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Lokales Heftige Diskussion über mögliches Zwangsticket im Mitteldeutschen Verkehrsverbund
Leipzig Lokales Heftige Diskussion über mögliches Zwangsticket im Mitteldeutschen Verkehrsverbund
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15:35 17.10.2014
City-Tunnel-Station am Wilhelm-Leuschner-Platz (Archivbild). Quelle: Hendrik Schmidt
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Dessen Geschäftsführer Steffen Lehmann hatte unter anderem angeregt, ein für alle Bürger verpflichtendes Ticket einzuführen, das 20 Euro im Monat kosten soll.

Mit den Einnahmen könnte eine Finanzierungslücke von 180 Millionen Euro jährlich geschlossen werden, die derzeit im Unterhalt und bei den Investitionen im öffentlichen Nahverkehr fehlen, hatte Lehmann argumentiert. Zudem seien auch Grundsteuererhöhungen, ein Aufschlag bei Parkplatztickets oder zusätzliche Erschließungsbeiträge beim Verkauf von Grundstücken für Wohnhäuser denkbar.

Diese Finanzierungsideen seien absurd, kritisierte Sabine Heymann, stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion im Leipziger Stadtrat. Ihr Kollege Uwe Rothkegel schloss weitere öffentliche Zuschüsse für den Verkehrsverbund kategorisch aus. „Grundsteuererhöhungen, Erschließungsbeiträge oder Parkplatzabgaben zur Finanzierung des MDV wird es mit uns nicht geben“, teilte Rothkegel am Mittwochmorgen mit. Der MDV sei ein Unternehmen und keine Behörde und solle daher endlich beginnen, unternehmerisch zu denken.

FDP-Stadtratsfraktionschef René Hobusch nannte den Zwangsticket-Vorschlag völlig am Thema vorbei. „Wer eine Leistung nutzt, soll sich an den Kosten beteiligen. Wer sie nicht nutzt, soll nicht in gleichem Maß belastet werden“, so Hobusch.

Bei der öffentlichen Unterstützung für den Nahverkehr forderte Tino Supplies vom Umweltbund Ökolöwe hingegen eine 180-Grad-Wendung der Politik. Die Leipziger Verkehrsbetriebe hätten 2004 noch 63 Millionen Euro über die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft von der Stadt erhalten. Heute seien es nur noch 45 Millionen Euro. „In der Folge zerbröselt die Infrastruktur, während die Fahrscheine immer teuerer werden“, sagte Supplies.

Ein neues Umlagesystem sei daher unumgänglich. Die konkrete Lösung müsse diskutiert werden, denkbar sei auch eine Kombination der verschiedenen Modelle, um die Kosten für Einzelne gering zu halten und auf mehrere Schultern zu verteilen, so Supplies. Ein verpflichtendes Bürgerticket nannte er in diesem Zusammenhang eine „preisgünstige Flatrate“.

Auch unter den Lesern von LVZ-Online gab es teils heftige Reaktionen. Mit „Der Brüller“ oder  „ÖPNV-Steuer? Die spinnen“, machten einige User ihrem Unmut Luft. Majamarla warnte etwa vor den Folgen für Familien. „Mit drei Kindern müssten 100 Euro pro Monat drauf gelegt werden, während ein Single die Hälfte zahlt im Vergleich zu vorher.“ Nach Ansicht von Snowman wird eine Zwangsabgabe nichts an den Problemen öffentlicher Verkehrsmittel ändern. Einige Wege in der Stadt könnten mit Bussen und Bahnen nur sehr ungünstig zurückgelegt werden. „Es ist nur mit dreimal umsteigen in der dreifachen Zeit möglich, sein Ziel zu erreichen.“

Lob für die Vorschläge des MDV gab es dagegen von Leser tutnichtszursache: „Der einzig richtige Weg, um den ÖPNV künftig zu finanzieren!“ Ein Bürgerticket könnte mehr Autofahrer dazu bringen, ihren Wagen stehen zu lassen, hoffte Leonard Kasek. In der folge steige die Lebensqualität in Leipzig. „Weniger Verkehrslärm, weniger Feinstaub, weniger Unfallrisiken und die, die wirklich auf ein Autos angewiesen sind, kommen besser voran“, so Kasek.

Andere User präferierten die alternativen Vorschläge des MDV. „In den genannten Beispielen aus Frankreich und Österreich zahlen die ortsansässigen Unternehmen einen Ausgleich für den ÖPNV. Diese Lösung wäre eindeutig zu favorisieren“, schrieb Ichbins. Olig_Ophreni präsentierte eine eigene Idee: „Citymaut für Kraftfahrzeuge, dann werden auch die LVB genutzt.“

Der Mitteldeutsche Verkehrsverbund hob am Freitagnachmittag hervor, dass keiner der Vorschläge in der Diskussion bevorzugt würde. Steffen Lehmann erklärte: „Wir präsentieren die Finanzierungsstudie samt der alternativen Finanzierungsformen bis etwa Ende des Jahres vor den anderen Kreisausschüssen und Stadträten. Danach müssen die Parteien und Fraktionen diskutieren, ob und wenn ja, welches der Modelle zukünftig genutzt werden soll.“

Clemens Haug

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