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Herrn Bach wird der Hals umgedreht

Herrn Bach wird der Hals umgedreht

Komponistengenie Bach würde sich in seinem Grab in der Thomaskirche wälzen, könnte er sehen, dass ihm gut 260 Jahre nach seinem Tod in Leipzig der Hals umgedreht wird.

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Corpus Delicti: Alle vier Notenhälse zeigen beim B-A-C-H in die falsche Richtung.

Quelle: Kerstin Decker

Und das gleich vierfach! Kurioserweise hat das bisher fast niemand bemerkt -

Ort des Frevels ist die Notenwand in der Dörrienstraße hinterm Penta-Hotel. Im April 2013 wurde sie als Station der Leipziger Notenspur eingeweiht, mit dem Oberbürgermeister, Schulkindern und vielen Musikliebhabern. Genau hingeschaut hat da aber wohl keiner. Im Gegensatz zu Anwohnerin Erika Schumann aus der benachbarten Salomonstraße. Sie findet die Schautafel mit Rätseln für Kinder und Erwachsene sehr gelungen. Aber der 74-Jährigen mit dem geschulten Blick einer Musiklehrerin sticht eins regelrecht ins Auge: "Bei den vier Noten für den Namen B-A-C-H zeigen alle Notenhälse in die falsche Richtung." Sprich: Die nach oben gerichtet sind, müssten nach unten zeigen. Und die nach unten zeigen, nach oben. Zuallererst sei das übrigens ihrer Tochter aufgefallen, die den seltenen Beruf einer Notenstecherin ausübt, erzählt die LVZ-Leserin. "Für Kinder, die dort mit der Notenschrift konfrontiert werden, ist das natürlich kein gutes Beispiel", ärgert sich Erika Schumann.

Viele Hundert Musikinteressierte dürften in den letzten 18 Monaten vor der Wand gestanden zu haben, ohne den Fehler zu bemerken. "Das ist wie mit einem Druckfehler in der Überschrift. Viele Leute schauen drauf, keiner sieht es" vermutet Musikwissenschaftlerin Tatjana Böhme-Mehner, die seinerzeit die Texte für die Notenwand konzipiert hat. Sie glaubt: "In einer Tonsatzprüfung würde es dafür einen Punkt Abzug geben." Aber spielbar sind die Noten trotzdem, und es kommt auch der richtige Klang heraus. Denn allein die Notenköpfe geben beim Musizieren Tonhöhe und Tonlänge vor.

Umgesetzt wurde die Leipziger Notenspur von einem ehrenamtlichen Förderverein, der die Leipziger Musikgeschichte im Stadtraum erlebbar machen will. Dass hier ein zusätzliches Rätsel in Form eines Fehlers eingebaut worden sein könnte, schließt Vorstandschef Werner Schneider aus. "Wo der Fehler passiert ist, versuchen wir zu klären", antwortete er auf LVZ-Anfrage. Dass im Entwurf der Vorplanung noch alles richtig war, kann er anhand einer Grafik beweisen. Der Fehler muss sich bei der Ausführungsplanung oder sogar erst bei der Fertigung eingeschlichen haben. Dies nachträglich in ehrenamtlicher Arbeit zu ermitteln, werde wohl einige Zeit dauern, zumal die damit befasste Kollegin inzwischen nicht mehr für die Notenspur arbeitet.

"Der Fehler wird korrigiert. Da die inhaltliche Aussage nicht verfälscht wird, haben wir die Zeit, zunächst gegebenenfalls Gewährleistungsfragen und die Finanzierung zu klären", so der Professor. Im Hauptberuf befasst er sich an der Technischen Universität Dresden übrigens mit der Thematik von Imperfektionen - salopp gesagt mit der Tatsache, dass nichts im Leben perfekt ist, sondern Abweichungen vom Planzustand unvermeidbar sind. Im Fall der Notenwand gehe von den Störungen keine Gefahr für die Wissensvermittlung aus, fügt Schneider schmunzelnd hinzu.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.10.2014
Kerstin Decker

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