Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Heftige Diskussion über mögliches Zwangsticket im Mitteldeutschen Verkehrsverbund

Heftige Diskussion über mögliches Zwangsticket im Mitteldeutschen Verkehrsverbund

Mit teilweise heftiger Kritik, aber auch mit Zustimmung haben am Freitag Parteien und Öffentlichkeit auf die jüngsten Vorschläge des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds (MDV) reagiert.

Voriger Artikel
Russisch-Orthodoxe Kirche ehrt Leipzigs Oberbürgermeister Jung
Nächster Artikel
Mehr als 80 extra Badestunden in zwei Wochen – Hallenbäder in den Ferien länger geöffnet

City-Tunnel-Station am Wilhelm-Leuschner-Platz (Archivbild).

Quelle: Hendrik Schmidt

Leipzig. Dessen Geschäftsführer Steffen Lehmann hatte unter anderem angeregt, ein für alle Bürger verpflichtendes Ticket einzuführen, das 20 Euro im Monat kosten soll.

Mit den Einnahmen könnte eine Finanzierungslücke von 180 Millionen Euro jährlich geschlossen werden, die derzeit im Unterhalt und bei den Investitionen im öffentlichen Nahverkehr fehlen, hatte Lehmann argumentiert. Zudem seien auch Grundsteuererhöhungen, ein Aufschlag bei Parkplatztickets oder zusätzliche Erschließungsbeiträge beim Verkauf von Grundstücken für Wohnhäuser denkbar.

Diese Finanzierungsideen seien absurd, kritisierte Sabine Heymann, stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion im Leipziger Stadtrat. Ihr Kollege Uwe Rothkegel schloss weitere öffentliche Zuschüsse für den Verkehrsverbund kategorisch aus. „Grundsteuererhöhungen, Erschließungsbeiträge oder Parkplatzabgaben zur Finanzierung des MDV wird es mit uns nicht geben“, teilte Rothkegel am Mittwochmorgen mit. Der MDV sei ein Unternehmen und keine Behörde und solle daher endlich beginnen, unternehmerisch zu denken.

FDP-Stadtratsfraktionschef René Hobusch nannte den Zwangsticket-Vorschlag völlig am Thema vorbei. „Wer eine Leistung nutzt, soll sich an den Kosten beteiligen. Wer sie nicht nutzt, soll nicht in gleichem Maß belastet werden“, so Hobusch.

Bei der öffentlichen Unterstützung für den Nahverkehr forderte Tino Supplies vom Umweltbund Ökolöwe hingegen eine 180-Grad-Wendung der Politik. Die Leipziger Verkehrsbetriebe hätten 2004 noch 63 Millionen Euro über die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft von der Stadt erhalten. Heute seien es nur noch 45 Millionen Euro. „In der Folge zerbröselt die Infrastruktur, während die Fahrscheine immer teuerer werden“, sagte Supplies.

Ein neues Umlagesystem sei daher unumgänglich. Die konkrete Lösung müsse diskutiert werden, denkbar sei auch eine Kombination der verschiedenen Modelle, um die Kosten für Einzelne gering zu halten und auf mehrere Schultern zu verteilen, so Supplies. Ein verpflichtendes Bürgerticket nannte er in diesem Zusammenhang eine „preisgünstige Flatrate“.

Auch unter den Lesern von LVZ-Online gab es teils heftige Reaktionen. Mit „Der Brüller“ oder  „ÖPNV-Steuer? Die spinnen“, machten einige User ihrem Unmut Luft. Majamarla warnte etwa vor den Folgen für Familien. „Mit drei Kindern müssten 100 Euro pro Monat drauf gelegt werden, während ein Single die Hälfte zahlt im Vergleich zu vorher.“ Nach Ansicht von Snowman wird eine Zwangsabgabe nichts an den Problemen öffentlicher Verkehrsmittel ändern. Einige Wege in der Stadt könnten mit Bussen und Bahnen nur sehr ungünstig zurückgelegt werden. „Es ist nur mit dreimal umsteigen in der dreifachen Zeit möglich, sein Ziel zu erreichen.“

Lob für die Vorschläge des MDV gab es dagegen von Leser tutnichtszursache: „Der einzig richtige Weg, um den ÖPNV künftig zu finanzieren!“ Ein Bürgerticket könnte mehr Autofahrer dazu bringen, ihren Wagen stehen zu lassen, hoffte Leonard Kasek. In der folge steige die Lebensqualität in Leipzig. „Weniger Verkehrslärm, weniger Feinstaub, weniger Unfallrisiken und die, die wirklich auf ein Autos angewiesen sind, kommen besser voran“, so Kasek.

Andere User präferierten die alternativen Vorschläge des MDV. „In den genannten Beispielen aus Frankreich und Österreich zahlen die ortsansässigen Unternehmen einen Ausgleich für den ÖPNV. Diese Lösung wäre eindeutig zu favorisieren“, schrieb Ichbins. Olig_Ophreni präsentierte eine eigene Idee: „Citymaut für Kraftfahrzeuge, dann werden auch die LVB genutzt.“

Der Mitteldeutsche Verkehrsverbund hob am Freitagnachmittag hervor, dass keiner der Vorschläge in der Diskussion bevorzugt würde. Steffen Lehmann erklärte: „Wir präsentieren die Finanzierungsstudie samt der alternativen Finanzierungsformen bis etwa Ende des Jahres vor den anderen Kreisausschüssen und Stadträten. Danach müssen die Parteien und Fraktionen diskutieren, ob und wenn ja, welches der Modelle zukünftig genutzt werden soll.“

Clemens Haug

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales

Wir verlosen 10x2 Tickets für den Kammermusikabend am 26. Oktober 2016 im Gewandhaus. mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr

  • Belantis - Infos und Events
    Belantis - Infos und Events

    Belantis - das AbenteuerReich im Herzen Mitteldeutschlands. Hier gibt es Neuigkeiten und alle Infos zu den Events! mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und weitere asisi-Projekte in Dresden, Berlin und anderen Städ... mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • LVZ Automarkt

    Vom 8. bis 10. September 2016 lud die LVZ zum großen Automarkt in den Pösna Park bei Leipzig ein. Fotos und Infos dazu gibt es im Special. mehr

Der neue Multimedia-Blog der Leipziger Volkszeitung bietet spannende Geschichten aus Leipzig und Sachsen. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr