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Heilig’s Blechle: Kirchentags-Bläser erobern Leipziger Augustusplatz

Posaunenchöre sind da Heilig’s Blechle: Kirchentags-Bläser erobern Leipziger Augustusplatz

Heilig’s Blechle: Posaunenchöre aus ganz Deutschland haben am Freitag Nachmittag den Augustusplatz in Besitz genommen. Am Sonnabend (18 Uhr) wollen dann hunderte Blechbläser ein Festkonzert zum Kirchentag gestalten. Teilnehmer des Leipziger Protestantentreffens hoffen auf Rückenwind – viele suchen noch das Kirchentagsfeeling.

Die Blechbläser aus ganz Deutschland sind da: Am Freitag probten sie erstmals zusammen auf dem Leipziger Augustusplatz
 

Quelle: Olaf Majer

Leipzig.  „Ihr wisst schon, wie die großen Boxen bei den Rockkonzerten machen“, fragt der Mann mit dem Sheriff-Hut vom Gerüst aus in die Menge. „Die machen ,Wumm, Wumm’, schwingen vor und zurück, immer schön im Takt. Wenn ihr jetzt alle immer zu mir schaut und auf meine Armbewegungen, dann schwingen wir alle zusammen. Dann wird das ein prima Sound“, sagt er ins weite Rund der vor ihm versammelten Posaunenchöre.

Der grau melierte Sheriff mit den wedelnden Armen ist Siegfried Markowis und als Posaunenwart der Landeskirche Braunschweig so etwas wie der Vorturner des Leipziger Bläserfestes auf dem „kleinen“ Kirchentag. Am Sonnabend, 18 Uhr, soll das Gipfeltreffen der Posaunenchöre aus ganz Deutschland auf dem Augustusplatz zu einem einzigartigen Bläserfest werden. Rund 4000 Trompeten-, Posaunen- und Tubaspieler wurden dazu erwartet, etwa die Hälfte soll nun tatsächlich kommen. Das große Freiluft-Konzert zwischen Oper und Gewandhaus soll den Leipziger Kirchentagsgästen auf ihrem Weg nach Wittenberg Rückenwind geben – die ersten wollen schon Samstag Abend aufbrechen, um auf den Elbwiesen in Pratau die Sonnenaufgangszeremonie zu erleben. Bevor dann am Sonntag (12 Uhr) der Abschlussgottesdienst den Kirchentag und das Reformationsfest insgesamt krönen soll.

Rückenwind der Bläser für Kirchentag in Leipzig nötig

Dieser Rückenwind der Bläser scheint in Leipzig auch bitter nötig. Denn bislang will trotz besten Wetters und eines randvollen Programms nur vereinzelt Kirchentagsfeeling aufkommen. Beim Eröffnungsgottesdienst am Donnerstag Abend waren immerhin noch rund 2000 Gläubige auf dem Markt versammelt – die auch einen sehr stimmungsvollen Auftakt erlebten. Doch schon am Freitag Morgen gab es Ernüchterung. So verirrten sich beispielsweise bei der Bibelarbeit mit Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) nur gut zwei Dutzend Interessierte in der Kongresshalle am Zoo. „Ich komme gerade von der Bibelarbeit mit Tillich“, berichtet Ulf „Fiebi“ Fiebrandt (44) vom Vorstand des Pfadfinder-Rings. „Gerade mal 25 Teilnehmer saßen in dem Saal“, berichtet der Diakon aus Kaltenkirchen nahe Neumünster in Schleswig-Holstein.

Pfadfinder haben als helfer wenig zu tun und dafür viel Freizeit

Fiebrandt ist einer von rund 660 Mitgliedern des Rings Evangelischer Gemeindepfadfinder – die als Helfer des Kirchentages nach Leipzig gekommen sind. Bislang haben sie wenig zu tun und stattdessen sehr viel Freizeit, die Stadt zu erkunden. „Das ist einerseits nicht schlecht, weil dir Zeit geschenkt wird, um dir das schöne Leipzig anzuschauen. Andererseits willst du aber ja was tun, deshalb bist du ja da. Ein Helfer, der nicht helfen kann, stellt sich die Sinnfrage“, sagt der Pfadfinder.

Nur 35 000 bei Abschlussgottesdienst in Wittenberg?

Die Idee der sechs „Kirchentage auf dem Weg“ plus Haupt-Event in Berlin/Wittenberg hält Fiebrandt schon jetzt für gescheitert. „Wo sollen auch all die Leute herkommen?“, fragt er. „Die Zahl derer, die sich nach Wittenberg zum großen Abschlussgottesdienst am Sonntag aufmachen, dürfte überschaubar sein. Wenn am Ende 35 000 statt der erwarteten 100 000 Besucher zusammenkommen, können wir froh sein“, glaubt Fiebrandt.

Das Interesse am Podiumsgespräch „Flucht, Vertreibung, Integration. Was ist geschafft – was kommt noch auf uns zu?“ mit Leipzigs OBM Burkhard Jung und Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (beide SPD) hielt sich stark in Grenzen.

Quelle: Christian Modla

Kaum Flaggen oder Kirchentagsbanner in Leipzig

 Überhaupt wundern sich die Pfadfinder, wie wenig im Stadtbild auf das Christen-Treffen hinweist – von den Bühnen auf Markt und Augustusplatz einmal abgesehen. Flaggen oder Banner in der City? Fehlanzeige! Während gestern hunderte Menschen in den Zoo strömen, hält sich der Andrang im Kirchentagszentrum Kongresshalle sehr in Grenzen. Das gilt auch für das Podiumsgespräch „Flucht, Vertreibung, Integration. Was ist geschafft – was kommt noch auf uns zu?“ mit Leipzigs OBM Burkhard Jung und Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (beide SPD) sowie Amal Edrees und Adham Diab, Leipziger mit syrischen Wurzeln. Nur ein Häuflein Interessenten verliert sich am frühen Abend im Weißen Saal der Location. Alle schauen etwas ungläubig drein. Die freiwilligen Helfer in Grün eingeschlossen.

Grillfest sorgt für einen Hauch von Stimmung

Nur gut, dass auf die Bläser Verlass ist. Allein schon der satte Sound aus hunderten Blechtrichtern sorgt am Augustusplatz für Aufmerksamkeit, viele Leipziger bleiben einfach mal stehen, hören sich ein oder zwei Lieder an, trinken ein Bier und ziehen dann weiter. Und auch die Pfadfinder haben hier endlich zu tun: Programme verteilen, fehlende Notenhefte nachliefern, Fragen beantworten. „Wann ist nochmal das Konzert?“, fragt ein Ehepaar. „Morgen um 18 Uhr“, antwortet Stefan, ein Grünhemd mit Helfer-Schal, „aber sie können auch jetzt hierbleiben und die Probe genießen. Gleich danach gibt’s ein Grillfest.“ Das Ehepaar nimmt an. Ein Hauch von Kirchentagsstimmung weht in diesem Moment in Leipzig.

Von Olaf Majer

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