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Lokales Hells Angels als Wohltäter - Rocker-Gang okkupiert Benefizparty für Straßenkinder-Verein
Leipzig Lokales Hells Angels als Wohltäter - Rocker-Gang okkupiert Benefizparty für Straßenkinder-Verein
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10:13 11.08.2010
Im Hauptquartier der Hells Angels soll das "Kinderfest" stattfinden. Quelle: André Kempner
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"Die Straßenkinder unterstütze ich ja gern, aber mit dem Rockermilieu will ich absolut nichts zu tun haben." Doch nun steht der Name seines Unternehmens als Unterstützer auf dem Party-Flyer des Hells Angels Motorcycle Club (HAMC) Leipzig. Auch der Kinder-Ausstatter Spiele Max und das Mototeam Yamaha fühlen sich getäuscht. Der Verein Straßenkinder habe bei Spiele Max im Paunsdorf-Center um Unterstützung gebeten, schildert Vorstandsassistentin Anja Schmidt. "Spiele Max spendete Spielsachen mit der Absicht, bedürftige Kinder zu unterstützen." Beim Mototeam Yamaha sammelten Angehörige des Bikervereins "Freie Gummibären" Geld für ein Straßenfest für Kinder. "Die Gummibärchen sind ganz nette Stammkunden von uns", so Geschäftsführerin Cathrin Dolling. "Wir haben für den guten Zweck 200 Euro gegeben." Vor einigen Tagen dann der Schock für beide Unternehmen, als die Firmenlogos auf dem Flyer der Hells Angels auftauchten.

Vom Ärger ihrer Sponsoren ahnen die Mitarbeiter des Straßenkinder-Vereins offenbar nichts. Die Ehrenamtlichen, geachtet wegen ihres Engagements für arme und obdachlose Kinder und Jugendliche, freuen sich über jede Hilfe. "Ausgegangen ist die Aktion vom Runden Tisch der Biker", erklärt Ronald Herchenröther. "Die wollen was Soziales machen." Die Hells Angels seien da nur ein Verein unter vielen.

Die Höllenengel empfinden das offenbar etwas anders. Ihr Plakat für die Benefizparty lässt keine Zweifel, wer das Sagen hat. "Präsentiert vom HAMC Leipzig", heißt es da in voller Blattbreite, darunter folgen deutlich kleiner die Logos der anderen Vereine - eine Auflistung williger Zuarbeiter. Dies entspricht nach Erkenntnissen der Kripo ziemlich genau den Herrschaftsverhältnissen in der Bikerszene. "Die Angels sind an jeden kleinen Club herangetreten und haben klar gemacht, wo es lang geht", so ein Experte für Organisierte Kriminalität. Es sei nicht überraschend, dass die Rocker vom Leipziger Charter des HAMC sich plötzlich als Wohltäter gerieren. Vorbild sei Hannover, wo der bundesweit mächtigste Ableger der Hells Angels über ein exzellentes Netzwerk unter den Honoratioren der Stadt gebietet. "Die wollen mit Straßenfesten und Benefizveranstaltungen das Bild des friedlichen Motorradfahrers vermitteln", so ein Kripo-Experte. Dabei habe die Gang weniger romantische Biker-Folklore im Sinn, sondern vor allem knallharte Geschäfte - legal und illegal.

Die jüngsten Ambitionen der Hells Angels als Gute-Laune-Onkel haben jedoch einen kleinen Dämpfer erhalten. Ursprünglich war am Sonnabend ab 14 Uhr ein Straßenfest für Familien in der Dessauer Straße geplant. Doch die Stadt senkte den Daumen. "Wir haben in Absprache mit dem Jugendamt keine Genehmigung erteilt", so Ordnungsamtschef Helmut Loris. "Die hohe Zahl an Rotlicht-Etablissements in der Straße ist unter Jugendschutzaspekten bedenklich." Die Behörden hätten den Veranstaltern - zur Absprache erschien laut Polizei der HAMC-Vizepräsident - die benachbarte Kletterhalle als Ausweichquartier vorgeschlagen. Doch die Hells Angels verlegten die Benefizparty kurzerhand in ihr Hauptquartier in der Dessauer Straße und verschoben den Beginn auf 18 Uhr. "Eingeladen sind alle Leipziger die mit uns Bikern feiern und dabei etwas gegen Kinderarmut tun wollen", heißt es.

Die Polizei kündigte einen Großeinsatz an. Und zwar nicht nur wegen der Benefizparty: "Die Hells Angels wollen am Sonnabend auch mit über 400 Leuten im Konvoi durch die Stadt fahren", so ein Beamter. "Dies wurde aus Sicherheitsgründen verboten, aber es ist zu befürchten, dass sie es dennoch versuchen werden."

Frank Döring

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