigten keinen Erfolg. Schließlich steht wenige Schritte entfernt mit dem Radisson Blu ein bestens eingeführtes Vier-Sterne-Haus.

Hingegen ließ sich KSW nun von der Nähe zur Universität inspirieren. "Wir wollen den Campus gewissermaßen über den Augustusplatz erweitern, setzen auf Ansiedlungen wissenschaftlicher Einrichtungen, Bildungsstätten, passendes Gewerbe, studentisches Wohnen und studentennahe Dienstleistungen", erklärt Zochert. Ziel sei eine Ideenschmiede, die verschiedene Disziplinen zusammenführt. Aufenthaltsqualität soll unter anderem eine große, glasüberdachte Passage schaffen. "Zur Anregung für den Austausch gehören dort auch Dinge wie eine Galerie, Gastronomie-"

In der aktuellen Phase der Projektentwicklung könne KSW noch nicht konkreter werden, erläutert Prokurist Holger Krimmling. Zum Grundstückspreis sei Verschwiegenheit vereinbart. "Fest steht, dass sich die Gesamtinvestition auf mehr als 100 Millionen Euro belaufen wird. Als Premiumsanierer möchten wir die denkmalgeschützte Fassade am Augustusplatz aufwändig sanieren und zu einem Stadtbalkon aufwerten." Diese Fassade gilt als architektonisches Meisterwerk der DDR-Moderne, entspricht bei Lärmschutz und Energieeinsparung aber nicht mehr heutigen Standards.

Unterstützt wird das Projekt nicht zuletzt durch Burkhard Jung (SPD). "Das Areal der Hauptpost ist stadtbildprägend im Herzen Leipzigs. Es freut mich sehr, dass sich ein erfahrener Investor - im Übrigen ein Leipziger Unternehmen - gefunden hat, das Gebäudeareal sensibel zu entwickeln", lobt der Oberbürgermeister. "Die Planungen, vis-à-vis der Universität ein neues Campusgelände zu etablieren, schaffen zukunftsweisende Perspektiven für die Wissenschafts- und Wirtschaftsentwicklung unserer wachsenden Stadt."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.03.2013

Jens Rometsch

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