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Lokales Heiterblick GmbH: Mitarbeiter bangen um Jobs - Millionen-Auftrag könnte nach Polen gehen
Leipzig Lokales Heiterblick GmbH: Mitarbeiter bangen um Jobs - Millionen-Auftrag könnte nach Polen gehen
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23:59 07.11.2014
Die LVB wollen 41 neue Straßenbahnfahrzeuge kaufen. (Symbolbild) Quelle: Volkmar Heinz

Nach Informationen des Betriebsrats hat die LVB-Geschäftsführung dem Aufsichtsrat in dieser Woche einen Vorschlag unterbreitet. Demnach soll die polnische Firma Solaris den Zuschlag bekommen und nicht die Leipziger. Wie es bei den LVB gestern hieß, sei das Vergabeverfahren noch nicht abgeschlossen. Den Informationen zufolge tagt der Aufsichtsrat Ende nächster Woche.

Das Auftragsvolumen beläuft sich auf 123 Millionen Euro. Laut LVB müssen nach einer möglichen Entscheidung des Aufsichtsratsgremiums die einzelnen Bieter informiert werden. Diese hätten dann auch Gelegenheit, Anfragen zu stellen, Einsprüche seien ebenfalls möglich. Das Prozedere dauere also noch geraume Zeit. "Die Vergabe des Auftrags ist nach wie vor offen", sagte Peter Krutsch, Sprecher des Stadtkonzern LVV, zu dem die LVB gehören.

Dennoch bangen die Arbeitnehmervertreter und die Gewerkschaft IG Metall um einen Teil der 80 Jobs bei Heiterblick. Zwar sei tatsächlich bislang keine endgültige Entscheidung getroffen. Allerdings stünden die Zeichen nicht gut. "Wir zahlen die Steuern und Gehälter der LVB. Der Auftrag und die Arbeit sollen nun jedoch ins Ausland gehen", heißt es in einem Schreiben des Heiterblick-Betriebsratschefs Mike Steinkopf, das der LVZ vorliegt. Der polnische Anbieter Solaris habe einen Preis für die 41 Fahrzeuge vorgelegt, der um 20 Prozent unter dem der Leipziger liege. "Kann das seriös sein?", fragt Steinkopf in dem Schreiben. Falls Leipzig tatsächlich verliere, sei das "für unsere Kollegen der Heiterblick GmbH, die ja von der LVB stammen, absolut unerträglich". Auch sollten Stadt und Verkehrsbetriebe bedenken, dass bei der LVB bereits Leoliner der Heiterblick-Firma im Einsatz sind. Solaris hingegen sei Neuling im Straßenbahngeschäft.

Mit Unverständnis reagierte auch Leipzigs IG-Metall-Chef Bernd Kruppa. "Die Stadt steht in der Verantwortung für die regionale Wirtschaft", sagte er der LVZ. Es stimme ihn zornig, sollte die Vergabe tatsächlich am hiesigen Betrieb vorbeigehen. Immerhin "handelt es sich hier um eine fundamentale industriepolitische Entscheidung für Leipzig", betonte Kruppa. Es sei nicht hinzunehmen, wenn ein kommunales Unternehmen eine strategische Investition im Schienenverkehr nicht in die Region vergebe.

Die Stadt sei in der Pflicht, stimmte Ludwig Koehne zu, Chef des Leipziger Kranbauers Kirow. Die Holding Kranunion, zu der Kirow gehört, hat die Produktionshalle an Heiterblick vermietet, ist also daran interessiert, dass der Mieter gutes Geld verdient. "Sollte der Auftrag an Polen gehen, wären wir darüber natürlich nicht froh", sagte Koehne. Vielmehr könnte die Stadt in diesem Falle kluge Standortpolitik betreiben.

Um ihren Sorgen mehr Nachdruck zu verleihen, versammeln sich heute Heiterblick-Beschäftigte zu einer IG-Metall-Kundgebung vor dem Tagungsort des SPD-Stadtparteitages.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.11.2014.

Ulrich Langer

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