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Herzchirurg aus Leipzig engagiert sich für "Ärzte ohne Grenzen" in Liberia und im Südsudan

Herzchirurg aus Leipzig engagiert sich für "Ärzte ohne Grenzen" in Liberia und im Südsudan

Diese Bilder wird Jochen Hahn nicht vergessen: Nyahoth, das Mädchen, das im Alter von zehn Monaten weniger wiegt, als hier ein Baby bei der Geburt - drei Kilo. Kong Lam, der zwölfjährige Patient mit einer Herzklappenentzündung, der für eine Operation 4000 Kilometer zurücklegt - zu Fuß.

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Der Leipziger Arzt Jochen Hahn in Pieri im Südsudan: Mit Medikamenten und hochkalorischer Nahrung retten "Ärzte ohne Grenzen" das Leben vieler Kinder.

Quelle: Jochen Hahn

Leipzig/Berlin/Pieri. Kinder, die dank des Engagements von "Ärzte ohne Grenzen" gerettet werden konnten. Bei seinem Einsatz für die Hilfsorganisation im Südsudan hat der 36-jährige Leipziger extremes Elend gesehen - und unendlich viel Glück erfahren.

Makher ist acht Jahre alt, als er beim Spielen in einen Teich fällt. Beinahe ertrunken kämpft sein kleiner Körper mit einer schweren Lungenentzündung. Er fällt ins Koma. Das Team von "Ärzte ohne Grenzen" im südsudanesischen Pieri kämpft um sein Leben - ohne über eine hier übliche Ausrüstung zu verfügen, kein Beatmungsgerät, nicht mal ein Bett. Die über einen Generator betriebene Maschine zur Sauerstoffanreicherung läuft ununterbrochen. Dazu muss ein Mitarbeiter alle vier Stunden den Stromlieferanten bedienen, Tag und Nacht. Alle zwei Stunden braucht der Junge Medikamente. Mit nassen Tüchern versuchen die Pfleger das Fieber in den Griff zu bekommen, ohne dass eine Besserung des Gesundheitszustandes in Sicht ist. Die Situation scheint aussichtslos. Jochen Hahn - als einziger Arzt auf dem Klinikgelände - schläft in seiner Lehmhütte mit einem Walkie-Talkie unter dem Kopfkissen, wenn er denn schläft. Als nach zwölf Tagen die Hoffnung ernstlich schwindet, dass der Junge wieder aufwacht, und als das Team die Therapie gerade einstellen will, macht Makher die Augen auf. Wenig später ist klar, er hat es geschafft. "Das sind Momente, für die man lebt", sagt Jochen Hahn, einer der Menschen, durch deren Einsatz, Wissen und Wärme Makher eine zweite Chance bekommen hat.

Der Herzchirurg war als internationaler Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" in Afrika, 2009 für neun Monate im Südsudan, drei Jahre zuvor für ein halbes Jahr in Liberia. Der Kontrast zu seinem normalen Arbeitsalltag am Leipziger Herzzentrum hätte größer nicht sein können. 130 Patienten pro Tag, Operationen bei 45 Grad im Schatten, viele Krankheiten, die er nur aus dem Lehrbuch kannte.

"Selbst in solchen Stresssituationen bleibt Jochen Hahn ruhig und freundlich", meint Tankred Stöbe, Vorstandsvorsitzender der deutschen Sektion von "Ärzte ohne Grenzen". Seinen kritischen Kopf und seine produktive Energie schätzt er an dem 36-Jährigen am meisten.

"Man muss akzeptieren, dass man die Welt nicht völlig ändern, aber sie doch ein bisschen besser machen kann", findet Jochen Hahn. Das mache ihn gelassener, auch wenn die Umstände manches Mal aufregend seien.

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Der Leipziger Arzt Jochen Hahn beim Operieren im Sudan. Er engagiert sich dort für "Ärzte ohne Grenzen".

Quelle: Jochen Hahn

Schon zu Schulzeiten hat der gebürtige Baden-Württemberger davon geträumt, humanitäre Arbeit zu leisten, dort zu sein, wo er wirklich gebraucht wird. Nach seinem Medizinstudium in Budapest, Tübingen und Leipzig und zwei Jahren Berufserfahrung folgte dann der ersehnte erste Einsatz für "Ärzte ohne Grenzen". Die Angst vor ansteckenden Krankheiten oder bewaffneten Überfällen hat dabei zurückgestanden. "Auch meine Eltern haben sich große Sorgen gemacht, aber sie haben mich bei meinem Vorhaben trotzdem unterstützt."

