Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Heißer Roter aus dem Saftladen - Saftkelterei Oese ist Glühwein-Testsieger
Leipzig Lokales Heißer Roter aus dem Saftladen - Saftkelterei Oese ist Glühwein-Testsieger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:59 08.12.2014
Hat alles im Blick und alles im Griff: die Kelterei-Chefin Gisela Oese. Quelle: Susann Schädlich

Gebraut wird der Gewinner-Trank in der 2000-Seelen Gemeinde Medingen, einem Ortsteil von Ottendorf-Okrilla. Seit fast 80 Jahren ist das Hauptgeschäft der Kelterei Oese zwar die Herstellung von Fruchtsäften und -nektaren. Während der Weihnachtsmarktsaison gehen hier aber seit ein paar Jahren mehrere tausend Liter Glühwein vom Band.

Dass der Glühwein Oeses Produktion in der kalten Jahreszeit dominiert, bekommt auch jede noch so ungeschulte Nase bereits nach wenigen Sekunden in der Produktionshalle zu spüren. Der Duft von Rotwein und Zimt klebt an den weiß gefliesten Fabrikwänden. "Das Geheimnis unseres Glühweins ist in allererster Linie ein hochwertiger Grundwein", erzählt Kelterei-Chefin Gisela Oese, während sie in der sogenannten Saftküche den Deckel eines riesigen Aluminiumkessels anhebt. 1000 Liter Dornfelder warten darin darauf, in Oeses Spezialglühwein verwandelt zu werden.

Den edlen Tropfen, den die Kelterei-Chefin mit bis zu zehn Angestellten zu heißem Roten weiterverarbeitet, liefert der Winzer Konrad Closheim aus dem rheinland-pfälzischen Langlonsheim. Die deutsch-deutsche Zusammenarbeit begann sozusagen mit einem Gärröhrchen, das Giesela Oese unbedingt benötigte. Oese war zwar der Name ihres Kellerei-Lieferanten entfallen, sie erinnerte sich aber, dass er in Langlonsheim ansässig war. Also klingelte die findige Medingerin bei der Auskunft durch und bat darum, mit einem Winzer aus dem gleichen Ort verbunden zu werden. "Der musste ja wissen, wie das Geschäft hieß", erzählt die heute 58-Jährige. Aus dem Telefonat mit dem rheinhessischen Winzer entwickelte sich schließlich nicht nur eine jahrelange Freundschaft, sondern auch eine fruchtbare Zusammenarbeit. Inzwischen wird nicht nur der Dornfelder vom Weingut Closheim bei Bad Kreuznach, sondern auch ein Bacchus in Oeses sächsischer Kelterei zu heißem Roten und Weißen.

Dafür setzt Gisela Oese in einem weiteren Topf einen Sud an, der bereits seit Jahren auf die gleiche, aber geheime Weise zubereitet wird. Wasser, Orangen, Zimt und Zitronen und weitere Zutaten, die nicht verraten werden, brodeln dabei in einem riesigen Aluminiumkessel. "Etwa eine halbe Stunde", erklärt die Fachfrau. Danach muss die bräunliche Flüssigkeit abkühlen und eine Weile stehen, damit die Gewürze ihre vollen Aromen entfalten. "Durchziehen", nennt Gisela Oese das. Erst danach werden Grundwein und Sud in einem weiteren Kessel vermischt. Pro 1000 Liter Grundwein sorgen zwischen 30 und 50 Kilogramm Zucker für die nötige Süße. Zehn Minuten surrt ein kräftiges Rührwerk, das an einen riesigen Stabmixer erinnert, durch das Wein-Zucker-Gewürz-Gemisch, bis sich auch jeder noch so kleine Zuckerkristall aufgelöst hat. Anschließend wird die Flüssigkeit nochmals auf 60 Grad erhitzt. "Der Wein könnte sonst bei gewissen Temperaturen durch den hinzugefügten Zucker erneut mit der Gärung beginnen und so verderben. Durch das Erhitzen vermeiden wir das", erläutert Oese.

Dass Gisela Oese im Advent preisgekrönten Glühwein rührt und seit 1974 die Geschicke der Saftkelterei lenkt, war eigentlich so nicht geplant. Ihr Vater Otto hatte das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Ernst 1935 als "Süßmosterei und Gartenbau Oese" aus der wirtschaftlichen Not heraus gegründet und zu einer gut laufenden Firma aufgebaut. Doch 1971 verstarb der Onkel, drei Jahre darauf der Vater Otto. Da war Giesela Oese gerade einmal 18 Jahre alt. "Wie junge Leute eben so sind, wollte ich damals eigentlich in die große Stadt, als Laborantin weit weg von den Eltern arbeiten. Eben etwas erleben", erinnert sie sich. Doch der Verkauf des väterlichen Lebenswerks kam für die junge Frau damals nicht in Frage. Sie entschloss sich in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Inzwischen steht schon der nächste Generationswechsel ins Haus. Sohn Michael Oese kümmert sich bereits um den Glühweinverkauf auf den Märkten. Bald soll er die Kelterei ganz und gar übernehmen.

Noch aber schwingt Gisela Oese das Zepter in der Produktionshalle. Gemeinsam mit ihrem Team füllt die Chefin den noch dampfenden Glühwein für den Transport auf Weihnachtsmärkte in dutzende Zehn-Liter-Kanister. Danach gehen sie aber nicht nur auf die Reise nach Leipzig. Auch auf dem Dresdner Striezelmarkt ist Oeses Glühwein vertreten. Und für den Werksverkauf spritzt eine spezielle Füllmaschine den blutroten Trank in unzählige Glasflaschen. Denn wer sich nicht ins Gewühl der Weihnachtsmärkte begeben möchte, der kann Oeses Glühwein auch in der Medinger Kelterei für den "Hausgebrauch" erwerben.

www.oese.net

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.12.2014

Schädlich, Susann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Im Streit um Leipzigs neue Verkehrspolitik gab es gestern Abend eine überraschende Wende: Gegen 19.15 Uhr teilte die Stadtratsfraktion der SPD auf Anfrage mit, dass sie in der morgigen Stadtratssitzung dafür stimmen wird, den umstrittenen Beschlussvorschlag von der Tagesordnung abzusetzen.

08.12.2014

Bewirbt sich Leipzig als Kulturhauptstadt Europas? Mittlerweile ist klar, dass die nächstmögliche Chance für eine deutsche Stadt 2025 besteht - neben Slowenien als zweitem Kandidaten.

08.12.2014

Die Schlangen waren vielerorts gar nicht so lang – dafür der Ärger umso größer. Denn nur wenige Fans des legendären DHfK-Faschings bekamen zum Vorverkaufsstart am Montag eine Karte für ihren Wunschtermin.

08.12.2014
Anzeige