Inzwischen ist Jochen Hahn selbst Vater. Die Frau an seiner Seite, Lorena Dominguez, hat er während der Zeit im Südsudan kennengelernt. Die Spanierin hat als Hebamme in dem zehnköpfigen internationalen Team mitgearbeitet. "Wir haben dort viel gemeinsam erlebt." Das schweißt zusammen.

Trotz und vielleicht auch wegen des extremen Leids, das beide dort gesehen haben, zählt die Zeit zu einer seiner bisher beeindruckendsten Erfahrungen, wie Jochen Hahn sagt. Der 36-Jährige strahlt aus seinen braunen Augen, weil er viele dieser Herausforderungen gemeistert hat, die Zeit als riesiges Geschenk betrachtet. Weil er erleben durfte, mit welch einfachen Mitteln man dort gelegentlich helfen kann.

"Es sind oft ganz geringe Beträge, die dort benötigt werden, um zum Beispiel ein unterernährtes Kind wieder aufzupäppeln." Für insgesamt 29 Millionen Euro konnten 2010 über 588 000 Menschen im Südsudan behandelt werden - kein Vergleich zu den Summen, die hier aufgewendet werden. Und kein Vergleich zu der Hilfsbedürftigkeit: "Nur 20 Prozent haben dort Zugang zu irgendeiner Gesundheitsversorgung."

Deshalb steckt Jochen Hahn derzeit, da ein weiterer Einsatz in naher Zukunft wegen seines einjährigen Sohnes nicht zur Debatte steht, seine Energie in die Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Er hält Vorträge, spricht mit leitenden Ärzten, wie bedeutsam es ist, Mitarbeiter für solche Aufgaben freizustellen. "Es ist so wichtig, dass man die Menschen hier auf ihre Verantwortung aufmerksam macht."

Und er wirbt mit Herzblut für Helfer, solche, die Geld geben, und solche, die sich selbst auf den Weg machen. Denn Hilfe ist gerade nötiger denn je. Am 18. August dieses Jahres ist die Stadt Pieri, in der auch Jochen Hahn gearbeitet hat, von einem verfeindeten Stamm der in Pieri ansässigen Nuer, durch die Murle, überfallen worden. Schätzungen zufolge sind dabei mehrere hundert Personen ums Leben gekommen. Hunderte wurden verletzt. Fast die Hälfte der Häuser in der Stadt sind zerstört worden. Mindestens eine der etwa 110 nationalen Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" ist mit ihrer gesamten Familie getötet worden. Ein anderer Angestellter hat 16 Angehörige verloren.

Die Plünderer haben dabei auch das Gelände von "Ärzte ohne Grenzen" angegriffen. Sie haben medizinische Geräte, Medikamente gestohlen und Teile der Einrichtung niedergebrannt. "Wir haben geweint, als wir davon hörten", sagt Jochen Hahn. Aber entmutigt hat es ihn nicht. Die Klinik soll wieder aufgebaut werden. Dafür hat er sich bereits stark gemacht.

"Ärzte ohne Grenzen" wird heute 40 Jahre alt. Seit der Gründung 1971 in Paris unter dem Namen "Médecins Sans Frontières" leistet die Organisation medizinische Nothilfe weltweit. Mitarbeiter aus insgesamt 19 Ländern helfen, wenn in Krisengebieten oder nach Naturkatastrophen das Leben vieler Menschen bedroht ist. "Ärzte ohne Grenzen" arbeitet unabhängig von der ethnischen Herkunft, der politischen oder religiösen Überzeugung der Patienten. Das Engagement wird zum größten Teil aus privaten Spenden finanziert. 1999 ehrte das Nobelkomitee die Organisation mit dem Friedensnobelpreis.

2011 sind rund 300 Deutsche in Projekte der Hilfsorganisation ausgereist, darunter zehn aus Sachsen.

Spendenkonto 97097, BLZ 37020500, Bank für Sozialwirtschaft.

Insa van den Berg

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